Leserwandern: 1. Etappe

Rekord am Starttag: Über 300 Personen wandern von Wildegg nach Aarau

Zum Start der siebten Ausgabe des Leserwanderns gab es gleich einen neuen Allzeit-Teilnehmerrekord. Zeit für ein paar Gedanken über das Wandern.

Natürlich hat sie nicht das ganze Jahr über auf diesen Tag gewartet. Schliesslich hat Silvia Lüscher immer etwas um die Ohren. Aber jetzt, wo es wieder losgeht, ist für sie klar: «In den kommenden fünf Wochen steht das Leserwandern bei mir an erster Stelle.»

Es ist die siebte Ausgabe des Leserwanderns, die erste Etappe, von Wildegg nach Aarau. Ein elf Kilometer langer Marsch praktisch ohne Höhenmeter. Ein Klacks für Lüscher. Zumal auf sie noch viele weitere Etappen warten. Dass die Wohlerin auch in diesem Jahr unterwegs ist, hat mit Leidenschaft zu tun. Silvia Lüscher, 75, pensionierte Telefonistin, ist in den vergangenen Jahren oft gewandert. Geleserwandert. Sie zählt zu den Rekord-Leserwanderern. Seit 2010 hat sie nur wenige Etappen verpasst und weit über 1000 Wanderkilometer zurückgelegt.

Wie immer sind Silvia und ihr Mann Max gemeinsam zur Wanderung angereist. Auch er ist 75 Jahre alt, und auch er ist stets mit Stöcken unterwegs. Nur mit dem Tempo will es nie so recht klappen: Sie ist eine bedächtige Wanderin, behutsam setzt sie einen Fuss vor den anderen. Er ist ein hastiger Wanderer, ein Steigerungsläufer. Klar ist aber für beide: Sie wollen sich fit halten mit Wandern. Die Musse dafür finden sie immer wieder von neuem.

Was Wanderer glücklich macht

Die Lüschers gehören zu den Rekordhaltern – und trotzdem sind sie nur zwei von vielen: Es sind 314 Gesichter, in die az-Chefredaktor Christian Dorer allein an diesem Morgen bei der Begrüssung am Bahnhof Wildegg blickt. Bekannte Gesichter. Neue Gesichter. Unerwartete Gesichter. 314 Leserwanderer, ein neuer Allzeitrekord! Ein Mix aus Stammgästen und Kurzentschlossenen. Die meisten von ihnen wollen nicht Kilometer bolzen. Sie wollen schöne Wege, ein lohnendes Ziel und das eine oder andere Gespräch. Denn Wandern ist mehr als ein Zeitvertrieb. Davon ist Horst Sager von den Aargauer Wanderwegen überzeugt. Beim Marsch über die Auenwaldbrücke in Rupperswil spricht er vom «entschleunigenden Zeitvertrieb schlechthin».

Doch es gibt etwas, dass Sager nicht hören mag: «Wandern ist nur für Senioren.» Dieses Klischee sei längst widerlegt. Immerhin schnüren sich 2,7 Millionen Menschen, von der 20-jährigen Studentin bis zum 80-jährigen Pensionär, in der Schweiz regelmässig die Wanderschuhe. Die Freizeitbeschäftigung ist gemäss Statistiken des Bundes so beliebt wie noch nie.

Noch vor Jahren hat man es als altbacken abgetan, nun ist Wandern angesagt.
Dafür gibt es gute Gründe, wie eine Studie der Uni Marburg zeigt: 90 Prozent der Wanderer geniessen die schöne Wandschaft, 80 Prozent schätzen die Stille und 75 Prozent sehen sich als Naturgeniesser. Die Wissenschafter sind überzeugt, dass Gehen intensivere Sinneseindrücke hervorruft als Laufen. Je geringer das Tempo, desto mehr verlagert sich die Aufmerksamkeit nach aussen. So lautet die einfache und erfolgreiche Formel.

Harmonische Landschaften heben die Stimmung, das Gehirn schaltet auf den entsprechenden «Alphawellen-Modus». Damit jedoch noch nicht genug: Studien aus Malmö und Innsbruck haben nachgewiesen, dass Wandern auch den Herzmuskel stärkt, die Durchblutung der Lunge fördert und die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert.

Machbar für Jung und Alt

Die Fakten sind ermutigend und bestätigen das, was die meisten Leserwanderer wohl ohnehin aus eigener Erfahrung wissen. Sie lassen sich von einer Überzeugung antreiben: Wandern ist gut für Körper und Geist. Beim Pausenschwatz werden sich Rekordwanderin Silvia Lüscher und ihre Kolleginnen derweil rasch einig, was das Leserwandern ausmacht: Die Etappen sind für Jung und Alt machbar, geleitet werden sie von erfahrenen Wanderführern, um die Routenplanung kümmern sich regionale Organisationen. Wer wandert, kann sich ganz dem Augenblick hingeben. Es braucht weder eine Anmeldung noch ein Auto für die Anfahrt.

Nicht zu vergessen: Unterwegs warten Sehenswürdigkeiten darauf, entdeckt zu werden. Die Leserwanderer erkunden Burgruinen, marschieren durch Auenwälder, erfrischen sich an Flüssen – oder geniessen am Ende vielleicht sogar einen Apéro. 

Und manchmal, sagt Lüscher, will sie nach so einer Wanderung «eben nur noch ausspannen».

Teilen Sie Ihre Erlebnisse

Das Leserwandern ist der ideale Ort, um Geschichten über die Region zu erfahren. Aber auch, um Geschichten zu erzählen. Schildern Sie uns Ihre besten Leserwandern-Erlebnisse per E-Mail (leserwandern@azmedien.ch). Damit wir Ihre besten Fotos und Videos teilen können, taggen Sie diese bei Facebook, Twitter und Instagram mit dem Hashtag #leserwandern.

Verwandtes Thema:

Und Jetzt

Lesen Sie ausserdem

Meistgesehen

Artboard 1