«Talk Täglich»

Mit Hammer und Tanz: Infektiologe Christoph Fux erklärt den Kampf gegen das Coronavirus

Sind Turbo-Lockerungen sinnvoll?

Das ganze «Talk Täglich»-Gespräch mit Christoph Fux im Video.

Die Ansteckungszahlen im Kanton Aargau sinken weiter. Infektiologe Christoph Fux mahnt im Talk Täglich dennoch zur Vorsicht und erklärt, wie der Kampf gegen das Coronavirus weitergehen muss.

Der kantonale Führungsstab verzeichnet so wenige Neuansteckungen wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr: Seit gestern Montag liegen im Aargau lediglich zwei neue laborbestätigte Coronafälle vor, wie aus dem Lagebulletin hervorgeht. Damit steigt die Zahl im Aargau auf insgesamt 1135 Fälle. Gemäss einer Schätzung des Kantonsärztlichen Dienstes gelten rund 940 Personen wieder als geheilt.

23 Infizierte befinden sich aktuell im Spital. Fünf Personen werden auf Intensivstationen behandelt, wovon vier künstlich beatmet werden müssen. Drei weitere Coronapatienten liegen auf der Überwachungsstation. Die Zahl der Todesfälle im Aargau liegt im Vergleich zum Vortag unverändert bei 36.

Am 30. April endete der Einsatz der Spitalsoldaten am Kantonsspital Baden. Zurzeit unterstützen noch 168 Zivilschützer, 21 Soldaten und 30 Zivildienstler mehrere aargauische Spitäler und Pflegeheime in den Bereichen Betreuung, Pflege, Logistik und Personenlenkung.

«Das Konzept heisst Hammer und Tanz»

Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Aarau (KSA), verfolgt die Entwicklung der Pandemie schon seit Wochen. «Der Kampf gegen Corona wird nicht im Spital gewonnen», sagte Fux am Dienstagabend im TalkTäglich von Tele M1. Die Spitäler seien wichtig bei der Behandlung von Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf. Bei der Eindämmung der Coronapandemie sei hingegen das Verhalten der Bevölkerung entscheidend. Bisher hätten die Aargauerinnen und Aargauer die Hygiene- und Abstandsregeln gut befolgt, sagte Fux. «Händewaschen und Abstand halten sind absolute Schlüsselfaktoren, deshalb sind die Zahlen in den letzten Tagen auch stetig gesunken», erläuterte der Chefarzt.

Auf die Frage von Moderator Rolf Cavalli, wie er die Schul- und Ladenöffnung am Montag bewerte, antwortete der Infektiologe mit einem Vergleich. «Das Konzept heisst Hammer und Tanz: Erst schlägt man mit dem Hammer zu und verhängt den Lockdown, wenn die Situation es erlaubt folgen Öffnungen, also der Tanz», verglich der Infektiologe. Er befürchtet, dass die Menschen mit der Öffnung sorgloser werden. «Es braucht Disziplin, auch wenn das Wetter schön und warm ist, darf es nicht zu grossen Ansammlungen kommen.» Fux erinnerte an die exponentielle Verbreitung des Coronavirus und sagte, die Zahl der Ansteckungen könne rasch wieder ansteigen.

«Die Leute müssen sich im Klaren sein: Wenn jemand infiziert ist, müssen alle, die engen Kontakt mit dieser Person hatten, zehn Tage in Quarantäne.» Als enger Kontakt gelte eine ­Distanz von unter zwei Metern während mehr als 15 Minuten. Dennoch sei das System des Contact Tracing, bei dem nur Betroffene isoliert würden, viel besser als ein Lockdown, bei dem alle zu Hause bleiben müssten. «Aber es braucht viel Personal beim Kantonsärztlichen Dienst, um Isolierte zu betreuen und Kontakte nachzuverfolgen.»

Meistgesehen

Artboard 1