Gewerkschaftsbund

Pierre-Yves Maillard: «Kantone sollten 20 Milliarden Franken mehr verlangen»

SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard hat kein Verständnis für das steigende Vermögen der Nationalbank.

SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard hat kein Verständnis für das steigende Vermögen der Nationalbank.

Pierre-Yves Maillard, der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, war Hauptredner an der jüngsten Delegiertenversammlung des Aargauischen Gewerkschaftsbundes (AGB) in Aarau.

Maillard stieg mit Reminiszenzen von einer sommerlichen riesigen Demonstration in Lausanne, wie er sie noch nie erlebt habe, in den Abend ein. Dabei sei es um Gleichstellung für die Frauen gegangen, ums Klima, um soziale Gerechtigkeit. Man werde ein Klimapapier vorlegen, so Maillard.

Es gelte aber auch, Arbeitsplätze zu verteidigen: «Manchmal sind die nicht in klimaneutralen Bereichen.» Man wolle die nötige Umwandlung der Wirtschaft begleiten. Wie die Jungen wolle auch der Gewerkschaftsbund keine unsoziale Umwandlung der Wirtschaft.

Nationalbank hat bald 100 Milliarden Reserve

Maillard hat kein Verständnis dafür, dass das Vermögen der Nationalbank immer weiter steigt, und sich Bund und Kantone trotzdem jährlich mit 2 Milliarden Franken Gewinnausschüttung zufriedengeben. Maillard: «Die Nationalbank wird Ende 2019 rund 100 Milliarden Franken Reserve haben. Da müssten die Kantone nicht 2, sondern 10 oder gar 20 Milliarden Franken fordern!» Doch denen gehe es gut, findet Maillard. Besser fände er es daher, die Nationalbank würde der AHV einen Riesenbatzen hinüberschieben.

Grosse Sorge bereitet dem Gewerkschaftspräsidenten die Kaufkraft und die Entwicklung der zweiten Säule. Die Menschen sollen ja im Alter rund 60 Prozent des vorherigen Erwerbseinkommens haben. Doch diese 60 Prozent erreiche man immer weniger. Zum einen aufgrund des sinkenden Umwandlungssatzes, aber auch, weil die Kassen «auf Druck der Experten die Rendite immer vorsichtiger kalkulieren». Maillard rief auf, gegen zu vorsichtige Kalkulation zu kämpfen.

Freude hat er dafür am Kompromiss, den man mit dem Arbeitgeberverband für ältere Arbeitnehmer aushandeln konnte. Er soll ermöglichen, trotz Senkung des Mindestumwandlungssatzes das heutige Leistungsniveau insgesamt zu halten. Bei der AHV fordert Maillard eine 13. Rente.

Zudem müsse man erreichen können, dass die Menschen maximal zehn Prozent des Nettolohns für Krankenkassenprämien einsetzen müssen. In der Waadt macht man das schon. Es koste etwas, entlaste aber enorm viele Menschen. Den Aargauer Gewerkschaftern empfiehlt er, höhere Kinderzulagen zu erreichen wie in der Westschweiz.

Zwei Seiten der Wahlen vom 20. Oktober

Die Wahlen vom 20. Oktober waren natürlich auch ein Thema. AGB-Präsident Florian Vock erkennt darin zwei Botschaften: Eine frohe, weil Arbeit-Aargau-Präsidentin Irène Kälin (Grüne) als Nationalrätin bestätigt wurde, aber auch, weil für die SP-Präsidentin und Gewerkschafterin Gabriela Suter in den Nationalrat gewählt wurde, und für sie mit Silvia Dell’Aquila die VPOD-
Regionalleiterin im Grossen Rat nachrückt.

Die weniger frohe Botschaft ist, dass es für einzelne Leute in der Bewegung nicht so gelaufen sei, wie sie es sich gewünscht hätten, streifte Vock die andere Seite der Medaille. Der bekannte Berner Gewerkschafter Corrado Pardini wurde abgewählt. Vock freut sich aber über den rotgrünen Wahlsieg. Wenn die für soziale Gerechtigkeit kämpfenden Gewerkschaften zusammen mit den Frauen für Gleichstellung und den Jungen für eine ernsthafte Umweltpolitik eintreten, so Vock, «können wir nächstes Jahr ganz schön viel bewirken».

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