Gränichen

Selbstbehauptungskurse: So lernen Buben zu taktieren statt zu prügeln

Die Schüler lernten bei einem Selbstbehauptungskurs, dass «Köpfchen» und Wendigkeit oft die bessere Taktik sein kann. ERIKA LÜSCHER

Die Schüler lernten bei einem Selbstbehauptungskurs, dass «Köpfchen» und Wendigkeit oft die bessere Taktik sein kann. ERIKA LÜSCHER

Das Konflikttraining des Frauenvereins Gränichen zeigt: Nicht immer gewinnt der Stärkste oder Angriffslustigste. Auch Köpfchen ist gefragt - weil eine gute Taktik fast immer die halbe Miete ist.

«Selbstbehauptungskurse für Schulkinder entsprechen einem Bedürfnis», sagt Präsidentin Regula Toscan. Nicht nur Mädchen können seit einigen Jahren von diesen vom Gemeinnützigen Frauenverein Gränichen initiierten und finanziell unterstützten Kursen profitieren. Seit zwei Jahren kommen alternierend auch Schüler in den Genuss des Konflikttrainings. Der Kurs für Dritt- und Vierklässler musste in diesem Jahr sogar doppelt geführt werden.

Selbstbehauptung hat nichts mit Kampfsport zu tun, das wurde an der Abschlussrunde, zu der die Eltern der zwanzig Teilnehmer eingeladen waren, rasch klar. Vielmehr ging es Kursleiter Peter Locher darum, den Jungen im Verlauf des fünfteiligen Kurses aufzuzeigen, warum man zum Täter oder zum Opfer oder zu beidem werden kann. «Ausschlaggebend sind die Körpersprache und wie man auftritt», erklärte der Theater- und Kommunikations-Fachmann aus Wohlen. Ein grosser Teil der Kursstunden sei in Gespräche «unter Männern» investiert worden.

Dabei lernten die Gruppen, dass Kommunikations- und Konfliktbereitschaft zu den wichtigsten Grundstrategien gehört, um Konflikte zu verhindern: «Verhandeln, Vermeiden oder die Frage, ob die Sache eine Auseinandersetzung wert ist, kommt vor dem Kampf. Und wenn es brenzlig wird, sollte man wenn immer möglich Hilfe holen.» Locher erinnerte die Eltern daran, dass es natürlich ist, wenn Jungs ihre Kräfte testen wollen. Selbstbehauptung habe aber auch mit Fairness und Selbstdisziplin zu tun. Solche Strategien könne man zu Hause im Familienverband ganz bewusst trainieren.

Fünf Liegestützen beim ersten Mal

Eine lebhafte Bubenschar jedoch kann man nicht allein mit Diskussionen bei der Stange halten. Deshalb baute Peter Locher immer wieder Kampfspiele wie «10000-Volt» oder «Insel» in die Gruppenstunden ein. Dabei zeigte sich, dass längst nicht immer die Stärksten oder der Angrifflustigste gewinnen. Oft sind «Köpfchen» und Wendigkeit die bessere Taktik. Und manchmal drückt man mit passivem Verhalten oder Rückzug noch mehr Souveränität aus – Hauptsache, man lernt, die Situation clever einzuschätzen.

Mit der Parole: «Ich kämpfe fair» und der Verneigung vor der Gruppe riefen sich die Schüler vor jedem Spiel in Erinnerung, worum es eigentlich geht. Wer sich nicht an die wenigen vom Kursleiter aufgestellten Regeln hielt, hatte mit drakonischen Massnahmen zu rechnen: Fünf Liegestützen beim ersten Verstoss, Ausschluss beim dritten Mal! Dieser Strafenkatalog war von den Kursteilnehmern aufgestellt worden, nicht der Kursleiter.

Ausgeschlossen wurde keiner. Aber wie viele Liegestützen absolviert werden mussten, wurde nicht verraten.

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