Auftrag

Mit Kantonsgeldern finanziert: Aargauer Kunsthaus bestellt in Luzern – das wirft Fragen auf

Das Zelt für das Aargauer Kunsthaus kommt aus Luzern.

Das Zelt für das Aargauer Kunsthaus kommt aus Luzern.

Das Aargauer Kunsthaus ist eine Institution, die stark vom Kanton finanziert wird. Nun vergab sie einen Auftrag ausserkantonal.

Für das Eröffnungswochenende der neuen Ausstellung liess das Aargauer Kunsthaus vor dem Eingang mehrere Kuppelzelte aufbauen. Ein AZ-Leser hat den Aufbau fotografiert und dabei festgestellt, dass die Zelte von einer Firma aus Altwis LU aufgebaut wurden. Dies wirft die Frage auf, warum die Institution, die massgeblich mit Kantonsgeldern finanziert wird, den Auftrag nicht an ein Aargauer Unternehmen vergab.

Christina Omlin, Mediensprecherin des Kunsthauses, teilt auf Anfrage der AZ mit: «Das Unternehmen ist einer unserer Partner, den wir kennen und dessen Qualität wir schätzen.» Es sei aber nicht der einzige Anbieter, für Zeltaufbauten bei Ausstellungseröffnungen berücksichtige das Kunsthaus «bevorzugt auch Firmen aus dem Kanton Aargau». Die Kosten für Miete, Lieferung, Auf- und Abbau der Zelte, die vom 4. bis 7. September vor dem Kunsthaus standen, lagen bei 6600 Franken. Ob andere Firmen angefragt wurden und die Offerten von Aargauer Anbietern allenfalls zu hoch waren, beantwortet Omlin nicht. Sie hält lediglich fest, der nun ausgewählte Luzerner Partner habe «mit seinem Angebot überzeugt, da wir spezielle Anforderungen aufgrund der Vorgaben des coronabedingten Schutzkonzepts hatten».

Zudem komme für Aus­gaben im Zusammenhang mit Ausstellungen – dazu gehört auch dieses Eröffnungswochenende – nicht nur der Kanton auf. An den Kosten beteiligen sich laut Omlin auch der privatrechtlich organisierte Aargauische Kunstverein sowie mehrere Sponsoren und Stiftungen.

Für die Aargauer Veranstaltungstechniker, die stark unter der Coronakrise leiden, dürfte der Entscheid des Kunsthauses dennoch schwer verständlich sein. Erst vor einer Woche meldete die Smartec AG in Aarau auf ihrer Website, dass 16 Stellen abgebaut werden mussten. Corona habe massive Konsequenzen für das Unternehmen, «wir müssen Massnahmen treffen, die wir vor ein paar Monaten nie für möglich gehalten hätten». Das Konzept der letzten Jahre, auf gut ausgebildetes Personal zu setzen und einen grossen Material- und Fuhrpark zu unterhalten, sei angesichts des Stillstands nicht zu halten. Auch andere Anbieter wie Winkler Livecom in Wohlen, oder Megatron in Mellingen rechnen mit Auftragsausfällen zwischen 80 und 90 Prozent. Sie alle haben ihre Belegschaft in Kurzarbeit geschickt, um zu überleben.

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