Schulstart
Aargauer Regionalpolizeien sind auf den Schulwegen vermehrt präsent, um Autofahrer zu sensibilisieren

Kleine Kinder können Gefahren im Strassenverkehr nur schlecht einschätzen. Deshalb markiert die Polizei in den ersten zwei Wochen nach Schulbeginn Präsenz auf den Aargauer Strassen. Letztes Jahr wurden im Rahmen der Präventionskampagne über 5000 Autofahrerinnen und Autofahrer gebüsst, weil sie zu schnell unterwegs waren.

Toni Widmer
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Roger Schneider, Leiter Verkehrsinstruktion der Repol Zurzibiet mit dem vierjährigen Kevin, der ab nächster Woche den Kindergarten besucht.

Roger Schneider, Leiter Verkehrsinstruktion der Repol Zurzibiet mit dem vierjährigen Kevin, der ab nächster Woche den Kindergarten besucht.

zvg

Am Montag machen sich auch im Aargau wieder mehrere hundert Kinder erstmals auf den Weg in den Kindergarten und für ebenso viele beginnt die reguläre Schulzeit. Kinder sind erst ab einem Alter von zehn bis zwölf Jahren fähig, die Geschwindigkeit und die Distanz von sich nähernden Fahrzeugen einzuschätzen. Und erst im Alter von acht bis neun Jahren können sie zuverlässig bestimmen, woher bestimmte Geräusche kommen sowie ein Bewusstsein für Gefahren entwickeln.

Für die erwachsenen Verkehrsteilnehmer ist in den nächsten Wochen deshalb erhöhte Vorsicht und – vor allem – Rücksicht angesagt. Die Aargauer Regionalpolizeien leisten erneut die nötige Hilfestellung. Zum Schutz der Kinder auf dem Schulweg läuft die Präventivaktion «Schulbeginn». Wie in den Vorjahren werden die Regionalpolizistinnen und Regionalpolizisten dabei an gefährlichen Kreuzungen und Übergängen vermehrt präsent sein und den Verkehr überwachen.

Zudem werden im Bereich von Kindergärten und Schulanlagen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt und bei Fussgängerstreifen das Vortrittsrecht überwacht. Die Zielgruppe der rad- und mofafahrenden Schülerinnen und Schüler soll dabei mit verstärkter Patrouillentätigkeit in die Aktion miteinbezogen werden.

52 Autofahrer waren so schnell unterwegs, dass sie verzeigt wurden

Die vom Verband der Aargauer Regionalpolizeien (VAG) koordinierten Anstrengungen sind nötig. Das belegt die Bilanz der im Vorjahr durchgeführten «Aktion Schulbeginn». Vom 10. bis 22. August 2020 sind dabei von den Regionalpolizistinnen und Regionalpolizisten rund 750 Einsatzstunden geleistet worden. Die Sicherheit der Kinder auf den Aargauer Strassen erwies sich als nach wie vor verbesserungswürdig: Bei Geschwindigkeitskontrollen im Bereich von Schulwegen mussten innerhalb dieser zwei Wochen 5567 Autofahrerinnen und Autofahrer gebüsst werden.

Zusätzlich haben die Polizistinnen und Polizisten bei gezielten Verkehrskontrollen weitere 25 Ordnungsbussen ausgesprochen. «Nachdenklich stimmt die Tatsache, dass 52 Automobilistinnen oder Automobilisten wegen massiver Geschwindigkeitsübertretungen oder anderer grober Vergehen an die Staatsanwaltschaft verzeigt werden mussten», erklärte VAG-Präsident René Lippuner vor Jahresfrist und wertete die Bilanz der Aktion als «durchzogen».

«Rad steht - Kind geht»

Auch in diesem Jahr werden erwachsene Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer wieder mit den bekannten Plakaten «Kinder überraschen» auf den Schulbeginn aufmerksam gemacht und zu erhöhter Vorsicht gemahnt. Der VAG ruft zudem auch erneut den Grundsatz des Verhaltens vor Fussgängerstreifen in Erinnerung: «Der Leitsatz ‹Rad steht – Kind geht› hat sich bewährt. Wir bitten die motorisierten Verkehrsteilnehmer, diesem nachzuleben und keinesfalls vor Fussgängerstreifen lediglich das Tempo zu verlangsamen und Zeichen zu geben. Damit würde man die Kinder verwirren. Sie sind darauf getrimmt, erst loszulaufen, wenn die Autos vor dem Fussgängerstreifen angehalten haben», sagt René Lippuner.

Die Eltern, erklärt der VAG-Präsident weiter, stünden ebenfalls in der Pflicht: «Sie sind von unseren Verkehrsinstruktorinnen und -instruktoren an Informationsabenden und mit entsprechenden Briefen mit der Problematik vertraut gemacht worden. Wir erachten es als wichtig, dass sie ihre Kinder nicht in Watte packen, sondern nach einer entsprechenden Anleitung den Schulweg allein erleben lassen. Nur so können sie möglichst rasch einen Sinn für die Gefahren entwickeln und sich an den Strassenverkehr gewöhnen.»

Elterntaxis erhöhen die Gefahr für Kinder

Gar nichts halten die Fachleute von Elterntaxis: «Wir bitten die Eltern dringend, auf solche Transporte zu verzichten. Die Erfahrung zeigt, dass den Kindern damit kein Dienst erwiesen wird. Im Gegenteil: Die Gefährdung vor Schulen und Kindergärten wird durch Elterntaxis meist noch massiv erhöht.»

Bei der «Aktion Schulbeginn» gehe es keinesfalls darum, das Bussenkonto zu füllen: «Klar müssen und werden wir bei festgestellten Geschwindigkeitsübertretungen und anderen Verstössen büssen», sagt René Lippuner. «Primär geht es jedoch um die Prävention. Wir wollen einerseits den Kindern in den ersten Tagen auf ihrem Schulweg die nötigen Hilfestellung bieten und anderseits mit unserer Präsenz die erwachsenen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer für die erhöhten Gefahren sensibilisieren.»

Jährlich verunfallen knapp 2000 Kinder auf Schweizer Strassen

Heute gehen viele Kinder zum ersten Mal in die Schule oder in den Kindergarten. Sie bewegen sich im Strassenverkehr sehr oft noch etwas unsicher. Das wie­der­um erfordert von den motorisierten Verkehrsteilnehmern erhöhte Aufmerksamkeit. Der Touring Club Aargau hat 8000 Trikis in neuem Design abgegeben. Hinzu kommen 8300 Erstklasswesten sowie 1400 Kindergartenwesten. Bei den Schulanlagen ermahnen zudem Spruchbänder die Verkehrsteilnehmer zu erhöhter Aufmerksamkeit. In der Schweiz werden pro Jahr knapp 2000 Strassenverkehrsunfälle mit Kindern unter 14 Jahren polizeilich registriert. Unter Berücksichtigung der Dunkelziffer liegt die Zahl der Verunfallten aber um einiges höher. Kinder verunfallen primär als Fussgänger und Velofahrer. (az)

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