Klimadebatte

Mit gutem Beispiel voran: Was Private im Aargau fürs Klima tun können

Zwischen 14 und 19 Uhr am Tag jeder Informationsveranstaltung besteht die Möglichkeit, Elektromobile zu erkunden (im Bild in Stein).

Zwischen 14 und 19 Uhr am Tag jeder Informationsveranstaltung besteht die Möglichkeit, Elektromobile zu erkunden (im Bild in Stein).

Die Klimadebatte sollte sich nicht in der Abgabe des Stimmzettels erschöpfen. Denn jeder und jede kann im eigenen Bereich selbst etwas tun. Tatsächlich ist das Interesse in der Bevölkerung enorm. So haben sich bereits über 1400 Personen für Informationsveranstaltungen zu den Themen Solarstrom und Elektromobilität angemeldet. Einige hundert Plätze hat es aber noch.

Die Energiewende ist in aller Munde. Doch um sie zu erreichen, ist auf allen Ebenen noch sehr viel zu tun. Zwar hat die Schweiz mit ihrem hohen Anteil sauberer Wasserkraft beim Strom eine gute Ausgangslage. Doch drei Viertel der verbrauchten Energie – vorab Öl und Gas – ist importiert.

Wie könnte man die eigene Energiebilanz verbessern? Alljährlich gibt die Energieberatung des Kantons Aargau an grossen Informationsveranstaltungen einen Überblick über entsprechende Möglichkeiten auf Stufe Haushalt. Dieses Jahr steht das Thema Eigenverbrauchsoptimierung im Fokus. Speziell betrachtet wird die Kombination einer eigenen Solarstromanlage kombiniert mit Elektromobilität. Am Ort der jeweiligen kostenlosen Informationsveranstaltung (siehe Box) besteht schon von 14 bis 19 Uhr die Möglichkeit für Probefahrten mit Elektroautos. Zusätzlich zu den Infoveranstaltungen werden Workshops in kleinerer Zusammensetzung angeboten, wo man noch konkreter erfährt, worauf bei Solarstrom oder E-Mobilität genau zu achten ist.

Kantone sind für die Gebäude zuständig

Die AZ war an der ersten, sehr gut besuchten Informationsveranstaltung in Stein dabei.  Stephan Kämpfen, Sektionsleiter Energieeffizienz beim Kanton, verwies dabei einleitend auf die Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen. Der Bund ist für Geräte und den Verkehr zuständig, die Kantone für die Gebäude. Das ist auch der Grund, warum etwa über eine CO2-Abgabe auf Treibstoff national entschieden wird.

Gebäudevorschriften, Förderprogramme und Empfehlungen für Massnahmen an Gebäuden sind hingegen vor allem in der Kompetenz der Kantone. Sie haben die sogenannten Mustervorschriften im Energiebereich erarbeitet, und passen sie regelmässig an. Im Aargau ist derzeit mit Blick auf die neusten Mustervorschriften und zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 eine Revision des Energiegesetzes unterwegs. In erster Lesung ist es im Grossen Rat schon behandelt worden. Jetzt ist wieder die Regierung am Zug, um eine Botschaft für die entscheidende zweite Lesung auszuarbeiten. Wenn alles läuft wie geplant, soll das Gesetz spätestens 2021 in Kraft treten. Es sieht Stand jetzt kein Verbot von Ölheizungen vor.

E-Auto-Radius massiv grösser als vor einigen Jahren

In einem der Referate am ersten Infoabend in Stein weist Gian Güler, Projektleiter bei e’mobile, darauf hin, dass die Reichweite von Elektroautos in den letzten Jahren massiv gesteigert werden konnte. Ein Elektromobil der AZ-Redaktion kam vor einigen Jahren etwa 100 weit, bis es aufgeladen werden musste. Neuste Autos haben laut Güler bereits eine Reichweite von bis 500 Kilometern. Angesichts einer durchschnittlichen Tagesdistanz von  knapp 37 Kilometern pro Person sollte das in vielen Fällen reichen. Zudem wächst das Netz von Ladestellen ständig. Zu empfehlen ist gleichwohl, den Strom fürs E-Auto möglichst mit einer Solaranlage selbst zu produzieren.

Die Kantone  leisten ihren Beitrag durch höhere Anforderungen an die Gebäudehüllen. Während man in einem üblichen Neubau aus dem Jahr 1975 pro Quadratmeter Energiebezugsfläche 22 Liter Heizöl brauchte bzw. braucht, sank dieser Wert für Raumwärme und Warmwasser bei Neubauten stufenweise auf spektakulär tiefe 4,5 Liter, mit den neuen vorgesehenen Vorschriften gar noch auf etwa 3,5 Liter.

In den letzten 20 Jahren habe man die Häuser immer besser gedämmt, sagt David Zimmerli von Setz Architektur am Infoabend. Da ist inzwischen ein guter Level erreicht. Noch mehr herausholen kann man natürlich mit einer umweltfreundlichen Heizung und zum Beispiel mit einer Solaranlage auf dem Dach. Zimmerli zeigt an konkreten Beispielen, wie man Solarenergie in einem neuen Gebäude optimal nutzen kann. Energieproduktion ist heute auch in der Fassade möglich. Daran, dass der Ertrag einer Solaranlage stark tages- und jahreszeitenabhängig ist, ändert das aber nichts. Durch modernste Gebäudetechnik und -steuerung kann man jedoch in grösseren Überbauungen die selbst erzeugte Energie bestmöglich einsetzen.

Etwas Wichtiges wird sich in den Haushaltungen ändern. Früher liess man stromintensive Geräte wie Geschirrspüler nachts laufen, wenn der Strom im Überfluss vorhanden und  günstig war. Künftig dürfte der Strom infolge der immer zahlreicheren Solaranlagen tagsüber günstiger sein, und viele Haushaltsgeräte am Tag laufen – auch weil Stromspeicherung teuer ist.

Ein Besuch einer dieser Informationsveranstaltungen der Energieberatung lohnt sich, zumal die Fachleute des Kantons bei jedem Teilthema zeigen, wo man gezielt Zusatzinformationen findet. Zum Beispiel den Solarkataster, der zeigt, ob und wie gut sich das eigene Hausdach für eine Solaranlage empfiehlt. Oder, was steuerlich abziehbar ist, und wofür es Fördermittel gibt.

Eins ist so oder so wichtig für Bauherrinnen und Bauherren: Wer für eine (Teil-)Sanierung eines Gebäudes Fördermittel beanspruchen will, muss diese unbedingt vor Baubeginn beantragen und die Unterlagen dazu einreichen – nachher ist es zu spät dafür.

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