Energiegesetz

Nur wenige Neubauten im Aargau haben eine Solaranlage auf dem Dach

Solarzellen werden im Aargau nicht häufig installiert.

Solarzellen werden im Aargau nicht häufig installiert.

Die Aargauer Regierung legt die Botschaft für die zweite und entscheidende Lesung des neuen Energiegesetzes im Grossen Rat vor.

Im September hat der Grosse Rat ein erstes Mal die Vorschläge des Regierungsrates für eine Erneuerung des kantonalen Energiegesetzes debattiert. Der Rat hiess die Vorlage damals gegen die Stimmen der SVP ohne Änderungen mit 81 zu 48 Stimmen gut. Jetzt liegt die Botschaft der Regierung für die zweite Lesung vor. Zum besserem Verständnis listen die AZ erst wichtige Bestimmungen aus der ersten Lesung auf:

-Eigenstromerzeugung: Bei einem Neubau verlangt das neue Gesetz eine Elektrizitätserzeugungsanlage (meist dürfte das eine Solaranlage sein) mit einer bestimmten Leistung, oder man muss sich an einer woanders beteiligen.

-Elektroboiler müssen innerhalb von 15 Jahren ersetzt werden, faktisch durch einen Wärmepumpenboiler.

-Ölheizungen sollen auch künftig eingebaut werden können, wenn man nachweist, dass keine effizientere Lösung mit tieferem CO2-Ausstoss zur Verfügung steht und wirtschaftlich tragbar ist. Ein Antrag für ein Verbot scheiterte in der ersten Lesung.

-Heizungsersatz: Es ist darauf zu achten, dass bei einem Ersatz 10 Prozent des Energiebedarfs mit erneuerbarer Energie gedeckt werden kann.

Was bringt eine Solaranlage für jede neue Wohnung?

Doch überstehen all diese Bestimmungen die zweite Lesung, werden sie bestätigt, abgeschwächt oder verschärft? Um definitive Entscheide treffen zu können, haben der Grosse Rat und die zuständige Kommission der Regierung diverse Abklärungen in Auftrag gegeben. Gefragt waren präzisere Zahlen und Abschätzungen, was die einzelnen Massnahmen bewirken.

Die Antworten liefert die Regierung jetzt in einer 50-seitigen Botschaft für die im ersten Quartal 2020 geplante zweite Lesung. Sie hält darin an ihren Anträgen fest. Wir richten den Scheinwerfer nachstehend auf zwei gewichtige Punkte der Vorlage, nämlich auf die Eigenstromerzeugung und den Boilerersatz.

Auf neuen Gebäuden wird heute nur in etwa einem von 20 Fällen auf freiwilliger Basis eine Fotovoltaikanlage gebaut, obwohl grosszügige finanzielle Anreize vorhanden sind. Von 2015 bis 2108 wurden im Aargau 2850 Solaranlagen gebaut. Das entspricht einer sehr bescheidenen Bestückung der bestehenden Gebäude von 0,4 Prozent pro Jahr. Deswegen hält die Regierung an ihrer Forderung nach einer Eigenstromerzeugung bei Neubauten fest.

Sie rechnet vor, was das bewirken würde: Wenn bei einem angenommenen durchschnittlichen Zubau von 4560 Wohnungen jede entsprechend genutzt würde, könnte man bis in 15 Jahren zwei Prozent des aktuellen Verbrauchs im Aargau oder rund 100 Gigawattstunden pro Jahr produzieren. Das ist etwa so viel wie das Aare-Kraftwerk in Aarau produziert.

Zum Vergleich: Die kantonale Energiestrategie rechnet bis 2035 mit einem Zubau an neuen erneuerbaren Energien von 1130 Gigawattstunden. Erreicht ist bis jetzt etwas mehr als ein Drittel. Die Regierung mahnt denn auch, ohne zusätzliche Massnahmen könne die Zielkurve nicht eingehalten werden.

Abgeleitet von schweizerischen Zahlen schätzt die Regierung die Zahl der Elektroboiler im Aargau auf rund 50000. Diese sind in den Haushalten für rund vier Prozent des Gesamtstromverbrauchs verantwortlich. Mit dem Ersatz eines zentralen Elektroboilers durch einen Wärmepumpenboiler könne der Stromverbrauch um zwei Drittel reduziert werden, heisst es in der regierungsrätlichen Botschaft.

Boilerersatz reduziert den Verbrauch markant

Doch welcher Beitrag ans Ziel ergäbe sich? Die Regierung will im Aargau den Stromverbrauch pro Kopf bis 2035 um 13 Prozent senken. Die Einsparungen bei den Boilern können laut ihrer Berechnung 12 Prozent zur Zielerreichung beitragen.

Auch finanziell sollte der Ersatz (sofern der Boiler schon etliche Jahre auf dem Buckel hat) für die Eigentümer kein schlechtes Geschäft sein. Vorgelegt wird das Beispiel eines Vier-Personen-Haushalts: Mit einem Elektroboiler entstehen bei einer Amortisationszeit von 20 Jahren jährliche Kosten von 564 Franken. Bei einem Wärmepumpenboiler sind es trotz höherer Anschaffungskosten nur 364 Franken, weil dieser zwei Drittel weniger Strom braucht.

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