Brugg
Quarantäne nach Infektion missachtet: Polizei schritt im Bundesasylzentrum ein

Das Nichtbefolgen der Quarantänebestimmungen hatte in Brugg Folgen für elf Asylbewerber – sie wurden Richtung Zürich abtransportiert.

Claudia Meier
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Derzeit befinden sich in den Brugger Hallen keine Männer in Quarantäne.

Derzeit befinden sich in den Brugger Hallen keine Männer in Quarantäne.

asp (27. November 2020

Ende November letzten Jahres sind die ersten 40 Männer ins Bundesasylzentrum (BAZ) an der Ländistrasse in Brugg eingezogen (die AZ berichtete). Bis zu 230 Asylsucher könnten in den militärischen Hallen untergebracht werden. Ansteigende Asylgesuchszahlen und die geltenden Empfehlungen des Bundes zum Schutz vor einer Covid-19-Ansteckung machten dieses temporäre BAZ notwendig, das maximal für drei Jahre betrieben werden soll.

Welche Zwischenbilanz ziehen die Zuständigen nach gut eineinhalb Monaten? Sprecher Reto Kormann vom Staatssekretariat für Migration (SEM) sagt auf Nachfrage: «Wir sind zufrieden, der Betrieb des BAZ Brugg ist gut angelaufen.» Bis auf eine Ausnahme: «Mitte Dezember verzeichneten wir einen mit Covid-19 Infizierten. Zur konsequenten Durchsetzung der ­damit verbundenen Quarantänebestimmungen bei den Asylsuchenden war ein Polizeieinsatz notwendig.» Die betroffenen elf Asylsucher seien danach unverzüglich in die Asylregion Zürich zurückgeführt worden. Der Rücktransport wurde laut Kormann durch das SEM initialisiert, organisiert und mit den eigenen Bussen durchgeführt.

Die Fenster werden mit Sichtschutz versehen

Aktuell sind im BAZ 30 Männer aus der Türkei, Afghanistan, Algerien, Marokko und Sri Lanka einquartiert. Von diesen befindet sich keiner in Quarantäne. Allfällige Infizierte würden in ihre angestammte Asylregion zurückgeführt, sagt Kormann.

Akuter Handlungsbedarf besteht bei der Informatikverbindung, bei der es periodisch zu Ausfällen kommt. «Zudem werden wir mit baulichen Massnahmen die Sektoren nochmals segmentieren, um kleinere Raumabschnitte zu erhalten», hält der SEM-Sprecher fest. Zusätzlich müssen Fenster mit Sichtschutz versehen werden, weil es dazu «Reaktionen» von Anwohnern gegeben habe. Betroffen sind Fenster im Erd- und Obergeschoss. Auch die Lärmemissionen der Lüftung/Heizung sollen noch mit einer geeigneten Isolationslösung abgeschwächt werden.

Bund vergass, Nummer für die Hotline aufzuschalten

Grundsätzlich verfügen alle BAZ über eine 24-Stunden-Hotline. Doch wer die Telefonnummer für Brugg (0584830643) sucht, wird bei der Stadt, aber nicht auf der SEM-Website fündig. «Das ging schlicht vergessen», so Kormann. Die Hotlinenummern der ebenfalls zusätzlich eröffneten BAZ in Sulgen TG und Reinach BL fehlen ebenso. «Wir holen das nach.» Seit Anfang Dezember gingen auf der Brugger Hotline sechs Anrufe ein.

Ein erster Austausch mit der von der Stadt Brugg geforderten Begleitgruppe fand vor der Eröffnung des BAZ statt. Die nächste Begleitgruppensitzung ist laut Kormann für Anfang Februar geplant. Die Begleitgruppe besteht aus gut einem Dutzend Personen. «Sie konnte zu Beginn des Jahres um ein Mitglied vergrössert werden; neu ist die Gemeinde Windisch durch den Gemeindeschreiber Marco Wächter vertreten», sagt Bruggs Stadtschreiber Matthias Guggisberg. Seit Eröffnung des BAZ Brugg habe es nur wenige Rückmeldungen bei der Stadt gegeben, die in erster Linie positiv waren und auch Angebote zur Unterstützung der Asylsuchenden beinhaltet haben.

«Die Stadt Brugg sieht sich zusammen mit dem Bund und dem Kanton insbesondere für die Sicherheit rund um das BAZ zuständig», sagt Guggisberg. Diesbezüglich sei eine positive Bilanz zu ziehen. Er spricht von einer konstruktiven und reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Kanton. Der Bund informiere über die wichtigsten Kennzahlen und die Verhältnisse im BAZ.

Auf die Frage, mit welchem Betrag die Stadt Brugg vom Bund für das BAZ entschädigt wird, sagt Guggisberg: «Die Stadt Brugg erhält die Hälfte der Sicherheitspauschale, die der Bund an den Kanton ausrichtet.» Sie bemisst sich nach der Grösse der Asylunterkunft. Laut dem Kantonalen Sozialdienst gibt es für den Kanton keine weitergehenden finanziellen Entschädigungen vom Bund. Jedoch würden dem Kanton Aargau im Rahmen der in der Asylverordnung geregelten ordentlichen Zuweisungen zur Kompensation 46 Personen weniger zugewiesen (0,2 von 230 Kapazität des BAZ Brugg).

Betreuerfirma sucht Caterer bis Ende Februar 2022

Vor zehn Tagen suchte die ORS Service AG, die im Auftrag des SEM für die Betreuung und den Betrieb des BAZ Brugg zuständig ist, via Inserat einen neuen Caterer für die Verpflegung. Der Vertrag dauert bis Ende Februar 2022, mit der Option für Verlängerung jeweils um ein Jahr bis maximal am 30. Juni 2023. Für die ersten drei Monate konnte das SV-Restaurant im Campus Brugg-Windisch kurzfristig die Verpflegung übernehmen. Der Auftrag ist jedoch ausschreibungspflichtig. Der bisherige Cateringpartner kann sich laut ORS-Sprecher Lutz Hahn auch an diesem Verfahren beteiligen.