Jahresbericht Winterdienst

Nicht nur schneearm, sondern völlig schneefrei: Sturmschäden beseitigen statt Schnee räumen

Schneepflug in der Sonne: In diesem Winter wurde im Aargau bisher vor allem präventiv Salzsole versprüht.

Schneepflug in der Sonne: In diesem Winter wurde im Aargau bisher vor allem präventiv Salzsole versprüht.

«In den letzten drei bis vier Jahren waren die Winter in der Nordschweiz relativ schneearm.» Das steht im Jahresbericht 2018 der NSNW AG, die für den Unterhalt und Winterdienst auf den Autobahnen im Aargau zuständig ist.

Nicht nur schneearm, sondern völlig schneefrei ist der Winter 2019/20 – zumindest in den tieferen Lagen des Kantons. Gelegentlich gab es zwar einen weissen Hauch auf den Jurahöhen oder dem Lindenberg, bei der Messstation Buchs-Aarau wurde bisher aber kein Tag mit einer Schneedecke von mindestens einem Zentimeter Dicke registriert. Dass es im Aargau so lange keinen Schnee gab, kam seit Messbeginn erst einmal vor: Im Jahr 1990 schneite es an der Station von Meteo Schweiz erst am 1. März.

Viel weniger Eis- und Frosttage als in früheren Jahren

Ausserdem sind die Temperaturen ausserordentlich hoch: Seit Anfang Dezember gab es in Buchs-Aarau nur zwei Eistage, an denen die Temperatur während 24 Stunden durchgehend unter dem Gefrierpunkt lag. Frosttage, an denen das Quecksilber unter 0 Grad sank, gab es laut Meteoschweiz seit Anfang November 2019 in Buchs-Aarau bisher 47. In einem normalen Winter verzeichnet die Messstelle durchschnittlich 17 Eistage und 78 Frosttage, wie Erhebungen des Kantons im Rahmen der Klimaszenarien 2018 zeigen.

Nicht weit von der Messstation entfernt, in Schafisheim, befindet sich ein Standort der NSNW AG, die für den Unterhalt der Autobahnen im Aargau zuständig ist. Der milde Winter sorgt dafür, dass die Schneepflugfahrer und Winterdienstmitarbeiter bisher seltener als sonst ausrücken mussten. «Dass es so wenig Schnee gibt, ist tatsächlich aussergewöhnlich, wir haben bisher mit 400 Tonnen deutlich weniger Streusalz verbraucht als in einem normalen Winter», sagt Betriebsleiter Thomas Leuzinger.

Eigentliche Frühlingsarbeiten werden schon durchgeführt

Seit dem Winter 2013/14 sind bei der NSNW nicht nur Salzstreuer, sondern auch Solefahrzeuge im Einsatz. Mit diesen Lastwagen wird eine 21-prozentige Salzlösung, die sogenannte Sole, auf die Strassen gesprüht. Im laufenden Winter hat die NSNW, die insgesamt rund 230 Kilometer Autobahn in der Nordwestschweiz unterhält, bisher rund 2000 Tonnen Sole eingesetzt. Das ist nur leicht weniger als sonst, wie Leuzinger erklärt: «Wir fahren auch diesen Winter präventive Einsätze, bevor die Temperatur unter Null sinkt, um Reifglätte zu verhindern.»

Zudem führen die Mitarbeiter der NSNW derzeit schon Arbeiten durch, die sonst erst im Frühling gemacht werden, so werden zum Beispiel Leitungen gespült oder Abfall entlang der Autobahnen eingesammelt. «Tendenziell verlagert sich unsere Arbeit im Winter weg von der Schneeräumung hin zur Beseitigung von Sturmschäden: Nach den aktuellen Stürmen mussten Bäume entfernt, Leitplanken gerichtet, Zäune repariert und Fahrbahnen von Ästen befreit werden», sagt Betriebsleiter Leuzinger.

Für den Winterdienst auf Kantonsstrassen ist der Aargau in vier Gebiete mit sieben Werkhöfen in Lenzburg, Oftringen, Windisch, Wohlen, Muri, Felsenau und Münchwilen eingeteilt. Kreisingenieur Manuel Baldi hält auf Anfrage fest, der Salzverbrauch auf dem rund 1150 Kilometer langen Kantonsstrassennetz sei diesen Winter sehr niedrig. «Bisher wurden rund 650 Tonnen Streusalz verbraucht, normalerweise sind es ungefähr 5000 Tonnen», führt er aus. Statt die Kantonsstrassen von Schnee und Eis zu befreien, gehen die Werkhof-Mitarbeiter laut Baldi anderen Tätigkeiten nach: Gehölzpflege, kleine Reparaturen an Strassen, Bankette abstossen und befestigen, Ersatz defekter Signalisationen, Reinigung nach Littering, Behebung von Unfallschäden.

Winterdienst-Kosten viel niedriger als sonst

Der milde Winter hat für den Kanton finanziell positive Seiten: «Die Ausgaben werden in dieser Periode garantiert wesentlich niedriger ausfallen, weil weniger Materialkosten für das Salz, weniger Leistungen von Auftragsfahrern und weniger nächtliche Winterdiensteinsätze anfallen», sagt Baldi. Die Winterdienstkosten für den Kanton variieren stark: 2010 waren es 10,8 Millionen Franken, 2007 lediglich 3,1 Millionen Franken. Nochmals deutlich tiefer dürften sie jetzt ausfallen: «Ich gehe im Moment davon aus, dass die Kosten für den Winter 2019/20 insgesamt rund 1,5 Millionen Franken betragen werden», schätzt Baldi.

Die bestehende Infrastruktur und den Fahrzeugbestand für den Winterdienst will der Kanton dennoch nicht reduzieren. Das notwendige Inventar mit Salzstreuern und Pflügen sei vorhanden, dabei dürfe nicht gespart werden, betont Manuel Baldi. «Wir müssen jederzeit einsatzfähig sein, nicht alle Winter werden so extrem mild ausfallen wie dieser», sagt er.

Sollte es dieses Jahr noch zu einem späten Wintereinbruch im Aargau kommen, ist der Unterhaltsdienst dafür gerüstet. In den Lagern der kantonalen Werkhöfe ist laut Baldi genügend Salz vorhanden. «Ich schätze, dass es rund 5000 Tonnen sind, die in unseren Salzsilos geschützt gelagert werden», sagt der Kreisingenieur.

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