Corona-Virus

«Selbstständige dürfen nicht durch die Maschen fallen» – zapft Aargauer Regierung Nationalbank-Gewinn an?

Wie geht der Aargau mit dem Corona-Stillstand um?

Die wichtigsten Ausschnitte aus dem «TalkTäglich».

Die Aargauer Regierung berät am Mittwoch, wie sie die Hilfsmassnahmen in der Corona-Krise finanzieren soll. Im «TalkTäglich» sprachen Landammann Markus Dieth, Lehrerverbandspräsidentin Abbassi und Kino-Betreiber Schibli über ihre aktuellen Herausforderungen.

Die Corona-Virus-Massnahmen zwingen auch den Regional-TV-Sender «TeleM1» zu Umstellungen. Für den «TalkTäglich» brauchte es am Dienstagabend zwei Studios, um den nötigen Abstand von zwei Metern zwischen den Anwesenden einzuhalten.

Der Aargauer Landammann Markus Dieth gab einen Einblick in die Arbeit der Aargauer Regierung nach dem Entscheid des Bundesrates, die «ausserordentliche Lage» auszurufen. Derzeit arbeitet das Gremium intensiv an wirtschaftlichen Hilfen für in Not geratene Betriebe und Selbstständige. «Die Lage ist in verschiedenen Branchen dramatisch», sagt Dieth. Er begrüsst, dass man schnell und einfach Kurzarbeit beantragen kann, aber es brauche mehr: «Der Sportfotograf als Selbstständiger hat kein Anrecht auf Kurzarbeit. Diese Leute dürfen nicht durch die Maschen fallen», mahnt Dieth. Er kündigt ein Massnahmenpaket an, das die Regierung diese Woche präsentiert.

Zur Diskussion steht, wie der Kanton die Hilfe finanzieren soll. Laut Dieth ist es denkbar, dafür auf die Ausschüttung des Nationalbank-Gewinns zurückzugreifen. Der Kanton Aargau erhält dieses Jahr 211 Millionen Franken auf diesem Weg. Ausserdem präsentierte er einen guten Rechnungsabschluss 2019. Ob die Regierung dieses Geld für die jetzige Situation einsetzt, diskutiert sie am Mittwoch. Man müsse prüfen, was rechtlich möglich sei. «Es muss sehr, sehr schnell gehen, um irreparablen Schaden zu verhindern», sagt Dieth.

Nur wenig Schulkinder nutzen Betreuung

Gute Nachrichten brachte die Aargauer Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abbassi ins Studio. Weniger Kinder als gedacht bräuchten Betreuung in der Schule. «Die Eltern nehmen das sehr ernst und unterstützen sich gegenseitig», sagt Abbassi. Die Lehrer hätten über das Wochenende alle Eltern angefragt. Am Montag um 8 Uhr habe man gewusst, welche Kinder kommen würden. Einzig gewisse Jugendliche entziehen sich bisher der Verantwortung. Sie treffen sich gemäss Abbassi weiterhin am Abend. «Das müssen die Eltern verhindern. Wenn sie zusammen auf dem Sportplatz ein Fest feiern, bringt die ganze Übung nichts.»

Was die Schülerinnen und Schüler derzeit machen sollen, ist von der Stufe abhängig. Bei den Älteren könnten die Lehrer Arbeitsblätter schicken. «Bei den Jüngeren muss man langsamer schauen», sagt Abbassi. Dort brauche es nicht so viel Unterrichtsmaterial. Sie könnten zum Beispiel lesen, vorlesen oder Basiswissen repetieren. Die Lehrer gaben über das Wochenende Tipps ab. Mit dabei: Das Schulmaterial aufräumen. Die Schüler sollen sich einen ordentlichen Arbeitsplatz schaffen, damit sie parat sind, wenn es in Kürze mit der Arbeit wieder losgeht.

Tochter nutzt Kinosaal als Videostudio

Für die Studiogäste ist es auch privat eine spezielle Situation. Dieth hat zwei Töchter, beide sind nun zuhause. Und dann ist da noch die Schwiegermutter, die mit über 65 Jahren zur Risikogruppe zählt. «Ihr muss man beibringen, dass sie zuhause bleiben muss und nicht selber einkaufen gehen darf», erzählt Dieth.

Koni Schibli, Betreiber der Youcinema-Kinos in Oftringen und Olten und diverser Gastronomie-Betriebe, musste für rund 130 seiner 160 Mitarbeitenden Kurzarbeit anmelden. Existenzängste hat er noch nicht: «Die Gespräche mit Banken und Investoren waren recht positiv.» Er rechnet aber damit, dass die Notlage länger als bis am 19. April dauert. Es sei schon recht dramatisch, in einem leeren Kino zu stehen. Das macht sich nun aber seine jüngste Tochter zunutze. Die Familie wohnt oberhalb des Kinos Capitol in Olten. Schibli erzählt: «Sie hat bestimmt schon ihr Tiktok-Studio (Tiktok ist ein chinesisches Videoportal, Anm. d. Red) im Kino aufgebaut.»

Den ganzen Talk sehen Sie hier

Wie geht unsere Region mit dem Stillstand um?

  

(mwa)

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