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Peach Weber im Talk: «Vor politischem Kabarett habe ich viel Respekt»

Peach Weber plant weit voraus: Wenn er dann nicht mehr lebt, werden andere Komiker seine Abschieds-Show bestreiten.

Peach Weber plant weit voraus: Wenn er dann nicht mehr lebt, werden andere Komiker seine Abschieds-Show bestreiten.

Der Aargauer Kult-Komiker Peach Weber steht bereits seit 40 Jahren erfolgreich auf der Bühne. Mittlerweile hat sich der Freiämter auch als Kinderbuchautor einen Namen gemacht. Im Talk sprach er über seine Gägs, Erfolgsrezepte und seinen letzten Auftritt im Jahr 2027.

In den vergangenen 40 Jahren schrieb Peach Weber 15 Programme und begeisterte damit viele Generationen von klein bis gross. Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer wurde er schon bald durch seine humorvollen Lieder wie «Öberall het’s Pilzli draa» schweizweit bekannt.

Im Jahr 2027 plant er im Hallenstadion Zürich sein grosses Abschiedskonzert. Der Komiker ist in Wohlen geboren und wohnt seit mehreren Jahren in Hägglingen. Peach Weber sprach im Talk unter anderem über ...

... den Stolz, Aargauer zu sein.

«Stolz ist ein wenig das falsche Wort», sagt Weber. Er finde es immer ein wenig seltsam, wenn Leute sagen, sie seien stolz, Schweizer zu sein. «Ich habe einfach Freude, dass ich ein Aargauer bin.» Das damalige Lied «I be en Aargauer» habe einfach gut gepasst, und es gebe ja nicht viele Aargauer, die das sagen. Die Aargauer würden sich oft selber runtermachen und hätten zu wenig Selbstbewusstsein. «Darum habe ich auch dieses Lied geschrieben», sagt der Komiker. Der Aargau sei wunderschön und wenn nicht der schönste Kanton, dann sicher einer der schönsten.

... alte Klassiker in neuen Shows.

Wenn Peach Weber ein neues Programm schreibt, dann ist auch alles neu. Dies sei sein Ehrgeiz. Auch die Zugabe sei immer ein neu komponiertes Lied. «Wenn die Leute am Schluss noch die alten Lieder verlangen, weil das Programm so schlecht war, muss ich das Programm verbessern», sagt der Komiker. Bei einem Firmenfest oder Auftritt mit vielen Kindern komme es aber trotzdem immer mal wieder vor, dass er die Klassiker wie den «Pilzli-Song» zum Besten gebe.

... sein aktuelles Programm «iPeach».

Nach zwei Jahren geht die Tour mit seinem aktuellen Programm «iPeach» langsam zu Ende. Hunderte Male das Gleiche vorzuführen, sei für den Komiker kein Problem. «Das Publikum ist jeden Abend anders, und das ist bei mir absolut das Entscheidende», sagt Weber. Er brauche bei jedem Satz eine Reaktion und es sei für ihn spannend, dies jeden Abend von neuem herauszufordern. Die Leute würden Eintritt bezahlen, und deshalb müsse er das Publikum zum Lachen bringen. «Manchmal ist das sehr einfach, und manchmal muss man ein wenig mehr arbeiten, bis man es hat.»

... sein Erfolgsrezept als Komiker.

«Es wäre sicher falsch gewesen, wenn ich versucht hätte, Trends nachzumachen», sagt Weber. Als er vor 40 Jahren angefangen habe, wusste niemand so recht, was er macht. Er kam mit einer Gitarre auf die Bühne, habe aber 20 Minuten lang kein Lied gesungen. Als nach und nach die Comedians aufkamen, die auf der Bühne ganze Shows abzogen, habe er sich bewusst an sein Konzept gehalten. «Solange das mit dem Notenständer und dem Stuhl funktioniert, ist das gut, und sonst muss ich eben etwas anderes machen.»

... seine Gägs.

Peach Weber packt um die 300 Gägs in ein Programm. «Die Masse machts», sagt der Komiker. Bei 300 Gägs würde es niemand merken, wenn ein paar davon misslingen. Bei nur 20 Gägs müssten jedoch alle gut sein. Das Publikum denke bei ihm sowieso, dass er alles mit Absicht mache. «Wenn ich vom Stuhl falle, denken sie, das gehöre zum Programm», sagt er. Wenn ein Gäg in die Hose gehe, dann komme ihm meistens spontan noch etwas anderes in den Sinn, was die Situation noch retten kann.

... seine Kinderbücher über den «Zwerg Stolperli».

Seit 2016 schreibt Peach Weber Bücher über den «Zwerg Stolperli» und dessen Abenteuer. Die Idee dazu entstand in Zusammenarbeit mit dem Zeichner René Lehner. «Inzwischen ist es ein rechtes Projekt geworden», sagt Weber. In diesem Jahr habe er viele Lesungen gemacht und dabei gemerkt, dass die Kinder auf die Geschichten mit dem Zwerg abfahren. Die Kinder seien für ihn ein spannendes Publikum. Sie seien so kritisch wie keine anderen Zuschauer. «Wenn es ihnen gefällt, fanen sie, und wenn es ihnen nicht gefällt, laufen sie davon.» Im November erscheinen zwei weitere Bücher über den «Zwerg Stolperli», der dritte Band und ein Weihnachtsbüchlein. Dazu gibt es drei Spiele über den Zwerg. Das eine erinnert an das bekannte Leiterlispiel. «Meine Idee wäre, dass in fünf bis sechs Jahren niemand mehr sagt, wir machen das Leiterlispiel, sondern wir machen das Stolperli-Spiel», so der Komiker.

... den Ausgleich zum Berufsalltag.

«Ich habe sehr viel Zeit und nehme mir diese auch», sagt Weber. Unter der Woche habe er immer zwei Tage, an denen er nichts machen müsse. Da könne er auf die Post, und es habe keine Schlange. Seit ein paar Jahren spiele er regelmässig Pétanque. Bei Pétanque versuchen zwei Mannschaften, eine bestimmte Anzahl von Kugeln so nahe wie möglich an eine vorher ausgeworfene Zielkugel zu werfen. «Da erhole ich mich so gut wie in keinem Wellness-Hotel», sagt der Komiker. Nach drei Stunden Pétanque mit Freunden sei er so gut erholt wie andere nach zwei Wochen Erholungskur.

... Besuche bei anderen Komikern.

Lachen könne Peach Weber bei Vorstellungen von anderen Komikern nur, wenn sie etwas anderes machen als er. «Wenn einer auch so etwas mit Gägs macht, ist es schwierig, einfach nur zuzuhören», sagt Weber. Sein Ehrgeiz sei es dann, die Pointe herauszufinden, bevor der andere sie erzählt. Dies gelinge ihm meistens. Auch bei Witzen könne er nur selten schmunzeln, da er die meisten bereits schon kenne. Lachen könne er hingegen bei politischem Kabarett. «Da werde ich auch von Pointen überrascht.»

... sein Publikum.

Peach Weber könne immer noch junge Leute für seine Auftritte begeistern. «Wenn das nicht so wäre, hätte ich vor 20 Jahren aufgehört», sagt der Komiker. Durch die Lieder kämen immer wieder neue Kinder hinzu. Seit ein paar Jahren sässen auch Teenager im Publikum, die ihn von Youtube, Netflix und Co. kennen. Es sei offenbar immer noch etwas Spezielles, wenn jemand auf einem Stuhl sitze und erzähle. «Wie die Grossmutter früher immer Märchen vorgelesen hat», sagt er. Er sei froh, dass die Mischung im Publikum immer noch genau gleich sei wie vor 40 Jahren. Es sei immer ein Dorffest-Publikum, also bunt gemischt.

... die digitalen Medien.

«Spotify ist für viele Musiker eine Katastrophe, weil man praktisch nichts mehr bekommt», sagt Weber. Er sehe aber auch die Vorteile mit den Plattformen. Viele junge Leute würden ihn über Videoplattformen entdecken da sie keine CDs, Platten oder Kassetten mehr besitzen. «Ich habe ja alles überlebt, Streaming werde ich auch noch überleben», sagt der Komiker. Es habe Vor- und Nachteile. Wenn man heutzutage nicht mehr live auftreten könne, habe man ein Problem. Nur mit dem CD-Verkauf könne man praktisch nichts mehr verdienen.

... seinen letzten Auftritt im Jahr 2027.

Am 15. Oktober 2027 tritt Peach Weber im ausverkauften Hallenstadion Zürich auf. Die Show ist einen Tag nach seinem 75. Geburtstag und markiert sein Karriereende als Komiker. Gleichzeitig kommt er mit diesem Auftritt ins Guinness-Buch der Rekorde für den längsten Ticketvorverkauf (19 Jahre). Das Ganze sei aus einem Witz heraus entstanden, und irgendwann wurde es konkret. «Ich habe mal gesagt, wenn 3000 Tickets verkauft sind, dann ziehen wir es durch, und inzwischen sind es 10 000 Menschen», sagt der Komiker. Auch die Zusatzshow am Nachmittag sei schon halb ausverkauft. Angst, dass jetzt so viele Leute acht Jahre auf seine Show warten, habe er nicht. «Ich werde mich dann zwei Jahre, bevor es stattfindet, damit beschäftigen», sagt Weber. Er wisse auch nicht, ob er den Auftritt selber noch erlebe. Die Show gäbe es aber auch ohne ihn. Freunde, die bereits zugesagt haben, würden einspringen. Dazu gehören unter anderem Divertimento, Gölä und DJ Bobo. «Einer von diesen wird schon noch leben, und der muss es dann halt durchziehen.»

... aktuelle Themen für sein Programm.

Tagesaktuelle Ereignisse und Themen interessieren den Freiämter Komiker für die Gestaltung seines Programmes nicht. Vor politischem Kabarett habe er grossen Respekt. «Da müsstest du theoretisch alle 14 Tage eine neue Nummer schreiben, weil die Menschen heute so schnell wechseln», sagt Weber. Wer vor zwei Wochen ein grosser Star war, sei heute schon wieder weg. Er rede lieber über allgemeine Sachen, über Alltagsthemen. Sein Bruder Marcel Weber hat mit dem Song «Greta, wir fliegen nicht mehr nach Kreta» einen Ballermann-Hit gelandet. Dass die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg in seinem nächsten Programm vorkommt, hält Peach Weber jedoch für unwahrscheinlich. «Solange mir noch etwas anderes in den Sinn kommt, glaube ich nicht, dass ich das einbauen würde. Aber ich finde es lustig, dass mein Bruder das gemacht hat.»

... seine Zeit nach der Komiker-Karriere.

«Ich ziehe die Pensionierung ja ein bisschen vor», sagt Peach Weber. Er nehme sich seit 20 Jahren immer wieder Freiräume. Wenn man pausenlos ackere und zwei Tage vor der Pensionierung einen Herzinfarkt bekomme, habe man gar nichts mehr davon. Ihm werde auch nie langweilig. Es werde ihm immer wieder etwas in den Sinn kommen. «Vielleicht schreibe ich dann noch mehr Kinderbücher», sagt der Komiker.

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