Um künftig auch Mikroverunreinigungen eliminieren zu können, müssen im Kanton Aargau acht regionale Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nachgerüstet werden. Die Vorhaben sollen schrittweise bis 2035 realisiert werden. Eine der Quellen für solche Mikroverunreinigungen sind Spitäler.

Rund 18 Prozent aller in der Schweiz verkauften Medikamente werden in den 427 Spitälern des Landes abgegeben. Die Rückstände dieser Medikamente landen über die Ausscheidungen früher oder später im Abwassersystem. Viele dieser Arzneimittelrückstände können in den heutigen Kläranlagen nicht oder nur teilweise abgebaut werden.

Problematisch sind beispielsweise Antibiotika, da sich Resistenzen entwickeln können. Auch Röntgenkontrastmittel sind heikel, da diese kaum abbaubar sind.

Pilotstudie am Kantonsspital Baden

Lässt sich dagegen überhaupt etwas tun? Diese Frage will Luca Rossi von der Sinef AG beantworten. An der 50. Aargauischen Klärwärtertagung in der Feldschlösschen AG in Rheinfelden zeigte er kürzlich anhand einer Pilotstudie zum Kantonsspital Baden (KSB) konkrete Lösungsvorschläge auf. Das Abwasser des Spitals fliesst über lange Zuleitungen zur ARA Baden und wird dort über mehrere Behandlungsstufen gereinigt.

Bei starken Niederschlägen kann es passieren, dass mit Regenwasser auch Medikamentenrückstände in die Gewässer gelangen. In der Studie ging es darum, abzuklären, mit welchen Möglichkeiten sich solche Einleitungen in die Limmat reduzieren lassen. Massnahmen können an der Quelle im Spital, im Kanalnetz oder in der Kläranlage durchgeführt werden. Alle drei Möglichkeiten hat Rossi geprüft.

Eine Behandlung der Abwässer im Spital konnte relativ schnell ausgeschlossen werden, da sie umfangreiche technische Einrichtungen und zusätzliche Kompetenz für den Betrieb erfordern würde. Geprüft wurde auch, ob die Trennung des Spitalabwassers aus Patientenbereichen und den übrigen Spitalbereichen eine wirkungsvolle Lösung darstellt.

Kein Abwasser in die Limmat

Umfangreiche Abklärungen im Kanalnetz und die Simulation von Regenereignissen zeigte schliesslich, dass am meisten erreicht werden kann, wenn das Abwasser des Spitals bei Starkregen gespeichert wird. Dafür müsste ein Rückhaltebecken gebaut werden, welches das Spitalabwasser auffängt. Das Becken, das 300 Kubikmeter Wasser fassen müsste, könnte das Abwasser nach dem Regenereignis zur Kläranlage fliessen lassen, wodurch kein Abwasser in die Limmat gelangen müsste.

99,8 Prozent des Abwassers würden so direkt zur Kläranlage fliessen und behandelt werden. Wie Jörg Kaufmann, Leiter Abwasserreinigung und Siedlungsentwässerung des Kantons, auf Anfrage erklärt, sei es das Ziel, ein solches Rückhaltebecken mit dem Neubau des KSB zu realisieren. Die Verantwortlichen des Kantonsspitals sind in die Abwasserstudie involviert.

Manual für Klärwärter

Bei der Klärwärtertagung ging es aber nicht nur um Spitalabwasser, sondern auch um Vorgänge in den Kläranlagen. Auch wenn dort heute vieles durch Hightech-Geräte gesteuert wird, kann immer etwas schiefgehen. Ein Ereignis im Einzugsgebiet einer Anlage – beispielsweise mit Benzin, Öl oder Chemikalien, könnte fatale Folgen haben. Auch Vorfälle in der Anlage selber, wie ein Stromunterbruch, Hochwasser oder Lecks sind gefährlich.

In einem solchen Fall müssen die verantwortlichen Klärwärter genau wissen, was sie tun müssen. «Solche Handlungsanweisungen sind heute noch nicht auf allen Kläranlagen vorhanden», erklärte Max Schachtler, Betriebsleiter der ARA Dübendorf, in seinem Vortrag. Deshalb gibt es nun ein neues Tool, das Max Schachtler gemeinsam mit anderen Experten erarbeitet hat. In einem Manual gibt es für jeden dieser Fälle ein Formular von höchstens drei Seiten, auf denen der exakte Handlungsbedarf beschrieben ist und auch Erfahrungen aus früheren Vorfällen festgehalten werden können.

Sauberes Wasser für gutes Bier

Schliesslich erhielten die Klärwärter auch noch einen internen Einblick: Thomas Janssen von der Feldschlösschen Getränke AG erklärte, wie die Abwasserbehandlung der Firma gestaltet ist. Völlig unbelastetes Wasser lässt man dabei versickern, während stark belastetes Abwasser erst vor Ort behandelt und dann gemeinsam mit dem schwach belasteten Abwasser zur Kläranlage transportiert wird.

Dass das saubere Wasser auch dem Bier zugute kommt, wie Jörg Kaufmann in seiner Eröffnungsrede betonte, konnten die Klärwärter am Nachmittag gleich selbst erfahren: Die Tagung endete mit einem Rundgang durch die Produktion, wo das Bier auch probiert werden durfte.