Mittelschule
Frick, Stein oder Rheinfelden? Die Regierung sucht noch nach dem neuen Kanti-Standort

Die Kantonsregierung eröffnet die Anhörung zur neuen Mittelschule im Fricktal, die wegen des Bevölkerungswachstums nötig wird. In Frage kommen Frick, Stein oder Rheinfelden. Auch im Mittelland soll es eine neue Mittelschule geben. Da sind aber noch viele Fragen offen, der Standort ist noch nicht entscheidreif.

Mathias Küng
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Weil die Schülerzahlen steigen, braucht der Aargau neue Kantonsschulen.

Weil die Schülerzahlen steigen, braucht der Aargau neue Kantonsschulen.

Urs Flüeler

Die Regierung hat die Anhörung für die Standortwahl der ersten von zwei geplanten neuen Mittelschulen eröffnet. Wer an der Skype-Medienkonferenz dazu eine Präferenz der Regierung erwartet hatte, sah sich aber getäuscht. Im Fricktal, wo auf jeden Fall eine neue Mittelschule errichtet werden wird, schickt die Regierung bewusst drei mögliche Standorte ins Rennen: Frick, Stein und Rheinfelden.

Bildungsdirektor Alex Hürzeler

Bildungsdirektor Alex Hürzeler

Britta Gut

Alle drei Standorte würden sich grundsätzlich eignen, sagte Landstatthalter und Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Darum verzichte die Regierung auf eine Empfehlung. Aufgrund der Rückmeldungen aus der Anhörung, die drei Monate dauern wird, werde sie dann einen Standortvorschlag ausarbeiten.

Auf Nachfrage sagte Hürzeler, es gebe keine Präferenz, weil es nicht klar sei. Wenn alle Machbarkeitsstudien, Landpreisverhandlungen etc. zu einem klaren Ergebnis geführt hätten, wäre es zu einer Empfehlung gekommen:

«Doch keiner der Standorte ist in allen Punkten nur positiv. Sie halten sich etwa in Waage.»

Hürzeler: «Das ist eine schöne Ausgangslage.» Es habe übrigens auch weitere Angebote gegeben, die man geprüft habe. Jetzt habe man drei fundiert und sauber abgeklärte, machbare Möglichkeiten. Projektleiter Florian Weingartner ergänzt: «Klar ist, dass alles geht, das ist doch ein grosser Vorteil.» Wäre nur einer der angeschauten Standorte möglich gewesen, wäre man nicht in einer so guten Situation wie jetzt, so Weingartner.

Was aber, wenn sich die drei möglichen Standorte auch nach der Anhörung in Waage halten? Er sei überzeugt, dass nicht nur die möglichen Standortgemeinden sich einbringen werden, sondern auch die Parteien, und dass manche die Kriterien womöglich anders gewichten. Auf jeden Fall werde die Regierung in ihrer Botschaft an den Grossen Rat eine Empfehlung abgeben. Der Entscheid liege dann aber beim Grossen Rat.

Inbetriebnahme ist für das Jahr 2029 geplant

Wie sieht es zeitlich aus? Aufgrund der Anhörungsantworten wird die Regierung die Botschaft erarbeiten und diese im Spätsommer dem Grossen Rat zukommen lassen. Dieser dürfte im vierten Quartal 2021 entscheiden. Ende 2023 soll der Projektierungskredit beschlossen werden, Anfang 2026 der Ausführungskredit. Die Inbetriebnahme der neuen Mittelschule ist dann Mitte 2029 für das neue Schuljahr geplant.

Die Mittelschulen der beiden Basel werden ab Mitte der Zwanzigerjahre schrittweise weniger Aargauer Schülerinnen und Schüler aufnehmen können. Frühestens ab dem Schuljahr 2025/26 braucht es deshalb provisorische Schulräume, möglichst mit Anschluss an bestehende Infrastrukturen wie Sport, Labore, Mensa oder Ähnliches. Wo die zu stehen kommen, ist noch völlig offen, wie Hürzeler an der Medienkonferenz sagte.

Der Standort Fricktal liege aber auf der Hand. Für diesen werde es ein separates Geschäft geben. Faktisch startet die neue Kanti also bereits früher – in Provisorien. Hürzeler weiter:

«Wir hätten diesen Zeitdruck lieber nicht. Aber die beiden Basel stehen vor denselben demografischen Herausforderungen wie wir.»

Braucht es überhaupt so viel Zusatzplatz?

Zur Frage, ob es aufgrund pandemiebedingter Fernunterrichtserfahrungen wirklich so viel zusätzlichen Schulraum braucht (im Fricktal und im Mittelland), sagte Kathrin Hunziker, Leiterin Abteilung Berufsbildung und Mittelschule: Tatsächlich erlaube die Digitalisierung mehr Möglichkeiten des selbstorganisierten Lernens an der Schule wie auch zu Hause. Hunziker: «Präsenzunterricht bleibt an der Sek II die erfolgversprechendste Unterrichtsform.»

Zudem sei die Maturitätsquote in den letzten zehn Jahren um rund zwei Prozent gestiegen. Die Nachfrage nimmt tendenziell weiter zu, da sich der durchschnitt­liche Bildungsstand der Bevölkerung erhöht. Hunziker: «Die senkenden und steigernden Effekte auf den Raumbedarf halten sich im Betrachtungszeitraum ungefähr in Waage.»

Suche im Mittelland ist noch im Gang

Mit der Durchführung einer Anhörung zur Standortfestsetzung einer neuen Mittelschule im Aargauer Mittelland wird entgegen der ursprünglichen Planung noch zugewartet, wie Alex Hürzeler gestern weiter bekanntgab. Die Gründe seien einerseits der höhere Zeitdruck im Fricktal und andererseits die aktuellen Entwicklungen im Mittelland. So haben sich im Westaargau mit dem Angebot der Stadt Aarau an den Kanton zum Abtausch der Bezirksschulanlage Zelgli gegen die Sportanlage Telli neue Optionen zum Ausbau der bestehenden beiden Kantonsschulen in Aarau eröffnet.

Gleichzeitig sei die Evaluation von potenziellen Standorten in Lenzburg und Windisch noch nicht ausgereift genug für eine Anhörung. Zudem zeigen die neusten Bevölkerungsprognosen von Statistik Aargau, dass das grösste Wachstum der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen im Ostaargau zu erwarten ist. Die Anhörung zum Standortentscheid für die neue Mittelschule im Aargauer Mittelland wird daher erst im nächsten Jahr erfolgen, voraussichtlich findet sie im zweiten Semester 2022 statt.

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