Andreas Glarner hat mit seiner Empörung darüber, dass muslimische Schüler für einen religiösen Feiertag der Schule fernbleiben durften, die Diskussion über Integration muslimischer Schülerinnen und Schüler wieder angeheizt.

Gesprächsleiter Kaspar Loeb stellt im Talk Täglich auf Tele M1 die Frage: Wie viel Islam vertragen die Schweizer Schulen? Das diskutiert er mit SVP-Grossrätin Martina Bircher, CVP-Aargau-Präsidentin Marianne Binder und der Leiterin des Aargauischen Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi. Ob es inzwischen üblich sei, nachzugeben, wenn sich Schüler wegen Glaubensfragen oder auch aus politischen Gründen nicht an die Regeln halten, fragt Loeb. Diesbezüglich waren sich die Gesprächsteilnehmerinnen einig: Nein, die Regeln an Schweizer Schulen gelten für alle.

Gegen Glarner hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen

Gegen Glarner hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen (8. Juni)

Der SVP-Politiker Andreas Glarner teilte mächtig aus. Zuerst gegen eine Lehrerin, die einem Kind an Bayram frei gab, und dann gegen die Frauen, die am 14. Juni streiken.

Wie aber damit umzugehen sei, wenn Schüler der Lehrerin den Handschlag verweigern oder bereits kleine Mädchen im Unterricht ein Kopftuch tragen, da gehen die Meinungen auseinander. Lehrerverbandspräsidentin Elisabeth Abbassi stellt sich auf den Standpunkt, dass immer zuerst das Gespräch zu suchen sei: «Repression kann nicht die Lösung sein. Wir müssen mit den Eltern reden und ihnen klar machen, dass es für ihr Kind ein Nachteil ist, wenn es sich nicht integriert.» Dieses Vorgehen sei in den allermeisten Fällen erfolgreich. Es gehe aber eben genau um jene Eltern, bei denen es nicht hilft, wenn man mit ihnen redet, sagt Martina Bircher. Das sei ein Dilemma der Schule, denn dieser fehlten die Instrumente dazu, die Schülerinnen und Schüler zu zwingen, sich an die Regeln zu halten. «Sie gehen dann vor Gericht um durchzusetzen, dass sie Kopftuch tragen dürfen», so die SVP-Grossrätin.

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Wie viel Islam verträgt die Schule?

Für sie ist klar: Wer sich nicht an die Regeln hält und damit zeigt, dass er sich nicht integrieren will, soll die Schweiz verlassen. Fehlbare Eltern können gebüsst werden, sagt Elisabeth Abbassi. Gefordert seien aber die Behörden und die Politik. Marianne Binder macht derweil kein Massenproblem bei der fehlenden Integration aus, es gehe auch nicht darum, das Christentum gegenüber dem Islam zu verteidigen, sondern den Rechtsstaat durchzusetzen. Die Schule müsse ein Ort der Freiheit sein, wenn aber ein Mädchen ein Kopftuch tragen muss, sei dessen Freiheit eingeschränkt. «Es geht mir dabei nicht um die Religion, sondern um das Recht des Kindes.»

«Es war ein Fehler»: Andreas Glarner bittet diffamierte Lehrerin um Entschuldigung

«Es war ein Fehler»: Andreas Glarner bittet diffamierte Lehrerin um Entschuldigung (10. Juni)

Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der eine Stadtzürcher Lehrerin diffamiert hatte, bedauert den Vorfall. "Es war ein Fehler gewesen", sagte Glarner am Sonntag in der Tele-Züri-Sendung "Sonntalk". Er bat die Lehrerin um Entschuldigung.

Ob der Islam zur Schweiz gehöre, fragt Kaspar Loeb. Während Martina Bircher Nein sagt, finden sowohl Abbassi wie auch Binder, dass dies der Fall sei, auch wenn die Schweiz eine christlich-jüdische Kultur und Ursprung hat. Von vorauseilendem Gehorsam zu reden, wenn etwa aus Rücksicht auf muslimische Schüler keine Salamibrötchen serviert würden, sei sowieso fehl am Platz, sagt Elisabeth Abbassi. «Wenn eine Schule ein Buffet machen will, darf sie das. Oder sie kann eine Option anbieten, die für alle stimmt, auch für die Vegetarier beispielsweise.» Das sei eine Frage des Pragmatismus.