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Aargauer wehrt sich gegen Strafbefehl: «Ich habe die Maske im Zug nur zum Essen und Trinken abgezogen»

Ein 42-jähriger Mann aus der Region wehrt sich vor Bezirksgericht Aarau erfolgreich gegen eine Busse von 200 Franken. Die Richterin sprach ihn frei, weil er die Maske nur abgezogen habe, um einen Darvida-Snack zu essen und Wasser zu trinken.

Fabian Hägler
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Seit mehreren Monaten gilt Maskenpflicht im Zug - zum Essen und Trinken darf die Maske aber kurz abgezogen werden.

Seit mehreren Monaten gilt Maskenpflicht im Zug - zum Essen und Trinken darf die Maske aber kurz abgezogen werden.

Symbolbild: Georgios Kefalas / KEYSTONE

Der Strafbefehl und die Begründung sind denkbar kurz: «Der Beschuldigte wehrte sich trotz entsprechender Anweisung des Kontrollpersonals, die gemäss Covid-19-Verordnung vorgeschriebene Maske anzuziehen oder das Verkehrsmittel bei der nächsten Haltestelle zu verlassen.» Am 5. August 2020, kurz vor dem Mittag, wurde Thomas F. (42, Name geändert) in der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) in Suhr kontrolliert.

Thomas F. ist Lokomotivführer und wollte nach Aarau, um dort einen Güterzug zu übernehmen. «Ich sass ganz allein in einem Erstklassabteil, das mit einer Scheibe vom Rest des Zugs abgetrennt ist», sagte er, als ihn Einzelrichterin Karin von der Weid zum Vorfall befragte. Thomas F. hatte einen Strafbefehl kassiert und hätte 200 Franken zahlen sollen – diese Busse focht er vor Gericht an.

Strafbefehl nach vier Monaten: «Ich bin aus allen Wolken gefallen»

«Ich habe im Abteil meine Dienstvorbereitungen gemacht, einen Darvida-Snack gegessen und etwas Wasser getrunken», sagte Thomas F. und ergänzte: «Dafür habe ich die Maske abgezogen.» Kurz vor Suhr habe ihn ein Kontrolleur der WSB ermahnt, die Maske wieder anzuziehen. «Er war ziemlich forsch, hat sich nicht vorgestellt und mir auch keinen Ausweis gezeigt», erzählte der Lokführer.

Er sei kein Maskengegner, finde das Maskentragen zwar etwas mühsam, habe aber der Anweisung Folge geleistet. Etwas später habe er dann nochmals einen Schluck Wasser getrunken. «Da kam der Kontrolleur wieder und verlangte meine ID und meine Adresse», berichtete Thomas F.

Gut vier Monate später, am 9. Dezember, flatterte bei ihm der Strafbefehl ins Haus. «Ich bin aus allen Wolken gefallen und verstehe nicht, warum ich eine Busse zahlen soll, darum habe ich Einsprache gemacht», sagte der Lokführer.

Richterin spricht Thomas F. frei - und mahnt zugleich

Einzelrichterin von der Weid eröffnete ihr Urteil nach kurzer Bedenkzeit – Thomas F. wurde freigesprochen. Er habe glaubwürdig dargelegt, dass er die Maske nur abgezogen habe, um etwas zu essen oder zu trinken. Die Richterin erklärte Thomas F. aber auch, es sei nicht entscheidend, ob er allein im Abteil gesessen sei oder die Maskenpflicht sinnvoll finde.

«Das sind Regeln, die für alle gelten, an die müssen wir uns halten», sagte von der Weid. Im aktuellen Fall komme sie «im Zweifel für den Angeklagten» zum Freispruch.