Die Luft wird dünn für Ingo Malm: Das Aargauer Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde des Arztes gegen den Entzug der Berufsausübungsbewilligung abgewiesen. Zuvor hatten das kantonale Gesundheitsdepartement und der Regierungsrat Malm die Bewilligung wegen fehlender Vertrauenswürdigkeit entzogen. «Massgebend für das Verwaltungsgericht waren zahlreiche Mängel in der Praxisführung und Praxisorganisation», heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Malm ist nicht vertrauenswürdig

Grundsätzlich hält das Verwaltungsgericht fest, Ingo Malm werde «durch zahlreiche öffentlich-, straf- und zivilrechtliche Verfahren belastet». Im 28-seitigen Urteil heisst es unter anderem, Malm habe seinen Patienten ohne die nötige Bewilligung Medikamente abgegeben. Das Gericht kommt zum Schluss, Ingo Malm habe «die Erstabgabe von Medikamenten systematisch praktiziert». Ausserdem sei die vorgeschriebene Betäubungsmittelkontrolle in der Praxis mangelhaft gewesen. Weiter sind im Urteil mehrere Klagen von Krankenkassen gegen Malm aufgeführt. Die Versicherer fordern Rückzahlungen von über 1,1 Mio. Franken, weil Malm in den Jahren 2010 und 2011 «überarztet», also zu hohe Kosten verursacht haben soll.

Auch die wirtschaftliche Situation von Malms Praxis ist laut dem Verwaltungsgerichtsurteil kritisch. So wies der Betreibungsregisterauszug für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 24. April 2012 insgesamt 72 Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von knapp 830'000 Franken auf. Allein einer AHV-Ausgleichskasse war Malm im Frühling 2012 knapp 200'000 Franken schuldig. Überdies wurde am 19. Juni 2012 der Konkurs über Malm und dessen damalige Praxis in Rudolfstetten eröffnet. Unkorrekt hat sich Malm laut Verwaltungsgericht gegenüber den Zürcher Gesundheitsbehörden verhalten. Der Arzt verschwieg, dass sein Gesuch für eine Praxisbewilligung in Bern abgelehnt worden war.

Malm zieht Urteil weiter

Das Urteil, das am 4. Juli gefällt wurde, ist noch nicht rechtskräftig. Ingo Malm, der heute mit vier anderen Ärzten im Ärztezentrum Mutschellen in Berikon praktiziert, hat aber schon reagiert: «Der Entscheid des Verwaltungsgerichtes des Kantons Aargau wird von mir ans Bundesgericht weitergezogen.» Malm ergänzt in seiner Mitteilung: «Die Sachentscheidung ist falsch, ich werde sie hier und jetzt jedoch nicht kommentieren.» Der deutsche Arzt hält weiter fest: «Selbst wenn eine für mich negative Entscheidung irgendwann rechtskräftig würde, müsste das Ärztezentrum nicht schliessen.»

Dazu äussert sich das Verwaltungsgericht nicht. Allerdings hält es fest, Malms Verhalten, «Verschweigen von Vorstrafen bei Erteilung der Bewilligung, fehlende Reaktion auf Disziplinarverfahren, desolates Finanzgebaren, Betreibungen für Sozialbeiträge» dokumentiere «ein erhebliches Mass an Geringschätzung gesetzlicher Vorschriften und die Missachtung öffentlichrechtlicher Verpflichtungen».

Malms Eignung als selbstständig tätiger Arzt sei deshalb langfristig infrage gestellt. Klar ist, dass Malm nicht mehr als selbstständiger oder angestellter Arzt in einer Praxis arbeiten darf, wenn das Bundesgericht den Entscheid bestätigt. Kantonsarzt Martin Roth erklärt: «Möglich wäre nur eine Tätigkeit als angestellter Arzt in einem Spital.»