Schule und Corona
Unterricht ohne Masken: Aargauer Regierung stellt Lockerung in Aussicht – «wenn es die Lage zulässt»

Vor fünf Wochen haben Eltern dem Regierungsrat eine Petition gegen die Maskenpflicht an der Primarschule übergeben. Nun hält die Regierung fest, dass die Massnahme so rasch wie möglich aufgehoben werden solle - dies sei derzeit aber nicht möglich. Die Petitionäre sind unzufrieden.

Fabian Hägler
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Mehr als 3500 Personen hatten bis Anfang März die Online-Petition von Steven Schraner und Robert Blarer unterschrieben, die eine sofortige Aufhebung der Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler in Aargauer Schulen verlangt.

Die Petitionäre und ihre Argumente gegen die Maskenpflicht für Primarschüler. (2.3.2021)

Fabian Hägler

Schon bei der Übergabe der Petition hatten Bildungsdirektor Alex Hürzeler und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati betont, dass die Forderung nicht umsetzbar sei.

Hürzeler sagte damals, er hoffe darauf, dass allenfalls einige Coronamassnahmen an den Schulen nach den Frühlingsferien aufgehoben werden könnten. Gallati hielt fest, mit der Maskenpflicht wolle man verhindern, dass die Schüler ihre Kolleginnen, Lehrpersonen oder Eltern mit dem Coronavirus ansteckten.

Das sagten die Regierungsräte zur Forderung der Petitionäre. (2.3.2021)

Fabian Hägler

Inzwischen haben die Petitionäre die offizielle Antwort des Regierungsrats auf ihre Forderung erhalten. Darin schreibt die Regierung:

«Die Aufhebung der Maskenpflicht an der Primarschule wäre sicher einer der ersten Schritte, wenn die epidemiologische Lage Lockerungen an den Schulen zulässt.»

Wann dies möglich sein werde, könne derzeit aber nicht bestimmt werden. Die geltenden Coronamassnahmen würden jedoch regelmässig überprüft und auf Lockerungen oder Verschärfungen des Bundes sowie der umliegenden Kantone abgestimmt.

Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler gilt seit dem 22. Februar

Eingeführt wurde die Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler im Aargau am 22. Februar, um die ansteckenderen Virusmutationen an den Schulen einzudämmen. Der Regierungsrat weist darauf hin, dass es zuvor mehrere Ausbrüche gegeben habe, die Massentests und Schliessungen einzelner Schulen zur Folge hatten. Durch das Maskentragen sei kein hundertprozentiger Schutz gewährleistet, aber die Ausbreitung des Virus werde damit deutlich verlangsamt.

Seit dem 22. Februar gilt für alle Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen im Aargau eine Maskentragpflicht.

Seit dem 22. Februar gilt für alle Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen im Aargau eine Maskentragpflicht.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Zudem müssten dank der Maskentragpflicht weniger Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, der Unterricht könne weitergeführt und das Recht der Kinder auf Bildung gewährleistet werden. Die Regierung ist überzeugt, dass dies am besten mit Präsenzunterricht im Klassenzimmer möglich ist und der Schulbesuch in diesem Alter eine wichtige soziale und pädagogische Funktion habe. Deshalb unternehme man alles, um den Schulbetrieb so normal wie möglich fortzusetzen und zugleich alle Beteiligten so gut wie möglich zu schützen.

Kinderärzte unterstützen Maskenpflicht an der Primarschule

Der Regierungsrat verweist darauf, dass die Schweizer Kinderärzte und die Organisation Pädiatrie Schweiz in einem Newsletter vom 8. März die Maskenpflicht an der Primarschule explizit unterstützen. Laut den Experten sei diese Massnahme für 5. und 6. Klassen geeignet und in dieser Altersstufe medizinisch unbedenklich.

Die Aargauer Regierung ist sich bewusst, dass die staatlich verordneten Massnahmen die Betroffenen belasten. Sie hält aber auch fest, dass die Unannehmlichkeiten des Maskentragens einerseits dem Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus sowie der Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens anderseits gegenüber stehen.

Graubünden hebt Maskenpflicht am kommenden Montag auf

Die Petitionäre kritisieren, dass nur acht von 26 Kantonen die Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler eingeführt haben, der Aargau gehöre zu einer Minderheit mit schärferen Massnahmen. Dies lässt sich aus Sicht von Schraner und Blarer aus mehreren Gründen nicht rechtfertigen. So sei das Gesundheitswesen nicht überlastet, die Zahl der Covid-Patienten in den Spitälern sei stabil und es gebe genügend Reserven.

Zudem sei die Wirksamkeit der Masken fraglich - im Aargau gebe es trotz der Pflicht einige Schulschliessungen. Ausserdem seien die Coronazahlen in Kantonen ohne Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler - zum Beispiel Waadt und St. Gallen - nicht höher als im Aargau Schliesslich verweisen die Petitionäre darauf, dass der Kanton Graubünden die Maskenpflicht an der Primarschule auf den kommenden Montag hin aufhebt.

Petitionäre verlangen Ende der Maskenpflicht nach Frühlingsferien

Aus diesen Gründen empfehlen Schraner und Blarer dem Regierungsrat, seine Strategie nochmals zu überprüfen und stellen neue Forderungen auf. Sie verlangen von Gallati und Hürzeler, dass die Maskenpflicht für Primarschüler «allerspätestens auf den Schulbeginn nach den Frühlingsferien am 26. April» aufgehoben wird.

Steven Schraner und Robert Blarer übergaben Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (von links) am 2. März die Petition gegen die Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler.

Steven Schraner und Robert Blarer übergaben Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (von links) am 2. März die Petition gegen die Maskenpflicht für 5.- und 6.-Klässler.

Britta Gut

Stattdessen könnten separate Plätze mit Plexiglasscheiben für besonders gefährdete Kinder oder FFP2-Masken für gefährdete Lehrpersonen und Erwachsene in Innenräumen eingesetzt werden. Weiter verlangen die Petitionäre, dass die Maskenpflicht für Oberstufenschüler mindestens im Freien, also auf Schularealen und Pausenplätzen, aufgehoben wird.

Unterstützt wurden die beiden Petitionäre von den SVP-Grossrätinnen Nicole Müller-Boder und Maja Meier, die im Kantonsparlament einen Vorstoss gegen die Maskenpflicht an der Primarschule eingereicht haben. Die Motion ist noch nicht beantwortet, der Regierungsrat hat aber eine rasche Behandlung des Anliegens in Aussicht gestellt.

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