«You’re beautiful. You’re beautiful, it’s true» sang der britische Sänger James Blunt am grossen Finale des Heitere Open Airs. Ein passender Song für einen wunderschönen Heitere-Jahrgang. 36 000 Besucher haben bei perfekten Wetterbedingungen ein abwechslungsreiches Programm genossen.

Das dreitägige Open Air war wie der Donnerstagabend des Volksschlagers (8000 Zuschauer) seit langem ausverkauft. Zusammen mit den 7000 Zuschauern der Magic Night (Rekord!) haben also insgesamt 51 000 Zuschauer die Heitere-Woche zum Erfolg geführt und zu einem einmaligen Erlebnis gemacht.

So schön war der Volksschlager:

Ärgerlicher Bass

Doch der Freitag begann mit einer leisen Enttäuschung. Rag’n’Bone Man ist eine imposante Erscheinung. Ein mächtiger Mann, mit einer mächtigen Stimme. Es war aber ein eher ruhiges Konzert mit einer tollen Band. Und erstaunlich, wie feinfühlig dieser Hüne singen und intonieren kann. Es hätten einige wunderschöne, intime Momente entstehen können. Wäre da nicht dieser bandeigene Mischer gewesen, der den Bass viel zu dominant aufdrehte. Ein wummerndes, undefinierbares Etwas, das alle Feinheiten erbarmungslos erstickte. Ärgerlich! Eine musikalische Sünde, die gerade in grossen Konzerten leider immer häufiger begangen wird.

Dass es auch anders geht, zeigte gleich darauf die Band Kaleo. Sie begann mit Country-Anleihen, sehr ruhig, sehr reduziert, stimmungsvoll, fast andächtig. Der Bass dezent, sodass die herausragende Stimme von Jökull Júlíusson bestens zur Geltung kam. Danach setzten Kaleo zu einem beeindruckenden Steigerungslauf an, wurden immer rockiger, härter und intensiver. Die Dramaturgie funktionierte. Die isländische Band, die vor drei Jahren nach Austin Texas auswanderte, ist ein Paradebeispiel für die schwindende Bedeutung der Herkunft respektive die Globalisierung der Genres und Stile. Klingt ihre Musik zwischen Blues, Folk, Country und Rock doch amerikanischer als viele amerikanische Bands. In Zofingen bewiesen die Isländer, dass sie auch live zu den spannendsten Bands des Roots-Rock gehören.

Party, Party, Party

Bei Kaleo stand die Musik im Vordergrund, beim deutschen Rapper und Sänger Casper ist die Animation dagegen mindest so wichtig. «Heitere, ich liebe dich, willst du mit mir gehn?», fragte er und fegte wie ein Tornado über die Bühne. Das Publikum wollte. Die Casper-Show wurde zur schweisstreibenden Party.

Partymässig ging es auch am Samstag weiter. Dabei hatte Alpentainer Trauffer zunächst Bedenken. Er habe sich am Nachmittag die anderen Bands angehört: «eine urbaner als die andere», und habe etwas Angst bekommen, ob er hier gefragt sei. «Aber jetzt weiss ich, ihr seid genau wie wir – ihr wollt einfach eine gute Zeit haben.» Kein Wunder: Für Trauffer ist Zofingen so etwas wie seine zweite Heimat. Hier nimmt er jeweils seine Alben auf und hier, aus der Region stammt auch ein Grossteil seiner Band.

Der amerikanische Rapper Macklemore ist in seinen Texten sozialkritisch und nimmt auch immer politisch Stellung. Auf dem Heitere war er aber vor allem Entertainer und brachte die Stimmung mit tanzbaren Beats im Hexenkessel zum Kochen. Das Publikum wurde zu einer Einheit, und wie aus einer Kehle wurden die Lieder mitgesungen. Bei «Dance Off» holte er gar zwei Fans auf die Bühne, die gegeneinander tanzen durften. Energiebündel Macklemore hüpfte, tanzte, kickte und rappte, was das Zeug hielt – und der Heitern bebte.

Zeltplatz vs Wohnwagencamping: Der Vergleich am Heitere Openair

Zeltplatz vs Wohnwagencamping: Der Vergleich am Heitere Openair

Zum ersten Mal kann am Zofinger Heiteren auch mit dem Wohnwagen campiert werden. Was auffällt: Auf den Zeltplätzen ist die Stimmung ausgelassener.