Coronavirus

Schutzkonzepte fehlen: Nicht alle Kirchen im Aargau füllen sich an Pfingsten

Auch in den Kirchen braucht es in der Coronapandemie Schutzkonzepte. (Symbolbild)

Auch in den Kirchen braucht es in der Coronapandemie Schutzkonzepte. (Symbolbild)

Gottesdienste sind – unter Auflagen – wieder möglich. Doch nicht überall im Aargau können sie schon durchgeführt werden.

Wochenlang war es ruhig in den Kirchen. Keine Gesänge, keine Gebete. Gottesdienste fanden, wenn überhaupt, nur online statt. Das ändert sich nun. Am Pfingstsonntag werden sich die Kirchenbänke erstmals wieder füllen. Allerdings nicht überall. Denn die einzelnen Veranstalter der Gottesdienste müssen eine ganze Reihe von Auflagen einhalten. Und gerade für einige Freikirchen reichte die Zeit nicht, um alle Vorgaben umzusetzen.

Auch in Kirchen gelten die Abstands- und Hygienemassnahmen des Bundes. Und wie in anderen Branchen auch, müssen die Kirchen die Schutzkonzepte selbst aufstellen. So umfasst dasjenige des Bistum Basel, dem auch der Aargau angehört, über drei Seiten. Es befasst sich, unter anderem, mit dem Weihwasserbecken (welches leer bleiben muss), mit Desinfektionsmittel (welches am Eingang der Kirche bereitstehen muss) und der Reinigung (vor und nach jedem Gottesdienst). Zentraler Punkt während des Gottesdiensts selbst ist der Zwei-Meter-Abstand.

Noch sind nicht alle Freikirchen so weit

Doch noch haben nicht alle Kirchen solche Schutzkonzepte, oder aber sie konnten sie noch nicht umsetzen. Etwa das Heilsarmee-Korps Aargau Süd mit Sitz in Reinach. Das Schutzkonzept der Heilsarmee Schweiz steht zwar. Können die einzelnen Korps dieses umsetzen, dürfen Gottesdienste durchgeführt werden. Doch um in Reinach bereits diesen Sonntag einen Gottesdienst mit Menschen durchzuführen, dafür habe es noch nicht gereicht, sagt Katharina Hauri, Co-Leiterin des Korps. «Wir haben erst am Mittwoch entschieden, wieder mit den Gottesdiensten zu starten. Dadurch wurde die Vorbereitungszeit, etwa um die Techniker und die Musik zu organisieren, zu knapp.» Nächsten Sonntag soll es so weit sein.

Noch etwas mehr Zeit braucht die Freikirche Freie Christengemeinde Aarau. Um die 700 Menschen aller Altersgruppen treffen sich normalerweise wöchentlich zum Gottesdienst in Aarau. Und genau hier liegt das Problem: Nicht nur muss für Hunderte Erwachsene ein Schutzkonzept erarbeitet und umgesetzt werden. Für die Kinder wird ein separates Programm auf die Beine gestellt, mit anderen Bestimmungen. Und für die ganz Kleinen, die in separaten Räumen betreut werden, gelten wiederum andere Vorschriften. Es sei einfach zu viel, sagt der leitende Pastor Matthias Truttmann: «Wir sind intensiv daran. Aber mit nur einer Woche Vorlauf war das nicht möglich.»

Die Freie Christengemeinde Aarau will nun einige «Test-Gottesdienste» mit jeweils rund 100 Besuchern durchführen, um Erfahrungen zu sammeln. Gegen Ende Juni soll dann ein «möglichst normaler» Gottesdienst durchgeführt werden können. Einer, bei dem sich sowohl Personen, die zur Risikogruppe gehören, sicher fühlen. Und gleichzeitig soll es ein Gottesdienst sein, bei dem tatsächlich der Gottesdienst im Zentrum stehe, und nicht die Schutzmassnahmen gegen Corona.

Die Landeskirchen sind bereit für «sterile» Gottesdienste

Anders ist die Lage bei den grossen Landeskirchen. Die Schutzkonzepte der evangelisch-reformierten wie auch der römisch-katholischen Kirche stehen. Am Sonntag werden wohl die meisten Kirchgemeinden Gottesdienste durchführen können. Allerdings werden es noch sehr spezielle Gottesdienste sein: Ganze Bankreihen werden wohl gesperrt werden, um die Abstände sicherzustellen. Gesungen dürfte kaum werden. Bei den Reformierten möchte man ganz darauf verzichten und bei den Katholiken soll, wenn überhaupt, «möglichst zurückhaltend» gesungen werden. Wie genau der Gottesdienst aussehen wird, das liegt in der Verantwortung der Kirchgemeinden. Dadurch sollen auch örtliche Begebenheiten berücksichtigt werden können. Doch alles in allem sei man bereit. Die grösste Herausforderung liege nämlich gar nicht bei der Durchführung der Sonntagsgottesdienste, sagt Frank Worbs, der Informationsbeauftragte der Reformierten Kirche Aargau. Wegen der eher tiefen Besucherzahlen würden sich die Abstände dort noch eher einhalten lassen. Und wo es schwierig werden könnte, können die Kirchen immer noch mehrere Gottesdienste durchführen oder Anmeldeverfahren einführen.

Diese Schutzkonzepte sind sehr umfangreich und gehen zum Teil über das hinaus, was vom Bund verlangt wird. Doch der Schutz der Besucher stehe an erster Stelle, ist von allen Beteiligten zu hören. Insbesondere, weil viele Menschen, die Gottesdienste besuchen, älter sind und zur Risikogruppe gehören. «Solidarität mit der Risikogruppe verstehen wir als Verpflichtung durch die Nächstenliebe», sagt Hans- Ruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums Basel. Zudem sorgte ein Fall in Frankfurt für Aufsehen: Bei einem Gottesdienst haben sich über 100 Personen mit Corona angesteckt – dadurch sei man speziell für das Thema sensibilisiert worden. Doch trotz aller Auflagen: Die Freude, endlich wieder Gottesdienste durchführen zu können, sei riesig. Auch bei den Freikirchen, wo teilweise noch einige Wochen gewartet werden muss.

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