Tattoo-Sommer

Schattenseiten des Tattoo-Booms: «Qualitätsstudios leiden unter den Dumpingstudios»

Die Preise in den Studios sind unter Druck. Dies, weil sich jeder und jede Tätowierer oder Tätowiererin nennen darf. Oft leidet die Qualität unter dem Konkurrenzkampf.

Wer sich in diesen Tagen in den Badis umschaut, wird schnell feststellen: Die Tattoos sind sehr beliebt. «Früher haben sich nur die harten Jungs tätowiert. Es war ein Akt der Rebellion. Heute können sich auch 18-jährige Frauen ein grosses Tattoo stechen lassen, ohne sofort vorverurteilt zu werden», erklärt Rosario «Rossi» Sorbello vom Tattoo-Studio Inner Fire in Baden.

Entsprechend gestiegen ist die Nachfrage – aber auch das Angebot. «Es kann jeder ein Schild heraushängen und behaupten, er sei Tätowierer», erklärt Björn Bleninger von Raketenwacholder in Lenzburg.

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Neu eine Meldepflicht

In der Tat ist in der Branche vieles ungeregelt. Aber es gibt in der Schweiz seit 2008 immerhin Vorschriften zur Sicherheit von Tätowierungen. Der Bund legt etwa fest, welche gesundheitsgefährdenden Stoffe nicht in den Farben enthalten sein dürfen. Seit dem Mai 2017 müssen sich Tattoo-Studios zudem registrieren lassen.

Bereits seit 1994 existiert der Verband Schweizerischer Berufstätowierer (VST). In der Schweiz seien 600 Studios gemeldet, davon gehörten etwa 45 dem Verband an, erklärt Andy «Stächi» Humm von Swiss-Tattoo in Hausen. Er ist Mitglied des VST-Vorstandes. Ein besonderes Anliegen ist ihm der zweitägige Hygienekurs, den der Verband anbietet.

Alle befragten Tätowierer sind sich einig: Die Tattoos werden immer günstiger. In Billig-Studios wird bereits für 50 Franken pro Stunde gestochen. «Da können wir nicht mithalten», sagt Andy Humm. In seinem Studio seien die Preise sehr unterschiedlich. Je nach Komplexität des Motivs. «Ein Schriftzug sei viel günstiger als ein anspruchsvolles Bild. Ein ungefährer Richtwert seien 150 bis 200 Franken pro Stunde.

Bei Björn Bleninger von Raketenwacholder werden etwa 200 Franken pro Stunde verrechnet. Er sagt: «Die Qualitätsstudios leiden unter den Dumpingstudios.» Die Kunden würden fragen, warum die anderen billiger seien. Zu den Gründen gehört neben dem Konkurrenzdruck der Preisrückgang beim Material und dessen bessere Verfügbarkeit (Internet).

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Andy Humm hofft, dass die Leute vermehrt auf die Qualität des Tätowierers achten und nicht nur auf den Preis. Er ist auf Cover-ups spezialisiert und muss oft Tattoos verbessern, die von Dumpingstudios schlecht gestochen worden sind.

Patrick Huber von Kunststich Aarau weist darauf hin, dass ein Tattoo etwas fürs ganze Leben ist: «Es gibt schon Sparfüchse. Aber die kommen auf die Welt, wenn das Tattoo schlecht gemacht ist.»

Den ganzen Köper verschönern

Viele Leute entwickeln eine Art Tattoo-Sucht. «Beim ersten Mal sind die Kunden oft unsicher», erklärt Björn Bleninger. Wenn es gut gelaufen sei, sinke die Hemmschwelle und der Wunsch, noch ein Tattoo stechen zu lassen, steige. Rosario Sorbello aus Baden glaubt: «Es ist weniger eine Sucht als ein Überwinden von Hemmschwellen.» Nach dem erfolgreichen Einstieg stellen sich die Leute vor den Spiegel und denken: «Oh, da hat es noch Platz» oder «Oh, das wäre noch schön» – und schon sind sie Stammkunde eines Tätowierers.

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