Letzte Etappe

Sechs unvergessliche Momente vom Leserwandern 2016

3186 Wanderer auf 25 Etappen in fünf Wochen: Wer unterwegs für Aufsehen sorgte und was die Teilnehmer sonst noch bewegte. Ein Rückblick.

Ob er das wirklich gesagt hat? Langsam, aber sicher «genüegele» es ihm für dieses Jahr, soll es Hans Schneider kürzlich entfahren sein. So erzählte es zumindest eine Leserwanderin. «Ich habe es nicht selbst gehört, aber eine Kollegin.»

Ob er das wirklich gesagt hat? Wir wissen es nicht, und das ist auch gut so. Wir würden es ihm aber nicht übel nehmen. Im Gegenteil: Schneider ist der Rekord-Leserwanderer schlechthin. Ein Teilnehmer bezeichnete ihn jüngst als Kultwanderer.

Tatsächlich ist der Thalheimer so etwas wie der Botschafter des Leserwanderns. In den vergangenen sechs Jahren verpasste er kaum eine Wanderung. Als er bei den beiden ersten Etappen der diesjährigen Ausgabe nicht dabei war, fragten manche schon besorgt, wo er denn stecke. Um dann erleichtert aufzuatmen, als Schneider bei der dritten Etappe doch wieder auftauchte.

Gemeinsam mit zwanzig weiteren Teilnehmern bildet Schneider den harten Kern des Leserwanderns. Insgesamt sind es 3186 Teilnehmer, die auf den 25 Etappen dabei waren. Das ist Rekord: Nach sieben Ausgaben knackten die Leserwanderer erstmals die 3000-Teilnehmer-Marke. Aber was bleibt sonst? Vielleicht das:

  • Bekannte Gesichter. Neue Gesichter. Unerwartete Gesichter. Ein neuer Etappen-Rekord: 314 Wanderer waren bei der ersten Etappe von Wildegg nach Aarau dabei, ein Mix aus Stammgästen und Kurzentschlossenen. Die meisten von ihnen wollen nicht Kilometer bolzen, das wurde rasch klar. Sie wollen schöne Wege, ein lohnendes Ziel und das eine oder andere Gespräch führen. Wandern eben. Unterwegs sprach Horst Sager, Geschäftsführer der Aargauer Wanderwege, vom «entschleunigenden Zeitvertrieb schlechthin».
  • Wandern mit Hund? Wandern mit Lama! Auf der zweiten Etappe im Bucheggberg waren drei Lamas dabei. Da stellte sich die Frage, ob die Wanderer nicht unnötige Gefahren auf sich nahmen. Schliesslich weiss jedes Kind: Die Zottelköpfe bergen das Risiko einer Spuckattacke. Nur keine Sorge, beruhigte Lamatrekking-Spezialistin Tanja Bandi. «Die Tiere spucken nur, wenn sie sich bedroht fühlen.»

  • Ohne sie gäbe es das Leserwandern nicht: Ohne die zwei Dutzend Wanderleiter, die mit den Teilnehmern durch die Nordwestschweiz marschierten. Jeder und jedem von ihnen gebührt dafür grosser Dank. Marie-Rose Bircher von den Aargauer Wanderwegen war bei der diesjährigen Ausgabe am häufigsten dabei. Die Wanderleiterin hielt auch mal als Kummerkästchen her oder stand bei schwierigen Passagen mit Rat zur Seite. Sämtliche Routen hatte sie im Vorfeld sorgfältig rekognosziert, die meisten kannte sie bis hin zu den Feinheiten am Wegesrand.

  • Es lohnt sich für Wanderer, von Zeit zu Zeit nicht ins Grüne zu fahren. Mal pulsierend und mal träge, mal schrill und mal still: Auch die Städte stecken voller Überraschungen. Zu dieser Erkenntnis gelangten die Teilnehmer auf der neunten Etappe, als sie durch Basel wanderten. Ein engagierter Stadtwanderer frönt nicht nur der Kunst des Flanierens, er verfolgt auch bauliche Entwicklungen oder begibt sich auf die Spuren von Gärten und Industrie.

  • Gleich doppelt überrascht wurden die Wanderer auf der zehnten Etappe. Nach dem Apéro beim Flusskraftwerk in Bremgarten benötigten sie kaum mehr zehn Minuten, um zu einem weiteren, von der Stadt spontan offerierten Apéro zu gelangen. So streng, dass es einen Doppel-Apéro gebraucht hätte, war die Wanderung zwar nicht. Gefreut haben sich natürlich trotzdem alle. Es sei herzlich gedankt.

  • Für Gesprächsstoff sorgte Andrea Meyer aus Unterengstringen mit ihren Zehen-Schuhen. Sind diese gut für die Füsse? Meyer ist überzeugt davon. Die Idee dahinter: Weil die Schuhe nicht gefedert sind, müssen sich die Füsse selbst um die Dämpfung kümmern. Nach einiger Zeit sollten auch die entsprechenden Muskeln wieder spriessen. Meyer jedenfalls war auch nach fast 20 bestrittenen Etappen noch topfit – und plötzlich waren auch andere Wanderer mit Zehen-Schuhen anzutreffen.

Sämtliche Berichte und Bilder von den 25 Etappen des Leserwanderns 2016 finden Sie in unserem Dossier hier.

Erinnern Sie sich noch an die erste Etappe?

Das war die letzte Etappe:

  • Da also schloss sich der Kreis: Nachdem die Wanderleiter Bernhard und Yvonne Bütler schon die erste Etappe kompetent begleitet haben, taten sie dies auch auf der letzten. Die gestrige Abendwanderung von Lenzburg zum Schloss Wildegg, gewissermassen eine Zeitreise zu der verschwundenen Industrie am Aabach, lockte nochmals 262 Teilnehmer auf die Wanderwege. Und auch wenn der Himmel tagsüber bedrohlich grau war: Die Wanderer wurden einmal mehr vom Regen verschont.

  • Die 25. Etappe konnte gleich noch mit einem Rekord aufwarten: 21 Prominente Gäste mischten sich unter die Leserwanderer, so viele wie noch nie. Der frühere SP-Regierungsrat Silvio Bircher kam mit seinem Sohn Adrian. Der Grünliberale war gestern einer von neun Grossräten. Ein besonderes Augenmerk galt auch dem Grünen Robert Obrist, von seiner Partei soeben zum Kandidaten für den Regierungsrat gekürt.

  • Unterwegs traf BDP-Nationalrat Bernhard Guhl auf seinen GLP-Ratskollegen Beat Flach, der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann begegnete seinem Badener Amtskollegen Geri Müller. Und Dieter Egloff, Bankratspräsident bei der AKB, war ebenso dabei wie der Aargauer Kulturchef Thomas Pauli.

  • Wie bringt man Teenager dazu, wandern zu gehen? Ganz einfach: Man gebe ihnen ein Smartphone und lasse sie unterwegs «Pokémon Go» spielen. Dazu noch Kopfhörer – und schon sind alle zufrieden.
  • Für den harten Kern der Leserwanderer war die letzte Etappe quasi ein Familienfest, bei dem auch ein Hauch von Wehmut zu spüren war. Unzählige Stunden haben sie in den vergangenen Wochen gemeinsam verbracht, da fällt der Abschied natürlich schwer. Beim Schloss Wildegg gab es Bratwürste mit Brot zum Trost – offeriert von der «Aargauer Zeitung» und vom Museum Aargau.

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