Kleine Steueramnestie

Rekord: Aargauer meldeten letztes Jahr 147 Millionen Franken Schwarzgeld

Aus den legalisierten Vermögen floss dem Kanton 16,2 Millionen Steuern zu. (Symbolbild)

Aus den legalisierten Vermögen floss dem Kanton 16,2 Millionen Steuern zu. (Symbolbild)

411 Personen zeigten sich 2015 selbst an und zahlten 16 Millionen Franken Nachsteuern. Die meisten Fälle betrafen wie in den Vorjahren Wertschriftenvermögen. Beim grössten Fall handelt es sich um ein Vermögen von rund 10 Millionen Franken.

Im letzten Jahr registrierte das Kantonale Steueramt im Rahmen der «kleinen Steueramnestie» (vgl. Kästchen) 411 Selbstanzeigen. Dabei wurden laut Steueramtschef Dave Siegrist 147 Millionen Franken an Vermögenswerten deklariert. Ein neuer Rekord. Es resultierten 16,2 Millionen Franken Nachsteuern, inklusive Verzugszinsen. Dieses Geld geht zu je 40 Prozent an Kanton und Gemeinden, zu 20 Prozent an den Bund.

Die meisten Fälle betrafen wie in den Vorjahren Wertschriftenvermögen. Siegrist: «Der grösste Fall war eine Anmeldung von Wertschriftenvermögen von rund 10 Millionen Franken mit jährlichen Erträgen von durchschnittlich rund 250 000 Franken.» Daraus resultierten über die gesamte Nachsteuerperiode Nachsteuern und Verzugszinsen von rund 1,7 Millionen Franken. Die meisten Fälle, die offengelegt werden, sind aber Bankkonti mit eher kleineren Beträgen ab 20000 Franken.

Nun lehnt sich der Kanton nicht etwa zurück und wartet auf Selbstanzeigen. Er eröffnete letztes Jahr selbst rund 300 Nachsteuer- und Bussenverfahren. Daraus ergaben sich – inklusive Verzugszinsen – Einnahmen von rund 5 Millionen Franken.

Angst vor Informationsaustausch

Nach dem Bekanntwerden des Falles Hoeness gab es 2014 eine Zunahme von Selbstanzeigen. Und auch 2015 meldet «Aarau» einen neuen Rekord. Dave Siegrist: «Dies ist weniger eine Folge des Falles Hoeness als vielmehr der Diskussion und des Gesetzgebungsverfahrens über den künftigen internationalen Informationsaustausch sowie der – mittlerweile allerdings sistierten – Revision des Steuerstrafrechts.»

Milliardengrenze rückt näher

Insgesamt kamen im Aargau seit Gültigkeit der kleinen Steueramnestie, also seit 2010, Vermögen von rund 797 Millionen Franken zutage. Wenn es so weitergeht, wird in etwas mehr als einem Jahr die Milliardengrenze erreicht. Die Amnestie lohnt sich also für den Staat. Bisher resultierten allein im Aargau für alle drei Staatsebenen zusammen Nachsteuern und Verzugszinsen von rund 84,4 Millionen Franken.

Wagt der Steueramtsvorsteher eine Prognose, wie es weitergeht? Aufgrund der Entwicklungen des internationalen Informationsaustausches und der nach der Sistierung wohl wieder weiter geführten Revision des Steuerstrafrechts, so Siegrist, «erkennen Steuerpflichtige mit heute noch hinterzogenen Vermögen, dass die Chance, entdeckt zu werden, stetig ansteigt. Aufgrund dieser Empfindung gehe ich davon aus, dass auch in den nächsten zwei bis drei Jahren namhafte Selbstanzeigen eingehen werden».

Doch wie stellt man sicher, dass jemand nicht von Kanton zu Kanton zügelt, Steuern hinterzieht und nach einigen Jahren sein Schwarzgeld deklariert? Die Kantone melden ihre Daten der eidgenössischen Steuerverwaltung: Wenn man bei einer frisch zugezogenen Person, die eine Selbstanzeige macht, den Eindruck bekommt, sie könnte dies schon woanders gemacht haben, fragt «Aarau» in Bern nach und bekommt die entsprechende Auskunft. Somit kommt niemand zweimal in den Genuss einer straflosen Selbstanzeige.

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