Öffentlicher Verkehr

Neues Postauto-Projekt: Taxifahrer sind sich uneinig

Postauto versucht sich als Taxi-Dienst; in der Region Brugg wird ab Februar erstmals in der Schweiz ein neues Angebot getestet.

Postauto versucht sich als Taxi-Dienst; in der Region Brugg wird ab Februar erstmals in der Schweiz ein neues Angebot getestet.

Einige Taxiunternehmer fürchten mehr Konkurrenz durch den neuen Shuttle-Dienst von Postauto. Andere können sich aber auch eine Zusammenarbeit vorstellen.

Postauto versucht sich als Taxi-Dienst; in der Region Brugg wird ab Februar erstmals in der Schweiz ein neues Angebot getestet: Die Nutzer können einen Kleinbus mit professionellem Fahrer per App bestellen, der sie ans Wunschziel bringt.

Zielgruppe sind in erster Linie Personen, die nicht oder nur selten mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind. Die Preise sollen – nach Angaben von Postauto – deutlich niedriger als bei Taxis, aber höher als bei öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Lokale Taxi-Unternehmen gehören laut Postauto zu den am Projekt beteiligten Partner – ohne allerdings Namen zu nennen. Begründung: Die Verträge seien noch nicht unterzeichnet.

«Offen für Zusammenarbeit»

In der Testregion stark vertreten ist die Brugger Taxi AG, mit 27 Mitarbeitern und 11 Fahrzeugen. Geschäftsleiter Sören Lorenzen sagt auf Anfrage: «Wir sind offen für eine mögliche Zusammenarbeit mit Postauto.» Bereits jetzt übernimmt Brugger Taxi gewisse Aufträge für Postauto, etwa bei Nachtbusfahrten.

Lorenzen sieht das neue Angebot nicht als zusätzliche Konkurrenz. Das Postauto-Angebot mit Kleinbussen und mehreren Mitfahrern sei näher beim Service der öffentlichen Verkehrsmittel als beim Taxidienst. Sören Lorenzen: «Es wird sich zeigen, ob Postauto damit neue Kunden gewinnt oder den öV selbst konkurrenziert.»

Kritischer beurteilt René Roth, Geschäftsführer von Taxi Aargovia, das Angebot. Er befürchtet neue Konkurrenz auf dem ohnehin umkämpften Markt. Das Taxiunternehmen mit rund 30 Fahrzeugen und 23 Fahrern ist in der Region Baden, Frick, Turgi, Zurzach, aber auch in Brugg im Einsatz. Er sei von Postauto nicht angefragt worden, habe aus der AZ vom Pilotprojekt erfahren, sagt Roth.

Für ihn steht fest: «Das Angebot muss finanziell selbsttragend sein und darf nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Alles andere wäre für uns Taxiunternehmer unfair, weil wir dann nicht mehr konkurrenzfähig sein könnten.»

In Bezug auf die Kosten des neuen Angebots hält sich Postauto bedeckt, stellt aber in Aussicht, dass die Fahrtpreise mindestens 50 Prozent günstiger als die Taxitarife sein werden. Unternehmer Roth sagt dazu: «Das ist nicht ohne öffentliche Gelder möglich.»

Gewerkschaft warnt vor Abbau

Bei der Gewerkschaft Unia wird das Pilotprojekt von Postauto begrüsst. «Ein interessanter Weg, um die Mobilität zu gestalten», nennt es Roman Künzler, Verantwortlicher der Unia für die Transport- und Logistikberufe. Gegen den Fahrdienst Uber habe sich die Gewerkschaft gewehrt, weil die Arbeitsbedingungen für die Fahrer schlecht gewesen seien. Diese Gefahr bestehe bei einem staatsnahen Betrieb wie Postauto hoffentlich weniger, sagt Künzler.

Die Interessen der Postauto-Angestellten vertritt die Gewerkschaft Syndicom. Deren Sprecher Christian Capacoel sagt: «Postauto muss die Partner vorsichtig auswählen. Wir erwarten, dass keine Dumpinganbieter berücksichtigt werden – davon gibt es genug.» Ausserdem warnt Capacoel vor einem Abbau des Service public. Diese Gefahr steige durch das neue Angebot insbesondere in Randregionen.

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