Im Herbst 2017 hat die Stadt Aarau die Parkgebühren um 50 Rappen erhöht. Monate zuvor tat Baden Gleiches. Die Städte machten diesen Schritt, um ihre leeren Kassen zu füllen. Doch nicht immer sind Autofahrer reine Milchkühe: Manchmal geht es auch darum, dass sie ihre Infrastruktur selber finanzieren.

Zum Beispiel im privaten Aarauer Kasinoparking: Seine Besitzer hoben die Tarife im Dezember 2018 nach einer Totalsanierung derart an, dass sie kantonsweit in die Spitzengruppe vorstiessen (erste Stunde 2 Fr., jede weitere 3 Fr.).

Ein viel diskutiertes Beispiel ist bei der Badi in Beinwil am See: Die Parkplätze sind seit April auch abends und nachts gebührenpflichtig (an Werktagen 1 Fr. pro Stunde, an Wochenenden 1.50 Fr.). Der lauschige Strandspaziergang geht ins Geld – und das in die Kasse der Gemeinde.

Der Besuch eines Spitalpatienten kann teuer werden

Die AZ hat sich auf die Suche nach den teuersten Parkplätzen im Aargau gemacht und 32 offene Parkings und Parkhäuser miteinander verglichen. Mit einem Stundentarif von je 4 Franken liegen die Kantonsspitäler Aarau (KSA) und Baden (KSB) einsam an der Spitze.

Allerdings handelt es sich um ganz spezielle Parkplätze: Beim KSA auf dem Areal (erste 45 Minuten gratis), beim KSB neben dem Haupteingang (erste 20 Minuten gratis) – also um Plätze, von denen man jemanden aus- oder einlädt.

Beide Spitäler haben grosse Parkhäuser. Ist der Besucher bereit, ein paar Schritte mehr zu gehen, bezahlt er in Baden im Parking 1 und 2 lediglich 2 Franken für eine Stunde (die ersten 20 Minuten sind gratis). Markant teurer ist ein Krankenbesuch im Kantonsspital Aarau. Das dortige Parkhaus gehört einem Privaten, dem Generalunternehmen Gross. Da kostet schon die erste halbe Stunde 1 Franken (keine Gratis-Zeit!), die erste volle Stunde 2.50 Franken (jede weitere 1.50 Fr.).

Angefahren hat die AZ bei ihrem Parkplatz-Test auch die Klinik Hirslanden Aarau, das Spital Menziken und die RehaClinic Bad Zurzach. In Menziken bezahlen die Besucher in den ersten eineinhalb Stunden gar nichts (dann 1.50 Fr. pro Stunde). Bei der RehaClinic Bad Zurzach ist schon die erste Minute tarifpflichtig, aber die Stundengebühren sind mit 1 Franken moderat (das Tagesmaximum liegt bei 10 Fr.). Bei der Hirslanden Klinik kostete eine halbe Stunde 1 Franken und jede weitere halbe Stunde 1 Franken.

Einkaufszentren versuchen Parkgebühren tief zu halten

Viele Einkaufszentren möchten eigentlich gar keine Parkgebühren erheben. Aber sie werden dazu gezwungen – häufig als Folge von Einsprachen des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). Der VCS hofft, dass dank der Gebühren vermehrt Automobilisten auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.

Der Verband konnte sich noch nicht überall durchsetzen: So ist das Parkieren im Wynecenter (Buchs), beim Pfister-Center (Suhr) und beim Fricktal Center A3 (Frick) noch immer gratis. Im Einkaufszentrum Telli (Aarau) kostet der Parkplatz in den ersten drei Stunden, im Parkhaus Gais Center (Aarau) in der ersten Stunde nichts.

Aber aufgepasst: Lässt man sein Auto im Telli länger als drei Stunden stehen, wird es sehr teuer. Ab der vierten Stunde kostet jede weitere Stunde 4 Franken. Der Grund: der Parkplatzmangel bei der benachbarten Berufsschule (BSA). Mit den hohen Parkgebühren sollen Langzeitparkierer (Berufsschüler) ferngehalten werden.

Jahrelang kämpfte der VCS gegen den Obi Oftringen, den die Migros Aare schliesslich bauen durfte. Allerdings musste sie einige Kröten schlucken – und das geht jetzt ans Portemonnaie der Automobilisten. Von der ersten Minute an werden mittels einer Schrankenanlage Parkgebühren erhoben. Die ersten drei Stunden kosten je 50 Rappen.

Bereits im Jahr 2006 war in Spreitenbach klar, dass alle damals 7500 Einkaufsparkplätze bewirtschaftet werden sollen. Für den Ikea-Neubau legten die Behörden einen Preis für die erste Stunde von einem Franken fest – dieser gilt noch heute. Im Shoppi Tivoli parkiert man 45 minutenlang gratis, eine Stunde kostet 50 Rappen. Wie Obi in Oftringen laden beide Einkaufsparadiese zum ausgiebigen Shoppen ein: Drei Stunden parkieren kostet im Shoppi Tivoli lediglich 2.50 Franken, in der Ikea 3 Franken.

Ein Nachmittag in der Stadt kann teuer werden

Im Gegensatz zu den Einkaufszentren sind die Parkplatzgebühren in den Städten hoch. Das teuerste Parkhaus steht in Aarau: das frisch renovierte Kasinopark Parkhaus. Eine Stunde kostet 2 Franken; drei Stunden kosten 8 Franken. In Brugg können Kurzzeitparkierer ihren Wagen im Neumarkt Parkhaus 30 Minuten lang gratis abstellen. Bleibt der Wagen länger stehen, zahlen auch sie viel: Drei Stunden kosten 6 Franken. Logisch: Der Besitzer will Einkaufskunden und nicht Langzeitparkierer (Pendler).

In Baden hat es viele Parkhäuser und trotzdem ist das Parkieren teuer. Ein Spaziergang in der Altstadt, ein Kaffee mit Freunden, ein bisschen Window-Shopping und drei Stunden sind vorbei. Die Zahlstation im Parkhaus Gstühl, Ländli und Theaterplatz verlangen dafür 6.50 Franken (Gstühl) beziehungsweise 5.50 Franken (Ländli und Theaterplatz). Da kommt ein Stadtbesuch nach Rheinfelden billiger. Im Parkhaus Salmenpark kosten drei Stunden 2.90 Franken, im Rhein-Parking 3.60 Franken.

Wer sich entscheidet, mit dem Zug in die Stadt zu fahren und das Auto beim Bahnhof parkiert, berappt in Lenzburg sowohl für eine Stunde als auch für drei Stunden am wenigsten (80 Rp. für eine Stunde, 2.40 Fr. für drei Stunden). Das Parkhaus Gleis 0 und Bahnhof-Parking in Aarau sind am teuersten, eine Stunde kostet 2.20 Franken, drei Stunden 6.60 Franken.

Lässt man das Auto den ganzen Tag stehen, so ist es am Bahnhof in Frick oder Wohlen am billigsten: 6 Franken beziehungsweise 7 Franken. Die teuersten 15-Minuten-Parkplätze befinden sich in Baden und Aarau: 15 Minuten kosten 1 Franken. Lenzbug bietet 20 Minuten für 50 Rappen an.

Im Kanton Aargau gibt es zudem 82 «Park and Ride»-Anlagen mit gut 3000 Parkplätzen. Sie ermöglichen an verschiedenen Haltestellen das einfache Umsteigen auf Bus und Bahn. In Lenzbug zahlt man dafür 8 Franken pro Tag. In Mellingen Heitersberg und in Turgi kostet ein Tag 7 Franken und in Killwangen-Spreitenbach 6 Franken. Jahresmieten sind auch möglich und belaufen sich zwischen 600 Franken (Lenzburg und Killwangen-Spreitenbach) und 700 Franken (Mellingen-Heitersberg und Turgi).