Coronakrise

NAB-Chef: «Ich bin in Selbstquarantäne und pro Tag bis 10 Stunden am Telefon»

NAB-CEO Roland Herrmann arbeitet seit einer Woche von zu Hause – als Vorsichtsmassnahme.

NAB-CEO Roland Herrmann arbeitet seit einer Woche von zu Hause – als Vorsichtsmassnahme.

NAB-CEO Roland Herrmann im Interview über die Coronakrise, Führen aus dem Home-Office und die Kreditflut.

Das Coronavirus stürzt das Land in eine nie da gewesen Krise. Ganz zentral bei deren Bewältigung: die Banken. Darum haben sich Vertreter der Geldhäuser und der Aargauer Regierungsrat Ende letzter Woche zu einem Krisengipfel getroffen und ein Hilfspaket über 300 Millionen Franken geschnürt. Unterdessen sind die dort anwesenden Regierungsräte, Urs Hofmann und Markus Dieth, am Coronavirus erkrankt.

Roland Herrmann, welche Konsequenzen haben diese Diagnosen für Sie als CEO der Neuen Aargauer Bank?

Ich ging unmittelbar nach dem Bekanntwerden für 14 Tage ins Home-Office und befolge un­sere internen Regeln. Das gehört zu meiner Vorbildfunktion. In Krisenzeiten schauen die Mitarbeitenden noch genauer, was ihre Vorgesetzten machen.

Haben Sie sich testen lassen?

Nein. Für mich gilt das Gleiche wie für alle anderen: Getestet wird nur bei ernsthaften Symptomen. Mir geht es gut. Es gibt Leute, die viel dringender auf einen Test angewiesen sind.

Weitere Aargauer Regierungsmitglieder mit Coronavirus infiziert

Weitere Aargauer Regierungsmitglieder mit Coronavirus infiziert (25. März)

Das Coronavirus macht in der Aargauer Regierung weiter die Runde. Nach Regierungsrat Urs Hofmann und Polizeikommandant Michael Leupold sind nun auch der Landammann Markus Dieth und der Regierungssprecher Peter Buri erkrankt.

Wie führen Sie die NAB von daheim durch diese Krise?

Ich bin täglich bis zu zehn Stunden am Telefon oder an Videokonferenzen. Wir müssen jetzt unglaublich flexibel sein. Die Situation verändert sich laufend. Generell kann ich sagen, dass die Kommunikation in ihrer ganzen Breite in diesen Tagen zentraler ist als jemals zuvor.

Was heisst das?

Ich wende mich regelmässig mit Mails oder CEO-Videos an alle Mitarbeitenden. Zudem tausche ich mich regelmässig mit den Direktions- und Führungskräften via Skype aus. Es ist momentan wichtig für alle, dass sie mich regelmässig hören und die aktuelle Lagebeurteilung kennen.

Wie sieht die aus?

Ich bin ruhig, optimistisch und konsequent. Ich bin überzeugt, dass wir alle dank vereinten Kräften diese Krise meistern werden. Die ausserordentliche Lage, so schwierig sie auch ist, setzt unglaublich viel Solidarität und positive Energien frei.

Wie viele Ihrer Leute arbeiten wie Sie im Home-Office?

Zum Schutz der Mitarbeitenden arbeiten zwei Drittel im Home- Office und rund ein Drittel, das sind 200 Personen, sind vor Ort. Viele in den zwölf Standorten mit Schaltern oder in zentralen Einheiten wie unserem Kunden-Servicecenter, das von 8.00 bis 17.30 Uhr viele Anliegen entgegennimmt. Unsere Beraterinnen und Berater stehen unserer Kundschaft jetzt viel stärker telefonisch zur Seite.

Zwei Drittel arbeiten von zu Hause in einer Zeit, in der die Banken sehr gefragt sind. Wie funktioniert das?

Es ist ein riesiger Sondereffort von allen. Noch vor zwei Monaten war Home-Office in diesem Ausmass nicht vorstellbar. Wir betreuen unsere Kunden jetzt quasi von der Stube aus.

Wie wichtig sind die Banken in der Coronakrise?

Sie sind verantwortlich dafür, in der jetzigen Situation genügend Liquidität in den Geldkreislauf zu pumpen. Es geht dabei um nichts weniger als um die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens.

Wie genau funktioniert das?

Wir haben schon angefangen, bevor Bundesrat Ueli Maurer das Coronahilfspaket schnürte. So schieben wir zum Beispiel Kreditamortisationen bis zu sechs Monate lang auf. Auch so können wir dazu beitragen, die drängendsten Liquiditätsprobleme abzufedern.

Seit Donnerstag können KMU nun auch Über­brückungskredite bei Ihnen und allen anderen Banken beantragen. Wie lief das an?

Lassen Sie mich eines vorneweg sagen: Ich finde es sensationell, was Behörden, Regulatoren und Banken innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt haben. Man hat gemeinsam ein Hilfspaket geschnürt, das alle bis­herigen Dimensionen sprengt. Einen solchen Sondereffort habe ich noch nie erlebt – auch nicht in der Krise 2008/09.

Wie gross war die Kredit- Nachfrage bei der NAB?

Bis Donnerstagabend erreichten uns 500 Anträge, bis Freitag­vormittag waren es schon 700. Die ersten 300 Kredite wurden schon am Freitag ausbezahlt, rund 150 erfüllten noch nicht alle Formanforderungen und mussten von den Firmen kurz überarbeitet werden. Wir arbeiten jetzt bis 22 Uhr und dann das Wochenende durch.

Wie hoch waren die Kreditanträge im Schnitt?

Dazu kann ich derzeit noch nichts Gesichertes sagen. Aber wir schätzen, dass sich der Durchschnitt so um die 100000 Franken bewegen wird.

Kann man so eine Rezession verhindern?

Das ist heute sehr schwer zu prognostizieren. Ich finde, dass die Schweiz sehr konsequent und zugleich sehr umsichtig agiert. Man versucht den gesundheitlichen, als auch den wirtschaftlichen Schaden so klein wie möglich zu halten. Ob es wirklich funktioniert, wird die nahe Zukunft zeigen. Aber am wichtigsten ist jetzt, dass wir die Aargauer Wirtschaft und das Gewerbe rasch mit Soforthilfe unterstützen können.

Was bedeutet das Corona­virus für das aktuelle ­Geschäftsjahr der NAB?

Das Jahr lief sehr gut an und wir bewegten uns im Januar und Februar auf der Höhe von 2018 und 2019. Wie stark die Coronakrise unser Ergebnis nun beeinflusst, ist schwer zu sagen, aber wir werden mit Sicherheit nicht eins zu eins an die Vorjahre anknüpfen können.

Was sind die wichtigsten Gründe dafür?

Das hat viel mit dem Geschäftsgang des Aargauer Wirtschaft und der schwierigen Börsensituation zu tun. Viele Geschäfts­aktivitäten sind sehr stark eingeschränkt oder stehen praktisch still. Das wird auch bei uns Spuren hinterlassen. Aber als optimistisch denkender Mensch weiss ich: Nach jedem noch so heftigen Gewitter scheint auch wieder die Sonne.

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