Fahrländer

Meine letzte Kolumne über Schulpflegen

Letzte Woche gab der Aargauer Regierungsrat um Bildungsdirektor Alex Hürzeler bekannt, die Schulpflegen bis Ende 2021 abzuschaffen.

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik. Heute: über die angekündigte Abschaffung der Schulpflege.

Eigentlich wollte ich nicht nochmals die Abschaffung der Schulpflegen in Zweifel ziehen. Ich habe das schon mehrfach getan, bereits im Dezember 2012, als die Regierung die erste, später sistierte Abschaffungs-Vorlage präsentierte. Ich will ja nicht ein alternder Knabe sein, der sich dagegen wehrt, dass Dinge sich ändern, die Welt sich weiterdreht. Schliesslich unterstützen die meisten Parteien und Verbände die Abschaffung, auch der Lehrer- und der Schulleiterverband. Nur der Verband Aargauer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP) stellt sich quer. Aber das ist ja klar, wer will sich schon selber abschaffen.

Allerdings fällt mir soeben auf: Meine Fragen und Bedenken hat noch nie jemand beantwortet oder ausgeräumt. Konnte niemand oder wollte niemand? So habe ich zum Beispiel gefragt:

  • Entfernt sich die Volksschule nicht vom Volk weg, wenn die Volkswahl der Schulpflege wegfällt? Wer widmet sich künftig der Integration der Schule in Gemeinde und Gesellschaft? Ist die Abschaffung der Volkswahl nicht ein Demokratieabbau?
  • Wie ist die Schule strategisch sachkundiger geführt: durch ein Gremium, das sich ausschliesslich mit ihr befasst, oder durch ein Gremium, das daneben noch tausend andere Sachgeschäfte auf dem Tisch hat? Ist Schulführung künftig ein politisches Sachgeschäft wie jedes andere? Nimmt dadurch der finanzielle Druck auf die Schulen zu?
  • Wenn man ein Kompetenzgerangel ortet zwischen der Schulpflege und dem Gemeinderat (punkto Finanzen) oder zwischen der Schulpflege und den Schulleitungen (punkto Personalentscheide) – sollte man dieses Gerangel nicht durch einvernehmliche Lösungen «entrangeln» statt einfach die eine Seite abzuschaffen?
  • Schulleitungen leisten heute gemäss einer Studie Überstunden von 10-15 Prozent. Nun müssten sie mehr Aufgaben übernehmen. Ihre Pensen sollen im Schnitt um 10 Prozent aufgestockt werden. Genügt das? Oder nimmt die Überlastung weiter zu?
  • Schulpflegemitglieder arbeiten für ein geringes Entgelt. Die aufzustockenden Schulleitungs-Löhne kosten wohl mehr. Ist es in finanziell angespannten Zeiten angezeigt, ein günstigeres Modell durch ein teureres zu ersetzen?
  • Was ist eigentlich gewonnen, wenn man die Schulpflegen abschafft? «Verschlankung der Führung» ist ein Schlagwort, das man noch mit Inhalt füllen müsste.

Vielleicht nimmt sich ja jemand die Mühe, diese Fragen zu beantworten. Und wenn nicht – dies war wohl trotzdem meine letzte Kolumne in dieser Sache. Ich will nichts und niemanden aufhalten.

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