Corona-Krise

Nachgefragt beim Co-Präsidenten der Schulleiter: «Nichts ersetzt den Kontakt zu Schülerinnen und Schülern»

Philipp Grolimund, Co-Präsident Aargauer Schulleiterverband: «Dass die Lehrpersonen noch keine Aufträge geben durften, ist auf Unverständnis gestossen.»

Philipp Grolimund, Co-Präsident Aargauer Schulleiterverband: «Dass die Lehrpersonen noch keine Aufträge geben durften, ist auf Unverständnis gestossen.»

Philipp Grolimund ist Co-Präsident des kantonalen Schulleiterverbands und Schulleiter in Laufenburg. Er und seine Kolleginnen und Kollegen bereiten sich darauf vor, dass der Unterricht an den Aargauer Schulen noch lange ausfallen könnte.

Gestern Montag fand der Unterricht zum ersten Mal nicht statt. Welche Rückmeldungen haben Sie zu den Bestimmungen des Kantons erhalten?

Philipp Grolimund: Dass die Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern keine Aufträge bei der Betreuung oder nach Hause geben durften, ist auf Unverständnis gestossen. Ab heute dürfen sie zwar Aufträge erteilen, ein systematischer Unterricht findet aber noch nicht statt. Bleibt dieser Zustand längerfristig, könnten wir unseren Lehrauftrag nicht wie sonst einhalten. Da sind sich Lehrpersonen und Schulleitende einig.

Würde der Unterricht bis zu den Sommerferien ausfallen, müssten neue Lösungen her. Sind die Schulen fürs Lernen auf Distanz gerüstet?

Auf welche Art und Weise der Unterrichtsstoff dann vermittelt würde, wissen wir noch nicht, daran arbeiten wir jetzt. Auf die Situation, wie wir sie jetzt haben, war selbstredend niemand vorbereitet. Aber wir setzen alles daran, die uns zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen. Glücklicherweise sind wir bei der Digitalisierung der Aargauer Schulen schon weiter fortgeschritten. Dies nicht zuletzt dank der Vorbereitungen auf die Einführung des Lehrplans 21, mit welchem Medien und Informatik ein grosses Gewicht bekommen werden. Ohne den neuen Lehrplan wäre diese Entwicklung viel langsamer vonstattengegangen. Aber man könnte sagen, die Krise kommt etwas zu früh. In einem Jahr wären wir, nach aktueller Planung, schon viel weiter.

Wenn Schülerinnen und Schüler über das Internet lernen sollen, brauchen sie die entsprechende Infrastruktur. Müssen jetzt Eltern Geld in die Hand nehmen?

Nein. Es wurden dazu Umfragen gemacht und wir können davon ausgehen, dass praktisch jedes Kind ab der 3. Klasse ein internetfähiges Gerät zur Verfügung hat. Für die wenigen Ausnahmen finden wir Lösungen. Schwieriger ist es, die nötige Infrastruktur in den Schulen für die Vermittlung des Stoffs zu sichern. Was es da zu welchem Zweck genau braucht, wird jetzt abgeklärt.

Werden die Schülerinnen und Schüler ihre Lernziele also bis zu den Sommerferien erreichen?

Wir werden sicher Einbussen bei Lernfortschritten in Kauf nehmen müssen. Auch wenn wir über Videotelefonie, E-Mail und digitale Austauschportale unterrichten können, so ersetzt doch nichts den direkten Kontakt von Lehrpersonen zu Schülerinnen und Schüler. Insbesondere für die Jüngeren und die Schwächeren ist dieser absolut zentral.

Die Digitalisierung erreicht die Schule sowieso. Ist das jetzt ein Testlauf?

So kann man das tatsächlich sehen. Wir werden in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten viel lernen und wichtige Erfahrungen machen. Das ist die beste Vorbereitung auf die nächste Krisensituation. (eva)

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