TalkTäglich

Rollenwechsel im Hause Giezendanner: «Mit Ueli komme ich sicher zwischendurch in Kämpfe»

Roberta Giezendanner: «Mit Ueli komme ich ganz sicher zwischendurch in Kämpfe»

Roberta Giezendanner: «Mit Ueli komme ich ganz sicher zwischendurch in Kämpfe»

Ueli und Roberta Giezendanner in der Sendung «TalkTäglich», 19.6.2017.

Bald hat der «Polteri der Nation» ausgepoltert. Ueli Giezendanner tritt in zwei Jahren von der politischen Bühne ab. Anders seine neue Ehefrau Roberta. Sie will überraschend Bezirksrichterin in Zofingen werden. Das frisch verheiratete Paar aus Rothrist sprach im TalkTäglich über ihre Zukunftspläne.

Er ist der bekannteste Polteri aus dem Aargau, der bekannteste Aargauer Fuhrunternehmer und wohl auch der bekannteste Aargauer SVP-Nationalrat: Ueli Giezendanner. Und der 63-Jährige ist frisch verheiratet mit seiner langjährigen Partnerin Roberta Baumann (53).

Doch während er in zwei Jahren von der politischen Bühne abtreten und im Unternehmen kürzertreten will, möchte Roberta Giezendanner nun Bezirksrichterin in Zofingen werden. Warum, wollte Moderator Kaspar Loeb im TalkTäglich wissen. Und wieso setzen sie sich nicht zu zweit zur Ruhe und ziehen sich in die «zweite Heimat» Tessin zurück?

«Mit bald 54 Jahren gibt man nicht einfach auf, dann muss man noch etwas machen. Und wenn wir wollen, dass unsere Ehe gut geht, dann muss der Mann das respektieren», sagt Ueli Giezendanner. Er selbst mache jetzt schon viel weniger, aber Roberta habe noch sehr viel Freude an ihrem Job und so würde sie das Richteramt auch machen. «Und seien wir ehrlich, manchmal ist es auch schön, als Mann etwas allein zu sein.»

Ueli Giezendanner: «Der Mann muss das respektieren  – und manchmal ist es ja auch schön, ein bisschen allein zu sein.»

Ueli Giezendanner: «Der Mann muss das respektieren – und manachmal ist es ja auch schön, ein bisschen allein zu sein.»

Die Dynastie Giezendanner

Per Definition beschreibt der Begriff Dynastie eigentlich ein Herrschaftsgeschlecht. Heute wird dieser aber auch bei Familien verwendet, die über einen längeren Zeitraum und mehrere Generationen Wirtschaft und Politik bestimmen.

So wie bei Giezendanners: Zwar macht Ueli Giezendanner in zwei Jahren Schluss in Bundesbern und tritt auch beruflich kürzer. Seine Söhne sind aber bereits ins Unternehmen nachgezogen, Benjamin Giezendanner ist seit Anfang 2017 Aargauer Grossratspräsident und nun möchte Ehefrau Roberta noch Bezirksrichterin in Zofingen werden.

«Nun, die sind eigentlich etwas Gutes», sagt Ueli Giezendanner, «wenn der oberste Chef einmal abtritt.» Dynastien zögen neue Generationen nach und probierten, diesen möglichst viele Fähigkeiten mitzugeben. «Es darf aber nicht sein, dass ein 90-Jähriger noch meint, er müsse befehlen.»

Gibt es da dynastische Parallelen zu Christoph Blochers Familie, dessen Tochter auch erst im Unternehmen, dann im Nationalrat landete?

«Parallelen gibt es vielleicht», sagt Giezendanner,  aber es sei nicht von dem, der die Dynastie führt, inszeniert worden. «Meine Söhne und auch meine Tochter sind so selbstständig, die kann man so nicht führen.»

Alle hätten ihre Pläne, der eine ist Oberst im Militär, den anderen ziehe es wohl nach Bundesbern und Roberta strebe schon seit fünf Jahren nach einem Richteramt.

Wer zieht die Fäden?

Von langer Hand geplant sei aktuelle die Bewerbung aber nicht gewesen. Roberta sei nach dem ersten Wahlgang sehr kurzfristig für Claudia Lengyel eingesprungen, die lieber für die SVP in den Gemeinderat wolle.

Hat also der Nationalrat hier etwas für seine Frau die Fäden gezogen? Giezendanner verneint, unter anderem sei Parteipräsident Thomas Burgherr im Parlament auf ihn zugekommen, weil er wusste, dass Roberta sich beworben hatte und in zwei Jahren eine Kandidatur plante.

Die Zeit drängte jedoch, es blieb nur ein halber Tag. «Ich habe Roberta angerufen und ihr gesagt, wir bräuchten innert zwei Stunden ihre Entscheidung. Wenn du es machst, dann musst du einfach voll ran.»

Ist der Krach schon vorprogrammiert?

Voll ran also, im Sinne der SVP, im Sinne des Ehemanns? Roberta Giezendanner ist ebenfalls langjähriges SVP-Mitglied, doch sie betonte schon Anfang Monat, dass sie nicht in jedem Punkt auf der SVP-Linie ist. Könnte ihre weichere Linie als Bezirksrichterin also zum Krach mit der Partei oder mit Ehemann Ueli führen?

Roberta bezweifelt, weicht der Frage von TalkTäglich-Moderator Kaspar Loeb aus. «Mit Ueli komme ich ganz sicher zwischendurch in Kämpfe», sagt sie, sie fänden das beide aber auch bereichernd. «Wir tun uns gegenseitig gut. Ich kann ihn vielleicht manchmal etwas oben runter holen, denn er ist sehr viel rationaler als ich.»

Mehr Herz und Emotionen im Gericht?

«Ich erlebe Roberta zuhause auch als Richterin», sagt Ueli Giezendanner über seine Frau. Sie diskutierten viel bei Fernsehsendungen und am Ende zeige sie immer ihr Herz. «Ich sage immer, das wäre etwas für sie. Sie hat ein sehr gutes Gespür.»

Roberta Giezendanner sagte Anfang Juni, sie wolle das Amt, weil sie sich fürs Schicksal der Menschen interessiere. Doch reicht das, braucht es keinen juristischen Hintergrund?

«Das reicht auf jeden Fall, sonst hätte ich mich nicht beworben», so Roberta Giezendanner. Sie ist überzeugt, dass Laienrichter, die das Recht nicht von A bis Z kennen, sogar etwas Gutes sind. «So kann man das Herz auch einbringen und vielleicht auch emotionale Entscheide treffen und nicht nur ganz rationale.»

Mehr Herz statt Paragraphen

Mehr Herz statt Paragraphen

Doch ist das Gesetz nicht eben der Rahmen, der verhindern soll, dass man emotional urteilt? Besteht nicht die Gefahr, dass die richterlichen und juristischen Grundsätze zu sehr in den Hintergrund rutschen?

«Das glaube ich nicht», erwidert Roberta Giezendanner. Sie sei auch nicht der Meinung, dass man Jura studiert haben müsse für dieses Amt, auch wenn sie sich als Bezirksrichterin natürlich vertieft für die Materie interessieren würde.

Der Ehemann deckt ihr den Rücken: «Sie nimmt alles sehr genau. Man muss aber anfügen: Jeder Laienrichter hat noch Juristen und ausgebildete Richter neben sich.» Neben den Paragraphen sei es eben gut, wenn auch das Herz zutragen komme.

Gerade in der SVP sei es wichtig, dass solche Ämter nicht nur von Juristen besetzt würden: «Wir sind nicht Linke, sind beide klar auf der rechten Seite. Aber Leute, die es im Leben nicht so gut haben, müssen eine Chance vor einem Gericht erhalten. Und diese erhalten sie nur, wenn es auch einen Laienrichter hat, der fühlt.»

Ueli Giezendanner: «Leute, die es im Leben nicht so gut haben, müssen eine Chance vor einem Gericht erhalten. Und diese erhalten sie nur, wenn es auch einen Laienrichter hat, der fühlt.»

Ueli Giezendanner: «Leute, die es im Leben nicht so gut haben, müssen eine Chance vor einem Gericht erhalten. Und diese erhalten sie nur, wenn es auch einen Laienrichter hat, der fühlt.»

Wünsche an den Ehepartner

Zum Schluss bat Moderator Kaspar Loeb das frische Ehepaar Giezendanner noch um je einen Wunsch an den Partner:

Zukunftswünsche an den Ehepartner

Zukunftswünsche an den Ehepartner

Hier können Sie die ganze Sendung anschauen: 

Rollenwechsel im Hause Giezendanner

Rollenwechsel im Hause Giezendanner

(edi)

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