Neuerungen
Nach Erhöhung im letzten Jahr: Jetzt senkt AEW Strompreise um 10 Prozent

Der grösste Versorger im Aargau konnte günstiger einkaufen – Solarstromproduzenten erhalten künftig eine höhere Abgeltung.

Fabian Hägler
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Einsatz mit Maske: Ein AEW-Arbeiter ersetzt alte Kabel im Gebiet Lenzhard in Lenzburg.

Einsatz mit Maske: Ein AEW-Arbeiter ersetzt alte Kabel im Gebiet Lenzhard in Lenzburg.

AEW/ZVG

Dieses Jahr ist der Aargau gehobener Durchschnitt, wenn es um die Strompreise geht. 21,57 Rappen pro Kilowattstunde mussten Privatkunden der AEW Energie AG zahlen, das ist deutlich mehr als in den Kantonen Zürich und Luzern, leicht mehr als in Basel- Land und nur knapp weniger als in Solothurn. Die AEW-Tarife liegen heuer auch über dem kantonalen Mittelwert von 19,97 Rappen, der auch die Preise der kleinen Anbieter enthält.

In den vergangenen drei Jahren erhöhte die AEW den Strompreis regelmässig – nun ändert sich dieser Trend. 2021 sinken die Preise um gut 10 Prozent, ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden spart so pro Jahr rund 100 Franken. Dies gaben AEW-CEO Hubert Zimmermann und Energiebereichsleiter Marc Ritter an einer Medienkonferenz am Dienstag bekannt. Von der Preissenkung profitieren Privat- und Gewerbekunden des Stromversorgers gleichermassen.

Strom günstiger eingekauft, Einsparung weitergegeben

Möglich wird diese Preissenkung, weil die AEW den Strom günstiger einkaufen konnte. «Wir beschaffen den Strom ja immer im Voraus, und zuletzt sind die Preise gefallen, diese Einsparung geben wir unseren Kunden weiter», erklärt Ritter. Dabei habe ein Corona-Effekt mitgespielt. Weil während des Lockdowns weltweit die Nachfrage nach Strom gesunken sei, hätten sich auch die Preise entsprechend reduziert. Insgesamt sind die Einkaufspreise für das Lieferjahr 2021 zwischen Mai 2019 und Mai 2020 um rund 20 Prozent gesunken. Die weiteren Faktoren beim Strompreis – Netznutzungstarife und Abgaben zur Förderung erneuerbarer Energie – bleiben fast gleich.

An ihre Privatkunden liefert die AEW keinen Atom-, Kohle- oder Gasstrom. Das günstigste Basisprodukt ist Strom aus heimischer Wasserkraft, etwas teurer ist der Mix mit 15 Prozent Solarstrom, am meisten kostet «Naturstrom+». Heute enthält dieser 50 Prozent Strom aus Wasserkraft, 5 Prozent macht die Windenergie aus, 45 Prozent stammen aus Solaranlagen. Ab 2021 wird der Anteil des Sonnenstroms auf 55 Prozent erhöht, dieser wird mehrheitlich im Aargau produziert.

Wer selber eine Fotovoltaikanlage betreibt und seinen Solarstrom an die AEW liefert, erhält 2021 zusätzlich drei Rappen pro Kilowattstunde. Damit wird der sogenannte Herkunftsnachweis für Betreiber kleiner Solaranlagen mit einer Leistung bis 30 Kilowatt abgegolten.

20 Franken sparen können nächstes Jahr Kunden in Magden im Fricktal und in Brittnau im Bezirk Zofingen. In diesen beiden Pilotgemeinden erhalten Privatkunden, die nur noch über das Onlineportal mit der AEW kommunizieren und zum Beispiel einen Umzug digital melden, eine solche Reduktion.

Gaskraftwerke gegen die drohende Stromlücke?

Durch die Coronakrise sei die Firma bisher gut gekommen, sagte CEO Hubert Zimmermann. «Wir haben keine Kurzarbeit angemeldet und hatten keinen Coronafall bei unseren Mitarbeitern». Die AEW habe zwar einen leichten Rückgang des Stromverbrauchs festgestellt und liege beim Umsatz leicht unter Budget. Investitionen würden aber weitergeführt, neue Projekte habe man bereits gestartet, sagte Zimmermann.

Schon länger laufen zwei Windprojekte, eines auf dem Lindenberg im Freiamt, das andere bei Burg an der Grenze zum Kanton Solothurn. Mit Blick auf die drohende Stromlücke im Winter, die entstehen könnte, wenn weitere AKW vom Netz gehen, sei Windenergie wichtig, sagte Zimmermann. Die Verfahren seien jedoch lang, es gebe viele Einsprachemöglichkeiten, und heute könne deshalb niemand garantieren, dass die Projekte realisiert würden.

Ohnehin könnte Windenergie nur einen kleinen Teil dazu beitragen, die Stromlücke zu schliessen. Zudem bezweifelt Zimmermann, dass genügend Solarkapazität gebaut werden könne, damit im Winter genug Strom produziert werden kann. Die Schweiz habe noch Zeit und er sei zuversichtlich, dass auch künftig im Ausland genügend Strom bezogen werden könne, sagte Zimmermann. Dennoch geht die AEW davon aus, dass Gaskraftwerke nötig sein werden – entweder in der Schweiz, oder dann im Ausland.