Herkunftssuche

Seit Jahren versucht Sarah Ineichen ihre Familie zu finden – nun wird die Suche für Adoptierte kostenlos

Sarah Ramani Ineichen hat ihre Mutter trotz jahrelanger Suche nicht gefunden.

Sarah Ramani Ineichen hat ihre Mutter trotz jahrelanger Suche nicht gefunden.

Ab Juli werden Personen, die nach ihrer biologischen Familie suchen, keine Gebühren mehr verrechnet. Für den Verein «Back to the Roots», der Adoptierte bei der Suche nach ihren Wurzeln unterstützt, ist das ein erster kleiner Schritt.

Sarah Ineichen sucht seit 2016 nach ihrer biologischen Familie in Sri Lanka. Bisher ohne Erfolg. Alle Spuren, die sie verfolgt hatte, endeten in einer Sackgasse. Das Geburtsdatum und der Geburtsort in ihrer Adoptionsurkunde sind falsch. Die Frau, die auf der Geburtsurkunde als Mutter angegeben wird, ist nicht ihre biologische Mutter. Sie war «Acting Mother», hat sich also vor dem Adoptionsgericht nur als Mutter ausgegeben.

Sarah Ineichen ist Präsidentin des Vereins «Back to the Roots», der Adoptierte bei der Herkunftssuche unterstützt. Ihr Fall ist kein Einzelfall. In den 80er-Jahren sind Hunderte Kinder aus Sri Lanka zum Teil illegal in die Schweiz adoptiert worden. Ende Februar hat der Bund eine historische Studie mit erschütternden Erkenntnissen zu illegalen Adoptionen vorgestellt. Demnach wussten die Behörden über den Babyhandel aus Sri Lanka Bescheid und haben ihn trotzdem nicht gestoppt.

Regierungsrat ändert die Verordnung

Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Bericht hat der Regierungsrat beschlossen, die Verordnung über die Gebühren im Personenstandswesen zu ändern. Ab Juli 2020 verzichtet er darauf, Personen, die ihre Wurzeln suchen, Gebühren zu verrechnen. Das gilt nicht nur für bestimmte internationale Adoptionen, sondern allgemein, sagt Andreas Bamert, Leiter der Abteilung Register und Personenstand. «Die Unentgeltlichkeit erfolgt aus Gründen der Rechtsgleichheit und der generellen Entlastung der betroffenen Personen», sagt er. Es gehe um 200 bis 300 Franken, die im Schnitt bei der kantonalen Behörde anfallen. Alle weiteren Auslagen, beispielsweise jene der Zivilstandämter oder anderer Stellen im In- oder Ausland, sind darin nicht erhalten.

Für Sarah Ineichen ist die Anpassung der Verordnung deshalb zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein kleiner. Sie selber hat bisher Tausende von Franken für ihre Herkunftssuche ausgegeben – für Übersetzungen, DNA-Tests und die Suche vor Ort in Sri Lanka: «Die psychologische Unterstützung ist da noch nicht miteingerechnet.» Der Verein «Back to the Roots» setzt sich für eine zielführende Herkunftssuche ein. «Das beginnt damit, dass die Adoptionsdokumente für Betroffene in der Schweiz besser zugänglich sein müssen», sagt Sarah Ineichen. «Und für Nachforschungen vor Ort vertrauenswürdige Suchdienste engagiert werden.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1