Jenny-Vorschlag
Pro/Kontra: Braucht es im Aargau eine Büsi-Steuer?

FDP-Grossrat Johannes Jenny schlägt eine Art Steuerbusse gegen Büsi-Halter vor, um die Anzahl Hauskatzen zu dezimieren. AZ-Autor Max Dohner ist überzeugt, dass die «Plage» der «Jagd-Zombies» nur so einzudämmen ist. Ausland-Chefin Dagmar Heuberger hält dagegen und erklärt, wo das eigentliche Problem des Büsi-Dichtestresses liegt.

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Sind Steuerbussen das richtige Mittel um den Katzen-Überbestand zu bekämpfen?

Sind Steuerbussen das richtige Mittel um den Katzen-Überbestand zu bekämpfen?

Sind Katzen wirklich so lieb, wie sie schnurren? Holde Diwan-Diven? Oder Jagdvampire, die sinnlos andere Geschöpfe ausmerzen? Um Hauskatzen endlich zu dezimieren, schlägt der Aargauer FDP-Grossrat Johannes Jenny jetzt eine Art Steuerbusse vor gegen die Büsi-Halter.

PRO von az-Autor Max Dohner: «Der Mensch soll zahlen für seine Sünden gegen das Tier»

Stubenkater sind die grössten Pussys. Selbst die aber verwandeln sich bei Nacht in Zombies. Nur drastische Mittel können das ändern

Schauen Katzen giftig? Sie können die Geduld verlieren, aber ganz gewaltig verlieren! Dann werden die Schlitze in den Goldmünzen ihrer Augen schmal, ihre Mimik starr, feindlich, böse. Dann ist man froh um die Vergemütlisierung der Natur, die den Säbelzahntiger zum Stubenmopp hatte schrumpfen lassen.

Autor Max Dohner.

Autor Max Dohner.

Nordwestschweiz

Weil Kater heute Pussys sind, vollendete Diwan-Diven, hat der Mensch an ihrer Stelle den bösen Blick und das Fauchen übernommen. Fährt immer öfter auch die Tatze aus. Bis vor kurzem wurde man als Hundeskeptiker reflexartig zerbellt. Bis auf Ausnahmen ist das passé. Heute gerät man in die Fänge der Katzenliebhaber, wenn man etwas Vernünftiges sagt gegen die Räuber. Katzen sind an der Seite des Menschen nicht vernünftig geworden, sondern Jagdzombies geblieben. Sie haben nix gelernt, anders als die Hunde. Vernarrte attestieren Katzen deswegen «Unabhängigkeit», gar «Freiheitsliebe». Wahrscheinlich sind Katzen einfach beschränkt, zu selbstverliebt, um an ihrem Verhalten irgendwas zu ändern, ausser wo Neues ihre Faulheit mehrt.

Wenn sich Katzen nicht ändern können, muss man irgendwo anders die Keule ansetzen. Der Fluch ist wirklich folgender: Die Hauskatze, eher Plüsch als Fell, jede dicker als Maradona, bei den dauernden Schönheitsschläfchen von Daunen und Satin umschmeichelt, verwöhnter noch als Paris Hilton, spinnt sporadisch, wenn Nacht ihre Sinne verfinstert. Dann tötet sie mechanisch, gleichgültig, ohne zu hungern. Und drapiert emsige, aber halt ungeliebte Geschöpfe auf dem heimischen Teppich, sanfter als jeder andere Vampir. Gleichwohl ist das monströs. Aber die Katze ist sich sicher: Selbst dafür wird sie gestreichelt.

Man kann die Plage nur eindämmen, wenn man die Katzenonkel und -tanten zur Verantwortung zieht. Weil – wie gesehen – die Katze selber nichts kapiert und sinnlos weitertigert als lautloser Killer. Die 300 bis 400 Franken Steuerbusse bei Nicht-Kastration sind nur der Anfang einer Idee, die breit Schule machen sollte: das Verursacherprinzip auch beim Tierschutz anzuwenden. Der Mensch soll zahlen für seine unbeschreiblichen Sünden gegen das Tier.

So, Katzenfreunde, und jetzt noch dies: Heute werde ich meine Mailbox nicht konsultieren. Lasst es schnurren.

KONTRA von Dagmar Heuberger, Ressortleiterin Ausland: «Wider den Kreuzzug gegen unsere geliebten Stubentiger»

Weshalb dem Dichtestress bei Katzen mit einer Steuer nicht beizukommen ist

Zwischen 900 und 1200 Franken Steuern müsste ich für meine drei Katzen bezahlen, sofern sie nicht kastriert sind. Sind sie aber natürlich. Ganz abgesehen davon, dass mich kein Rappen reut, den ich für meine Büsi ausgebe, bliebe ich somit von der Katzensteuer verschont. Diese hat jetzt Johannes Jenny zur Sprache gebracht. Der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau hat auch schon den Abschuss von herrenlosen Katzen gefordert, was einen Sturm der Empörung auslöste. Jennys Motiv ist auf den ersten Blick durchaus edel: Er will erreichen, dass Katzen kastriert werden, um eine ungehinderte Vermehrung der Katzenpopulation zu verhindern. Aber eine Steuer löst das Problem nicht.

Dagmar Heuberger, Ressort-Leiterin Ausland.

Dagmar Heuberger, Ressort-Leiterin Ausland.

AZ

Es ist unbestritten: Katzen müssen – wenn es sich nicht um Zuchttiere handelt – kastriert werden; egal, ob es sich um Wohnungskatzen oder Freigänger handelt. Das unterbindet nicht nur das lästige «Spritzen» rolliger Kater (und Katzen!). Es verhindert auch Katzenelend: Wie viele ungewollte Kätzchen werden doch Jahr für Jahr ausgesetzt oder brutal ertränkt! Verantwortungsbewusste Katzenhalter wissen das. Jenny geht es freilich nicht in erster Linie um das Wohl der Samtpfoten, sondern um den «Massenmord» an Vögeln und die Arterhaltung von Reptilien. Gewiss: Als Tierfreund schmerzt es einen, wenn das Büsi einen getöteten Vogel nach Hause bringt. Es erinnert uns aber auch daran, dass in unserem sanften Stubentiger ein Raubtier schlummert; Jagd und Beutefang sind seine natürliche Bestimmung.

Das Problem sind allerdings gar nicht die wohlgenährten, faulen Hauskatzen, sondern die herrenlosen Streuner und die unzähligen Katzen, die halb wild auf Bauernhöfen leben. Zielführender als eine Steuer ist hier der Ansatz des Schweizer Tierschutzes (STS): Freiwillige Helfer fangen Streuner ein, damit sie kastriert werden können. Zudem führt der STS Kastrationsaktionen auf Bauernhöfen durch und übernimmt dabei einen Teil der Kosten. Viele Bauern lassen ihre Hofkatzen nämlich aus finanziellen Gründen nicht kastrieren. Wie also sollte man sie dazu bringen, Katzensteuer zu bezahlen? Und wer soll das wie kontrollieren? Vielleicht eine «Büsi-Polizei»?

Dem Dichtestress bei Katzen ist mit einer Steuer nicht beizukommen. Wer etwas gegen die Überpopulation von Katzen tun will, spendet das Geld besser für die Kastrationsaktionen des Tierschutzes.