Infektionskrankheit

Angst vor dem Corona-Virus: Mit diesen Massnahmen schützen Aargauer Firmen ihre Mitarbeitenden

Ob ABB, Axpo, Rivella oder Zweifel – die grossen Aargauer Unternehmen sind zunehmend besorgt über die Ausbreitung des Corona-Virus.

Ob ABB, Axpo, Rivella oder Zweifel – die grossen Aargauer Unternehmen sind zunehmend besorgt über die Ausbreitung des Corona-Virus.

Die rasche Ausbreitung des Corona-Virus beschäftigt auch die Unternehmen im Aargau. Eine Umfrage bei den grossen Firmen im Kanton zeigt: alle ergreifen Massnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeitenden, manche haben gar Notfallpläne für die schlimmsten Szenarien ausgearbeitet.

Die Lage wird ernster: nach dem ersten bestätigten Fall im Tessin müssen sich die Schweizer Firmen verschärft mit der Bedrohung durch das neuartige Corona-Virus befassen. Auch im Kanton Aargau haben die grossen Unternehmen erste Schutzmassnahmen getroffen. So hat etwa der Energiekonzern Axpo mit Sitz in Baden eigens eine Task Force eingerichtet, die den Verlauf der Corona-Virus-Ausbreitung genau verfolgt.

«Für den Fall einer Pandemie», erklärt Mediensprecher Antonio Sommavilla, «haben wir Szenarien vorbereitet, um den bestmöglichen Schutz der Mitarbeitenden und den Betrieb der Kraftwerke und Netze sicherzustellen.» Dazu gehören laut Sommavilla etwa Reisebeschränkungen für Mitarbeitende in Risiko-Länder wie China, Südkorea oder Italien. Konferenzen sollen wenn möglich via Telefon oder Video-Call abgehalten werden. Mitarbeitende mit Grippesymptomen dürfen nicht mehr zur Arbeit erscheinen und müssen einen Arzt aufsuchen. 

«Auf alle Szenarien vorbereitet»

Ähnlich klingt es beim Nachbarn ABB. Der Industriekonzern beobachte die Situation rund um COVID-19 aufmerksam und habe zur Eindämmung des Virus Regelungen und vorbeugende Reisebeschränkungen erlassen. «Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet», sagt Mediensprecher Andreas Maurer. ABB unterhält mehrere Fabriken in China, die Anfang Februar durch die chinesischen Behörden vorübergehend geschlossen wurden. Mittlerweile konnte der Betrieb dort mit Einschränkungen wieder aufgenommen werden.

Die Brugg Kabel AG hat im Hinblick auf das Corona-Virus gar einen Drei-Stufen-Plan, je nach Schweregrad der Situation, erarbeitet. Bei der aktuellen Stufe 1 fordert das Unternehmen seine Mitarbeiter zur Einhaltung der Hygienemassnahmen des Bundes auf und spricht eine Reisebeschränkung aus. Sollten erste Fällen in der Region Brugg auftreten, folgt Stufe 2 mit verstärkten Hygienemassnahmen, etwa dem Verzicht auf Händeschütteln und einer Home-Office-Pflicht für Risikopersonen wie Schwangere und Ü60-Mitarbeiter. «Sollte es eine Häufung von Fällen in der Region geben, ordnen wir auf Stufe 3 ein generelles Home-Office und eine Schutzmasken-Pflicht für Produktionsmitarbeiter an», erklärt CEO Samuel Ansorge.      

Auch bei Rivella sorgt das neuartige Virus für Beunruhigung. «Wir sind gerade dabei, ein Informationsschreiben zu versenden», sagt Susanne Widmer, Sprecherin des Rothrister Getränkeherstellers. Darin würden die Mitarbeitenden zur Einhaltung der Schutzmassnahmen der Gesundheitsbehörden aufgefordert. Sprich: regelmässig die Hände zu waschen und auf das Händeschütteln bei der Begrüssung zu verzichten.  

Strategische Überlegungen werden immer schwieriger

Einen Schritt weiter geht der Pommes Chips-Hersteller Zweifel. «Wir stellen bereits heute Überlegungen an, wo und inwiefern unser Betrieb vom Corona-Virus betroffen sein kann», sagt CEO Roger Harlacher. Damit meint er etwa den Einkauf der Rohstoffe und anderer Materialien sowie die Wahl der Lieferanten.  «Je grösser die vom Virus betroffenen Gebiete werden, desto schwieriger werden diese Überlegungen.» Weiter mache man sich bei Zweifel Gedanken darüber, wie potenzielle Ausfälle von Mitarbeitern wegen der Krankheit aufgefangen werden könnten. 

Das Pharma-Unternehmen Siegfried hat für seine Angestellten Reiseverbote verhängt. «Wir haben für China und Norditalien ein Reiseverbot verhängt», sagt Kommunikationschef Peter Gehler. Die Firma produziert im chinesischen Nantong pharmazeutische Wirkstoffe – und ist entsprechend stark vom Ausbruch des Virus betroffen. Die chinesischen Behörden haben das Werk Anfang Jahr für eine Woche geschlossen. Inzwischen arbeitet die Belegschaft zwar wieder, allerdings nur in dezimierter Formation.

Diesen Freitag hätte am Hauptsitz in Zofingen eine Sitzung mit Teilnehmern aus Deutschland stattfinden sollen. Doch die Herrschaften wurden gebeten, zu Hause zu bleiben. Der Grund: Ein Corona-Fall in ihrer Heimat Aachen. «Wir wollen verhindern, dass unsere Mitarbeiter mit Personen aus Gefahrengebieten in Kontakt kommen», sagt Gehler.

Bei der Giezendanner Transport AG schaut man ebenfalls besorgt auf die Situation in den Nachbarländern: «Wir haben sehr viele Fahrer, die aus dem Raum Mailand in die Schweiz fahren», erklärt Geschäftsleiter und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner. Grundsätzlich könne die Firma «nicht verhindern, dass das Virus mit dem Lastwagen über die Grenze kommt». Die Chauffeure seien in ihren Kabinen allerdings relativ gut isoliert. «Zudem statten wir sie mit Desinfektionsmitteln aus und raten ihnen, auf das Händeschütteln zu verzichten», sagt Giezendanner. Stärker einschränken will die Firma ihre Mitarbeiter derzeit nicht.

Auch im Bankenwesen ist die Bedrohung durch das Corona-Virus ein Thema. Christine Honegger von der Aargauischen Kantonalbank erklärt: «Wir haben für Donnerstag eine Sitzung zur Thematik einberufen.» Neben der Art und Weise der Mitarbeiterinformation soll es dabei auch um die Organisation des Geschäftsbetriebs gehen, falls Angestellte wegen einer Infektion ausfallen.

Beim Konkurrenten Neue Aargauer Bank erklärt Pressesprecher Roland Teuscher: «Wir informieren die Mitarbeitenden mit Updates im Intranet und sensibilisieren sie bezüglich den persönlichen Hygiene-Massnahmen.» Weiter weise man die Angestellten auf Massnahmen rund um private Reisen und die Rückkehr an den Arbeitsplatz hin.

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