Grosser Rat
Pascal Furer ist höchster Aargauer - der Angriff von Links blieb aus

An seiner ersten Sitzung der neuen Legislatur hat der Grosse Rat Pascal Furer zum Grossratspräsidenten gewählt. Der SVP-Mann will sich unter dem Motto «Zum Wohl!» für den gesamten Aargau einsetzen.

Raphael Karpf
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Pascal Furer nach seiner Wahl zum neuen Grossratspräsidenten

Pascal Furer nach seiner Wahl zum neuen Grossratspräsidenten

Chris Iseli / AGR

Die erste Sitzung des neuen Grossen Rats war geprägt von Wahlen. Genehmigung des Wahlprotokolls, Inpflichtnahme der Gewählten, Ersatzwahl von Fachrichtern. Höhepunkt war aber die Wahl des neuen Grossratspräsidenten, Pascal Furer (SVP).

Normalerweise ist die Wahl des höchsten Aargauers Formsache. Gewählt wird, wer im Vorjahr erster Vizepräsident war. Die Ausgangslage heuer war etwas anders. Der designierte Präsident Pascal Furer war im Herbst ins Kreuzfeuer linker Kritik geraten. Dies, nachdem der SVP-Kantonalsekretär unter anderem sagte, er würde sämtliche Coronamassnahmen sofort abschaffen.

Ein koordinierter Grossangriff von links auf blieb am Dienstag aber aus. Pascal Furer wurde mit 105 von 137 möglichen Stimmen klar als neuer Grossratspräsident gewählt. Das Ergebnis ist höchstens ein kleiner Denkzettel von linker Seite: 14 Stimmen gingen an Furers Parteikollegin Michaela Huser, 10 Wahlzettel gingen leer ein. Zur ersten Vizepräsidentin des Grossen Rats wurde gestern Elisabeth Burgener (SP) mit 122 Stimmen gewählt. Zweiter Vizepräsident wurde Lukas Pfisterer (FDP), er holte 117 Stimmen.

«Zum Wohl!» ist das Motto des höchsten Aargauers

Der neu gewählte Grossratspräsident nahm die Ratsmitglieder in seiner Ansprache mit auf eine Zeitreise. Furer blickte in die 1920er Jahre zurück, das Aargauer Parlament war damals ein erstes Mal per Proporzsystem gewählt worden. Der Umgang der Politiker untereinander sei zu jener Zeit deutlich harscher gewesen, so Furer. «Die härtesten aktuellen Exponenten erscheinen demgegenüber wie unschuldige Waisenknaben.»

Die Lehre daraus: «Streiten gehört zur Politik.» Furer sagte, er habe in seinen 20 Jahren als Politiker schon viele Argumente gehört. Aber eines hätten alle gemein gehabt: Alle Referenten hätten nur das Beste gewollt. Darum sei es wichtig, dass alle Meinungen offen ausgesprochen werden dürften.

Aktuell ziehe sich ein Graben durch die Gesellschaft, quer durch Parteien und Familien, sagte Furer weiter. Er versprach, sein Möglichstes zu tun, diesen Graben zu verkleinern. Aus diesem Grund habe er sich für das Motto «zum Wohl!» entschieden, sagte der Winzer, dessen Saphir Riesling-Sylvaner letztes Jahr zum Aargauer Staatswein gekürt worden war.

Denn egal, wie verschieden die politischen Ansichten seien: Das «zum Wohl!» solle dafür stehen, dass «wir uns auf persönlicher Ebene gut verstehen. Das ist mir wichtig: Dass wir uns trotz aller Differenzen für den Kanton einsetzen», sagte Furer. Wenn jemand ihn politisch hart anpacke, nehme er ihm dies nicht übel. Anders würde dies aussehen, wenn der politische Gegner anschliessend nicht mit ihm anstossen würde.

Ein Apfelbaum und Beruhigungsmittel als Begrüssungsgeschenke

Normalerweise veranstaltet ein neu gewählter Grossratspräsident ein Fest in seiner Gemeinde. Die Feier in Pascal Furers Wohnort Staufen fiel Corona zum Opfer. Umso herzlicher fielen dafür die Würdigungen und die Begrüssungsgeschenke aus, die Furer noch im Grossen Rat erhielt.

Désirée Stutz, Fraktionspräsidentin der SVP, geht nicht davon aus, dass Furer in seinem Präsidialjahr allzu viele Termine haben werde. Damit ihm nicht allzu langweilig werden, habe sie ein passendes Geschenk für ihn: Einen Apfelbaum. Damit kann Furer, der in Staufen die «Mosti» betreibt, den Bestand aufstocken. Natürlich, ergänzte Stutz, erhalte Furer nicht irgendeinen Baum, sondern ein Exemplar der Sorte «Rebella». Diese sei äusserst robust – deswegen, und wegen des Namens, würde sie zu Pascal Furer passen.

Auch Obergerichtspräsidentin Franziska Plüss überbrachte Furer, stellvertretend für die Gerichte, beste Glückwünsche. Dazu kam eine Flasche Klosterfrau Melissengeist, ein Beruhigungsmittel. Auch sie hatte eine Anekdote zu ihrem Geschenk auf Lager. Plüss hatte Furers Vorgängerin, Edith Saner, ihren Gerichtshammer ausgeliehen. Damit sollte Saner im Grossen Rat für Ordnung sorgen. Nun sei aber an sie herangetragen worden, erzählte Plüss mit einem Schmunzeln, dass sie den Hammer auf keinen Fall Furer schenken dürfe. Die Spitäler könnten aktuell keine weiteren Patienten behandeln, auch keine Gross- räte mit Verletzungen von Wurfgeschossen. Gelächter schallte durch die Umwelt Arena.

Der neue Landammann Stephan Attiger überbrachte Furer die besten Wünsche der Regierung und verteilte auch Vorschusslorbeeren: «Mit deinen jungen 49 Jahren zählst Du bereits zu den Urgesteinen der Aargauer Politik.» Furer habe bewiesen, dass er in die verschiedensten Rollens schlüpfen könne. Er sei ein Schnelldenker, kenne sich mit der Materie aus und seine Voten würden von der Regierung manchmal gefürchtet. «Und das ist gut so», sagte Landammann Attiger.