Backwaren

Oberster Aargauer Bäcker kämpft gegen ausländisches Brot — «Swissness» soll ein Qualitätsmerkmal sein

Politiker nehmen Import-Brot ins Visier: Strengere Deklarationsregeln sollen serbelnden Bäckern helfen.

Der nationale Bäckerverband ist gegen eine strengere Deklaration von Backwaren, der Aargauer Verband sieht Regeln als Chance zur Vermarktung.

Wer ein Gipfeli kaufen will, kann das fast überall tun. Beim Beck um die Ecke, aber auch beim Detailhändler, Discounter und im Tankstellenshop. Die grosse Konkurrenz schadet den traditionellen Bäckereien: Ihr Marktanteil ist in zehn Jahren von 50 auf 30 Prozent gesunken.

Gleichzeitig nahmen die Importe von Backwaren in die Schweiz massiv zu. Viele der Detaillisten füllen ihre Regale mit günstigen Produkten aus dem Ausland, die tiefgekühlt und wieder aufgebacken werden. Gegen dieses Import-Brot kämpfen die Schweizer Bäcker an – und erhalten nun Unterstützung aus dem Parlament. In einem Vorstoss fordert der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin eine Deklarationspflicht für alle Backwaren im Offenverkauf. Bislang müssen Anbieter die Herkunft ihrer Produkte nur dann preisgeben, wenn Kunden danach fragen. 

Doch die Hilfsoffensive aus Bern kommt nicht überall gut an. Urs Wellauer, Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands, findet: Hegglins Vorschlag sei gut gemeint, aber die Branche dürfe nicht mit zusätzlichen Regularien belastet werden. «Wenn wir alles schriftlich deklarieren müssen, gefährdet das unsere Wettbewerbsfähigkeit noch weiter», sagte er zur AZ.

Brezel aus Deutschland, Zöpfli aus Rumänien

Dominik Frei, der Präsident des Aargauer Bäcker-Confiseurmeister-Verbands, widerspricht dem nationalen Branchenchef: «Ich begrüsse den Vorstoss. Endlich geht etwas.» Natürlich sei es aufwendig, jedes einzelne Produkt zu kennzeichnen, räumt Frei ein. «Aber heute werden schon sehr viele Lebensmittel deklariert. Wieso soll man die Brot-Theke davon ausnehmen?»

Der Konsument habe ein Recht darauf zu erfahren, dass er gerade in eine deutsche Brezel beisse oder «das Zöpfli von der Tankstelle aus Rumänien kommt». Frei denkt dabei an die ökologische Komponente: «Wenn ich als Kunde weiss, wie viele Kilometer ein Produkt schon gereist ist, verzichte ich möglicherweise darauf, es zu kaufen.» Schlussendlich gehe es auch darum, dem Planeten Sorge zu tragen.

Doch auch aus wirtschaftlicher Sicht mache die Deklarationspflicht Sinn. Eine Kennzeichnung steigere den Mehrwert einer Ware, ist Frei überzeugt. Er zieht den Vergleich zum Käse: «Ein französischer Camembert hat einen guten Namen. Es kommt dem Produkt zugute, die Herkunft offen zu deklarieren.» Den gleichen Effekt erwartet Frei, wenn Schweizer Bäcker künftig ihre Backwaren im Regal kennzeichnen. Ein Brot aus regionalen Zutaten sei etwas wert, «Swissness» ein Qualitätsmerkmal. Sprich: Eine Deklaration kann auch gratis Werbung sein, besonders für kleine Bäckereien, die sich teures Marketing nicht leisten können.

Auch im Aargau verschwinden Bäckereien

Ein vergleichbares Label für Schweizer Brot forderte jüngst der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga. Frei ist um jede Unterstützung aus der Politik froh. Denn Hilfe kann seine Branche dringend gebrauchen. Schweizweit schliessen jedes Jahr 40 Bäckereibetriebe, immer mehr Junge scheuen das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Filiale. Im Aargau sei die Zahl der Verbandsmitglieder zwar stabil, sagt Frei, der im Bezirk Baden selber über zehn Verkaufsstellen betreibt. Aber: «Vor 20 Jahren gab es noch sehr viel mehr Bäckereien im Kanton.»

Einer, der diesen Wandel jahrzehntelang miterlebt hat, ist der Fricktaler Bäckerei-Inhaber Markus Kunz. Auch er findet eine Deklarationspflicht «grundsätzlich gut», wie er auf Anfrage sagt. Er äussert aber auch Vorbehalte: «Die Handhabe muss einfach bleiben. Wenn der Zeitaufwand stark zunimmt, wird das teuer und für Klein- und Mittelbetriebe zum Eigengoal.»

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