Rücktritt

Nach fast drei Legislaturen geht der sechste Regierungsrat von Bord

Der Aargauer Staatsschreiber Peter Grünefelder hat heute seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Der Aargauer Staatsschreiber Peter Grünefelder hat heute seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Fast drei Legislaturen lang hat Peter Grünenfelder als Staatsschreiber mit innovativen Ideen massgeblich an der Modernisierung des Aargaus mitgewirkt und das Image des Kantons positiv beeinflusst. Jetzt wird er zu Höherem berufen.

Etwas bleibt bei Peter Grünenfelder gleich: Er wird auch als neuer Direktor von Avenir Suisse täglich um 4.30 Uhr aufstehen und eine Stunde joggen, bevor er das 12- bis 13-stündige Tageswerk in Angriff nimmt. 

Der Zürcher Freisinnige, der als Kind unbedingt Tierarzt werden wollte, ist seit 2004 Staatsschreiber im Kanton Aargau. Doch jetzt geht er. Seine neue Arbeit beim bürgerlichen Think Tank Avenir Suisse (vgl. Box) als Nachfolger von Gerhard Schwarz tritt er im April 2016 an, seine Stelle in Aarau wird ausgeschrieben.

Landammann Urs Hofmann lobt Grünenfelder als dynamischen Staatsschreiber, der neue Ideen aufnimmt, selber Vorschläge und anregende Inputs macht, «ohne die politische Ebene zu übersteuern». Wenn ein Regierungsentscheid mal anders ausfiel, habe er das immer akzeptiert. Die jüngste Verwaltungs- und Regierungsreform habe Grünenfelder massgeblich mitgeformt.

Die Chance, die das Zentrum für Demokratie in Aarau birgt, habe er mit der Zusammenarbeit etwa mit Baden-Württemberg geschickt genutzt. Auch dank ihm werde der Aargau heute als moderner, offener Kanton wahrgenommen. Jetzt suche man natürlich jemanden, der dieselbe Innovationskraft mitbringe.

Grünenfelder gilt als strategischer Denker, als Innovator, als Modernisierer und dementsprechend als treibende Kraft für manche neue Idee. So hat er eben die Fäden für die Demokratiekonferenzen mit Baden-Württemberg gezogen, die inzwischen auch in andere deutsche Bundesländer reichen.

Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann schon fünf Treffen stattfanden, im Aargau und in Stuttgart. Grünenfelder sagt dazu: «Baden-Württemberg ist unser wichtigster Handelspartner. Wenn unsere Nachbarn verstehen, wie unsere Demokratie und Politik funktionieren, hilft das dem gegenseitigen Verständnis. Das gilt natürlich auch umgekehrt.»

Von Grünenfelder ist auch die Idee, das Verhältnis des Aargaus zur habsburgischen Vergangenheit zu entkrampfen: «Der Aargau hat eine grossartige Geschichte. Wir haben in der Schweiz auch heute viele Berührungspunkte mit Österreich.

So sind beide Alpenländer neutral.» Und man möge nicht vergessen, dass Napoleon den Aargau zwar erschaffen hat, dass dessen Existenz aber erst am Wiener Kongress garantiert wurde. Bei seinen Bemühungen, die gemeinsame Geschichte als verbindendes Element zu etablieren, war er auch in Österreich sehr erfolgreich.

So durfte der Aargau vor knapp einem Jahr den österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zum offiziellen Besuch empfangen. Grünenfelder erklärt dazu, es gehöre auch zum Auftrag der Staatskanzlei, einen guten Umgang mit der eigenen Geschichte zu vermitteln.

Die Staatskanzlei hat stark und in enger Zusammenarbeit mit den Departementen auch an der Leistungsanalyse (bekannt als erstes Sparpaket) mitgewirkt, bei der Strategieentwicklung Hightech Aargau, der Wachstumsinitiative, beim E-Voting.

Letzteres ist Grünenfelder ein besonderes Herzensanliegen. Ausgerechnet da hat der Bundesrat kürzlich den Aargau und andere Kantone ausgebremst. So können Auslandaargauer bei den Nationalratswahlen nicht elektronisch wählen.

Ein Tolggen im Reinheft? Grünenfelder will dies nicht als Niederlage verstanden wissen. Um voranzukommen, müsse man etwas wagen. Da gebe es auch Rückschläge. Er ist überzeugt: E-Voting hat Zukunft, dieser Zug nehme jetzt halt etwas langsamer Fahrt auf. Bewirkte dieser Rückschlag seinen Weggang? Keinesfalls, der Entscheid sei innerlich schon vorher gefallen, sagt Grünenfelder. Er habe die einmalige Chance von Avenir Suisse einfach packen wollen.

Fuchst ihn denn nichts, das nicht gelungen ist? Doch. Der Freisinnige bedauert, dass im Aargau Tagesstrukturen für Kinder noch nicht flächendeckend realisiert sind, obwohl dies einem ausgewiesenen Bedürfnis entspreche.

Der Aargau sei ihm richtig ans Herz gewachsen, die Aargauerinnen und Aargauer seien «ein ganz feiner Menschenschlag, pragmatisch, liebenswert und offen», lobt Grünenfelder.

Warum zügelte der Zürcher denn nicht in den Aargau? Eine strategisch wichtige Aufgabe wahrzunehmen, hänge nicht vom Wohnort ab, gibt er schmunzelnd zurück. Übrigens habe auch die Rückweisung des Kredites für eine Sanierung des Regierungsgebäudes, dessen Dach rinnt, ihn zum Aargau nicht auf Distanz gehen lassen: «Ich würde hier auch mit einem aufgespannten Aargauer Regenschirm arbeiten.» 

HIER geht es zum Kommentar von Mathias Küng.

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