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Polizeistunde soll fallen: Aargauer Clubs lohnen sich Partys vor Feiertagen nicht

Die Piratenpartei lanciert eine Initiative, damit Clubs nicht um Mitternacht schliessen müssen. Für sie haben «religiös motivierte Gesetze heute keine Daseinsberechtigung mehr.» Kirchenvertreter nehmen das Ansinnen erstaunlich gelassen.

Eine Volksabstimmung soll das letzte Überbleibsel des ehemaligen Tanzverbotes beseitigen: Die Piratenpartei startet im Aargau eine Initiative, um die Polizeistunde vor hohen Feiertagen abzuschaffen.

Am Tag vor Bettag, Weihnachten, Karfreitag, Ostersonntag und Pfingstsonntag müssen Clubs und Restaurants bereits eine Viertelstunde nach Mitternacht schliessen. Dasselbe gilt für den darauffolgenden Sonntag selbst.

«Es ist an der Zeit, das zu ändern», findet die Piratenpartei des Kantons Aargau.

«Diese Bevormundung der Bevölkerung ist nicht zeitgemäss. Religiös motivierte Gesetze haben heute keine Daseinsberechtigung mehr.» Laut Vorstandsmitglied Rüedu Sommer beginnt die Unterschriftensammlung in zwei Wochen.

Geplant hätten die Piraten diesen Vorstoss eigentlich hinsichtlich des Karfreitags im nächsten Jahr, sagt Rüedu Sommer, doch nach einem Artikel in der Aargauer Zeitung, wolle man bereits jetzt aktiv werden.

Die az hatte berichtet, dass das Casino Baden auch an den hohen Feiertagen länger geöffnet bleiben kann, da dort das übergeordnete eidgenössische Spielbankengesetz gilt. Das sei ungerecht den Restaurants, Bars und Clubs gegenüber, findet die Piratenpartei.

Clubs bleiben ganz geschlossen

Ausserdem bedeute die Regelung für Gastrobetriebe «eine nicht zu unterschätzende Umsatzeinbusse». An diesen Samstagen lohnt es sich für viele Clubs nicht, überhaupt aufzumachen. Dies sagen die Betreiber der Badener Clubs LWB. Georgios Antoniadis, dem der Club KBA in Aarau gehört, bestätigt dies.

Fürs Aarauer KiFF gibt es einen Ausweg: «Wir nehmen jeweils Konzerte ins Programm auf, diese sind vor Mitternacht zu Ende», sagt Co-Geschäftsführer Oliver Dredge.

Am letzten Samstag hätte man nach dem Balkan-Konzert aber gerne weitergefeiert. Auch Regierungsrätin Susanne Hochuli war dabei und schrieb danach auf Facebook: «Heute ist Buss- und Betttag. Deshalb war im KiFF Aarau Punkt 24 Uhr Schluss mit Balkan Express. Macht diese Musik den Himmel auch froh?»

Offenbar wollte sie damit aber nicht sagen, dass sie das frühe Ende des Abends bedauerte.

«Es schadet nicht, wenn das Irdische zugunsten des Himmlischen zuweilen etwas zurückstehen muss», berichtigt Hochuli auf Nachfrage. Die Spasskultur kommme übers Jahr gesehen nicht zu kurz.

Kein Problem für die Wirte

Auch vonseiten des Wirteverbandes Gastro Aargau erhalten die Piraten keine Unterstützung, da Restaurants ohnehin meist vor Mitternacht schliessen.

«Für uns ist es mehr ein Problem, dass solche Regeln jeweils nicht für die gesamte Schweiz gelten», sagt Vizepräsident Beat Lustenberger. Dass die Feiertage kantonal geregelt sind, findet auch Oliver Dredge das grösste Problem: «Weil es im Kanton Zürich keine frühe Polizeistunde gibt, fahren die Leute an diesen Samstagen einmal mehr einfach nach Zürich.»

Käme es zu einer Volksabstimmung, wären die reformierte und die katholische Landeskirche eher dagegen. «Es tut auch den Partygängern gut, mal zur Ruhe zu kommen», sagt auch CVP-Präsident Markus Zemp.

Kirchen schätzen die Zäsur

Frank Worbs, Mediensprecher der reformierten Kirche, relativiert: «Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass, uns in die Diskussion einzuschalten.»

Persönlich sei er der Meinung, dass die Feiertage selbst durch die Aufhebung der Polizeistunde nicht beeinträchtigt würden.

«Viel wichtiger als der Abend davor ist die Frage nach dem Schutz des Sonntags durch das Arbeitsrecht und die Einschränkungen bei den Ladenöffnungszeiten.»

Der Präsident des römisch-katholischen Kirchenrates, Luc Humbel, sagt: «Die Polizeistunde ist kein Dogma für uns. Persönlich bin ich aber gegen eine Aufhebung, die Zäsur macht Sinn.»

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