Die Überraschung war gross, als die Aargauer Staatskanzlei am Mittwoch kurz nach Mittag die Kandidierenden für den zweiten Durchgang der Ersatzwahl ans Bezirksgericht Zofingen bekannt gab: Die SVP hat Claudia Lengyel-Zimmerli gegen Roberta Baumann ausgetauscht.

Dies warf Fragen auf, weil Lengyel-Zimmerli im ersten Wahlgang mit 4449 Stimmen das absolute Mehr von 6315 Stimmen zwar verfehlt, aber Sylvia Langenegger Widmer von der FDP (2958 Stimmen) klar distanziert hatte. Marcel Lerch (CVP, 2581 Stimmen) und Kurt Siegrist (glp, 2501 Stimmen) verzichten auf eine erneute Kandidatur.

Auf den ersten Blick pikant an der Sache: Roberta Baumann, in Aarburg aufgewachsen, ist seit Jahren Lebensgefährtin von SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner und bald auch seine Gattin. Das Paar wird Mitte Juni heiraten. Sie wird den Namen Giezendanner annehmen und zum Zeitpunkt der Wahl, also am 24. September, in den Unterlagen als Roberta Giezendanner-Baumann aufgeführt sein. Sie hat Jahrgang 1963.

Das Tempo der Politik

Was sagt Michael Müller zu diesem überraschenden Schachzug? Er ist Zofinger SVP-Einwohnerrat, Ortsparteipräsident und Vizepräsident der Bezirkspartei: «Fakt ist, dass sich die Räder der Politik oft sehr rasch drehen», sagt er. Und Fakt ist, dass Claudia Lengyel-Zimmerli ein anderes Amt anstrebt: Sie dürfte zum Zeitpunkt der Lektüre dieses Artikels Gemeinderatskandidatin der SVP in Rothrist sein. Am Mittwochabend war Nominationsversammlung. Richterin und Gemeinderätin, das geht nicht, weil es der Gewaltentrennung widerspricht und somit unvereinbar ist. Michael Müller kennt Roberta Baumann, über die er sich nur lobend äussert, recht gut und hält fest, dass diese sich schon länger für ein Richteramt interessiert habe. «Zugunsten von Lengyel-Zimmerli hat sie im ersten Wahlgang verzichtet.»

Sylvia Langenegger Widmer, die erneut für die FDP des Bezirks ins «Rennen» um das Laienrichteramt steigt, wird durch ihre Partei als Frau mit Anwaltspatent und zehn Jahren Berufserfahrung angepriesen. Wie die SVP ist auch die FDP bereits mit einer Laienrichterin vertreten. Jene der FDP hat ihren Wohnsitz in Oberentfelden, was das Wahlgesetz für Richter erlaubt.