Mägenwil/Birrfeld
Radiomoderator im «Schwulenwäldli» – dem «wahrscheinlich grössten Mythos im Aargau» auf der Spur

Radio Argovia schaut diese Woche hinter die Kulissen des Aargauer Sexgewerbes. Um Sensationsgier geht es dabei nicht. Ein Schauplatz: das berühmt berüchtigte «Schwulenwäldli» bei Mägenwil.

Eva Berger
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Der Kanton Aargau ist schweizweit auf dem vierten Platz, was die Anzahl Sex-Etablissements betrifft. Zudem befindet sich hier ein bekannter Treffpunkt für anonymen Sex unter Männern, das «Schwulenwäldli», ein Waldstück zwischen Mägenwil und dem Birrfeld.

«Man sieht die Rotlicht-Einrichtungen. In vielen Aargauer Dörfern in fast allen Regionen gibt es sie», sagt Andrea Moser, Programm-Gestalterin bei Radio Argovia. Doch die Aargauer wüssten nur wenig darüber, was hinter den Mauern geschehe. Zusammen mit Moderationsleiter Oliver Wagner hat Andrea Moser beschlossen, die Szene etwas genauer anzuschauen. Daraus entstanden ist die Themenwoche «Sex im Aargau», die am Montag beginnt.

Ausschlag für die Reihe hat das «Schwulenwäldli» gegeben. Die AZ hat im September darüber berichtet, ansonsten wird öffentlich kaum darüber geredet:

Das «Schwulewäldli» bei Mägenwil ist auch im Tinder-Zeitalter gefragt. Ein Netz von Trampelpfaden durchzieht das Waldstück.
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Die Pfade zeugen davon, dass Menschen schon seit vielen Jahren durch den Wald streichen.
Die Autos stehen zu jeder Tageszeit auf dem Parkplatz an der Strasse. Der Kanton bittet auf einer Tafel, den Rastplatz sauber zu halten.
Freiwillige haben überall im Wald Abfallsäcke aufgestellt, um Littering entgegenzuwirken.
Die Säcke sind oft gut gefüllt, doch sie werden von unbekannten auch regelmässig gewechselt.
Doch immer noch liegt viel Abfall im Gebüsch, z.B. Potenzmittel, ...
... oder Kondome. In den letzten Jahren hat sich das Abfallproblem allerdings verbessert.
Das «Schwulenwäldli» nahe der Autobahnausfahrt Mägenwil.

Das «Schwulewäldli» bei Mägenwil ist auch im Tinder-Zeitalter gefragt. Ein Netz von Trampelpfaden durchzieht das Waldstück.

Chris Iseli

Gemeinsam mit einem Stammbesucher besucht das Radio-Team den Treffpunkt. Auch das Sexgewerbe wird als Thema behandelt. So spricht das Radio-Team etwa mit einer Rumänin, die in der Schweiz ihren Körper für Geld verkauft, und auch mit den Freiern ist das Radio-Team im Gespräch.

Die Frage nach einem Prostitutionsverbot wird aufgegriffen und die Reporter sprechen mit Organisationen, die sich um Frauen im Sexgewerbe kümmern. Zudem will der Radiosender mit einem «Sex-Abc» auf seiner Website Antworten auf Tabufragen geben, und die wichtigsten Orte, die während der Themenwoche im Fokus stehen, werden beschrieben. Am 10. November schliesslich können Hörerinnen und Hörer ab 18 Jahren am Tag der offenen Tür des «Gebi-Wellnes-Clubs» einen Blick hinter die Kulissen des Saunaclubs in Gebenstorf werfen.

«Nicht unwohl gefühlt»

Bei ihrer Arbeit mussten die Radio-Macher behutsam vorgehen: «Wir haben alle Orte für unsere Reportagen zuerst ohne Mikrofon besucht», sagt Andrea Moser. Man habe den Protagonisten versichert, dass es nicht um die Sensation oder darum gehe, das Gewerbe schlecht darzustellen. Sie seien dann aber doch überrascht gewesen, wie offen sie aufgenommen worden sind, sagt die Radiofrau, «wir haben uns nicht unwohl gefühlt».

Das Radio eigne sich gut für Berichte über dieses gesellschaftliche Tabuthema, da niemand Angst haben müsse, ohne seine Einwilligung abgebildet und vielleicht erkannt zu werden.

Auf negative Reaktionen aus der Hörerschaft sei Radio Argovia dennoch vorbereitet, sagt Andrea Moser. Sie versichert aber, dass pornografische oder anderweitig grenzwertige Inhalte keinen Platz in der Sendereihe haben. «Wer die Interviews und Reportagen hört, merkt schnell, dass wir aufklären und aufzeigen wollen, dass das Sexgewerbe etwas Normales ist.»