Nachtleben
Nun doch keine Sitzpflicht in Clubs – jetzt übernimmt der Aargau die Bundeslösung und erlaubt den 2G-Betrieb

Ab morgen Samstag sollte in Restaurants, Bars und Clubs im Aargau neu Maskenpflicht gelten und Konsumation nur im Sitzen erlaubt sein. Dies sei nicht umsetzbar, die Massnahme bedeute eine indirekte Zwangsschliessung, kritisierten Clubbetreiber. Nun reagiert der Kanton und übernimmt die Bundeslösung: Geimpfte und Genesene dürfen in den Lokalen weiterhin im Stehen konsumieren.

Fabian Hägler
Drucken
Wenn ein Club die 2G-Regel einführt, sind weiterhin Parties ohne Masken und ohne Sitzpflicht beim Konsumieren möglich.

Wenn ein Club die 2G-Regel einführt, sind weiterhin Parties ohne Masken und ohne Sitzpflicht beim Konsumieren möglich.

Dominic Kobelt / Aargauer Zeitung

Ab morgen Samstag gilt im Aargau fast überall wieder Maskenpflicht. Dennoch sind die Coronamassnahmen, die der Regierungsrat am Donnerstag bekannt gegeben hat, für die meisten Aargauerinnen und Aargauer relativ mild. Doch es gibt eine Ausnahme: Wer eine Bar oder einen Club betreibt, ist von den neuen Regeln massiv betroffen.

Neben der Maskenpflicht, die auch für Nachtlokale gilt, müssten die Gäste dort sitzen beim Konsumieren – eine Unmöglichkeit. Die Masken- und Sitzpflicht in den Bars und Clubs ab Samstag kommen einem Lockdown gleich. Die Massnahmen seien schlicht nicht umsetzbar, wie Maik Strassl, der Geschäftsführer des «Nordportal» in Baden, gegenüber Tele M1 sagt. «Für uns ist das eine indirekte Zwangsschliessung.»

Pro Abend kommen gemäss Strassl zwischen 600 und 800 Gäste ins «Nordportal». Es sei nicht möglich, dass diese Leute am Boden sitzen und Stühle habe man auch nicht so viele, sagt der Geschäftsführer. Deshalb wurden kantonsweit schon diverse Partys abgesagt, die am Wochenende geplant waren, wie Tele M1 berichtet.

Auch viele Jugendliche fühlten sich nach dem Entscheid des Kantons ungerecht behandelt. Schliesslich wurde ihnen versprochen, dass es dank dem Zertifikat und der Impfung nicht mehr dazu kommen würde, dass Clubs geschlossen blieben. «Wir sind jung und wollen etwas erleben», sagt eine junge Frau gegenüber dem TV-Sender. «Ich finde es ungerecht.»

Ähnlich äussern sich auch andere Befragte auf der Strasse. «Ich finde schon, dass die Jungen sehr eingeschränkt sind», sagt eine andere junge Frau. «Es ist schade, weil so die sozialen Kontakte einmal mehr vernachlässigt werden.»

Bundesrat erlaubt freiwillige 2G-Regel, Kanton zieht nach

Auch der Bundesrat hat sich an seiner Sitzung vom Freitag mit der Situation der Club- und Barbetreiber befasst und eine andere Regelung beschlossen. Wenn die Lokale nur noch Geimpfte und Genesene einlassen, also eine 2G-Regel einführen, gilt drinnen keine Sitzpflicht beim Essen und Trinken.

Diese freiwillige 2G-Regelung können auch Veranstalter einführen, damit würde zum Beispiel bei einem Handballspiel in einer Sporthalle die Maskenpflicht entfallen und ein Sandwich dürften die Zuschauer in der Pause auch im Stehen essen.

Diese Regeln des Bundes sollen schweizweit am Montag gelten – im Aargau hätte dies zu einer absurden Situation geführt. Clubs und Bars hätten dieses Wochenende praktisch schliessen müssen, danach hätten sie mit 2G-Regel den Normalbetrieb weiterführen können. Um dies zu verhindern, hat der Regierungsrat am Freitagabend die kantonale Verordnung angepasst, wie es in einer Mitteilung heisst.

«Der Bundesrat hat heute beschlossen, dass alle öffentlichen Einrichtungen mit Zertifikatspflicht sowie alle Veranstalter innen und aussen auf eine Maskenpflicht und eine Sitzpflicht während der Konsumation verzichten können, wenn sie den Zugang auf geimpfte und genesene Personen (2G) beschränken. Der Regierungsrat hat entschieden, diese Regelung im Aargau für Restaurations-, Bar- und Clubbetriebe sowie Diskotheken und Tanzlokale zu übernehmen.»

Der Regierungsrat hält fest, die freiwillige 2G-Regelung sei nicht Teil der bundesrätlichen Konsultation in der vergangenen Woche gewesen. Deshalb sei eine kurzfristige Anpassung der kantonalen Verordnung zugunsten der Gastrobranche und der Rechtssicherheit nötig ist.

Aktuelle Nachrichten