Luftrettung

Nach Unfall in Spreitenbach: Missverständnis verzögerte die Rettung

Beim Unfall in Spreitenbach kam ein Rega-Helikopter aus Basel zum Einsatz.

Beim Unfall in Spreitenbach kam ein Rega-Helikopter aus Basel zum Einsatz.

Beim Unfall vom 4. Juli in Spreitenbach schickte die Rega einen Helikopter aus Basel-Mulhouse, der 30 Minuten bis zur Unfallstelle benötigte. Jetzt wurde bekannt, dass im nahen Muri auch eine Maschine der Alpine Air Ambulance bereit gestanden wäre.

Beim Unfall vom 4. Juli in Spreitenbach schickte die Rega einen Helikopter aus Basel-Mulhouse, der eine halbe Stunde bis zur Unfallstelle benötigte.

Im nur wenige Minuten entfernten Kreisspital Muri stand aber eine Maschine der Alpine Air Ambulance (AAA), einer Tochter des Touring-Club Schweiz (TCS), startbereit und wartete auf ihren Einsatz. Dies berichtet die «Weltwoche».

Der Rega-Einsatz ist auf ein Kommunikationsproblem zwischen den Einsatzzentralen der Kantone Aargau und Zürich zurückzuführen.

Die Notfalleinsatz-Zentrale in Aarau hat nach Eingang des Notrufs einen Notarzt zur Unfallstelle geschickt und einen sogenannten Voralarm an die AAA abgesetzt.

Dann wurde ein Rettungswagen des Kantonsspitals Baden aufgeboten - dieser war aber schon im Einsatz. Daher bat die Aargauer Einsatzzentrale Schutz und Rettung Zürich um Hilfe.

«Der Disponent aus dem Aargau übermittelte den Fall per Fax an die Zürcher Einsatzzentrale», erklärt Andrea Hopmann, Mediensprecherin des Kantonsspitals Aarau, wo die Einsatzzentrale angesiedelt ist.

Üblich ist eine telefonische Rücksprache, die aber erst zwei Minuten später stattgefunden hat.

Für das Aufgebot des Helikopters wäre der Aargau zuständig gewesen. «Eigentlich hätte der TCS-Heli aufgeboten werden sollen», bestätigt Hopmann. «Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, gab man den Lead jedoch an Zürich ab.

Diese Unklarheiten führten zu einer Verzögerung bei der Alarmierung der Flugrettung.» Die Aargauer Zentrale ging davon aus, dass die Zürcher Zentrale den TCS-Heli aufbietet.

Erneut falscher Rettungsheli angefordert

Erneut falscher Rettungsheli angefordert

Zürich kann TCS nicht aufbieten

Schutz und Rettung Zürich meldete indes der Rega, dass ein Helikopter benötigt wird. Da Rega 1 aus Dübendorf bereits belegt war, kam Rega 2 zum Einsatz, die in Basel-Mulhouse stationiert ist.

Der näher stationierte AAA-Heli konnte aber gar nicht aufgeboten werden, wie Roland Portmann, Mediensprecher von Schutz und Rettung Zürich, erklärt: «Wir sind für die Disposition der Luftrettung nicht zuständig.

Dafür haben wir weder die Möglichkeiten noch das technische Wissen - wir haben aus den Medien erfahren, dass der TCS offenbar einen Rettungs-Helikopter betreibt.»

Portmann merkt aber an, dass das Kind auf der Unfallstelle in Spreitenbach zu keiner Zeit unterversorgt war: «Der nächstgelegene Rettungswagen sowie das Anästhesieteam waren schnell vor Ort - leider waren alle Reanimationsversuche vergeblich.

Der Junge hätte aber wohl auch nicht überlebt, wenn der Helikopter schneller vor Ort gewesen wäre.» TCS-Sprecher Moreno Volpi betätigt den Ablauf.

«Unser Rettungsheli war nur einige Minuten entfernt. Pilot, Notarzt und Rettungssanitäter waren flugbereit. Wir behaupten aber nicht, dass sich an der tragischen Entwicklung etwas geändert hätte, wenn der TCS aufgeboten worden wäre.

Die Polemik ist unangebracht, man muss jetzt den Entscheid der Aargauer Regierung abwarten.»

Kind war nie unterversorgt

Vonseiten TCS ist auch nicht vorgesehen, in Zürich Notfalleinsätze zu fliegen: «Obwohl die TCS-Partnerfirma Alpine Air Ambulance über eine Rettungsdienstbewilligung im Kanton Zürich verfügt, weil ihr Hauptsitz in Kloten ist, haben wir keine Anbindung an die Notfallzentrale verlangt», erklärt Volpi.

Es sei nicht vorgesehen, dass der TCS auch in Zürich Notfalleinsätze fliege, da die Rega dort stationiert sei und einen guten Job mache.

Das Geschäftsmodell ziele auf Repartierungen von erkrankten oder verletzten Personen aus dem Ausland, auf Patientenverlegungen und Organtransporte ab, so Volpi.

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