Vimentis

Smartspiders sind nützlich, werden aber auch hinterfragt

Marianne Binder mit ihrer Spider

Marianne Binder mit ihrer Spider

Wie kommt man zu einem «korrekten» Vimentis-Profil? Marianne Binder (CVP) stellt kritische Fragen dazu.

Smartspiders sind sehr nützlich und beliebt. Sie zeigen auf einen Blick, wo ein Kandidat oder eine Kandidatin für ein politisches Amt steht. Erstellt wird der Spider anhand von acht grossen Themenfeldern (siehe Grafik). Die Position der Politiker ergibt sich aus ihren Antworten. Beim Politportal Vimentis, mit dem die az zusammenarbeitet, werden 73 Fragen gestellt.

Doch die Fragen und deren Gewichtung geben zu reden. CVP-Nationalratskandidatin Marianne Binder stört sich an Folgendem: «Wenn ich die
Frage ‹Der Bund soll mehr Gelder für die Integration ausländischer Jugend-licher zur Verfügung stellen› mit Nein beantworte, rutsche ich auf der Skala Richtung Hardlinerin und restriktive Migrationspolitik. Dabei bin ich doch für solche Massnahmen! Ich finde aber die 55 Millionen dafür genug. Auch stellt sich die Frage, wieso man für ein strenges Rechtssystem ist, wenn man die Armee mit modernen Fliegern ausrüsten will.»

Daniel Geissmann ist im Vorstand von Vimentis verantwortlich für den Wahlspider. Er sagt, beim Integrationsthema gebe es Politiker, die mehr, die gleich viel oder weniger ausgeben wollen. Und solche, die das nicht als Staatsaufgabe sehen. Da müsse man für die Frage einen Referenzpunkt wählen: «Für uns stimmt es, dass jemand, der hier nicht mehr ausgeben will, im Vergleich zu denen, die mehr ausgeben wollen, für eine restriktivere Migrationspolitik ist.»

Marianne Binder beobachtet generell, dass die Fragebogen – sei es bei Vimentis oder Smartvote – stark auf die Links-Rechts-Skala ausgerichtet sind: «Mittepolitiker können auf viele Fragen nur mit ‹eher ja› oder ‹eher Nein› antworten. Prompt kommt dann der dumme Wischiwaschi-Vorwurf.» Auch bei anderen Themen «fragst du dich», so Binder, «weshalb du bei bestimmten Fragen auf einen ‹nicht liberalen› Kurs kommst, oder auf einen ‹rechten› oder ‹linken›.» Das sei nicht nachvollziehbar. Doch das
Ergebnis gelte dann als sakrosankt. Die Wirkung sei zudem hoch, weil diese Spiders marktbeherrschend sind.

«Wissenschaftlich abgestützt»

Geissmann verweist dazu auf eine Studie des Instituts sotomo des Politgeografen Michael Hermann. Dort seien die acht Themenkreise, auf die sich Vimentis abstützt, wissenschaftlich abgeleitet. Es sei zudem von Vorteil, dass es zwei oder mehrere Anbieter von Wahlhilfen gebe. Bei Mittepolitikern von CVP oder BDP komme das Profil auch so heraus: «Viele Wähler in den Mittepositionen erkennen sich klar in solchen Spiders, genau wie sich andere in rechten oder linken Profilen erkennen.»

Marianne Binder wehrt sich gegen eine solche «Gesinnungsvermessung», wollte eigentlich nicht mitmachen: «Ich sehe aber, dass sich mindestens die Medien dafür interessieren, schreibe aber bei vielen Antworten einen erklärenden Kommentar dazu.» Beim Ausfüllen wurden ihre Antworten sofort öffentlich, obwohl sie nicht mit Passwort angemeldet war. Binder: «Das geht gar nicht. Wo ist da der Datenschutz?»

Geissmann erklärt dies so, dass die Politikerin schon früher mal eingeloggt war: «Dann erkennt das System diese Person und aktualisiert ihr Profil. Die Antworten sind dann
öffentlich. Wenn Politiker das nicht wollen, müssen sie sich erst ausloggen.» Man überlege sich aber fürs nächste Mal einen Veröffentlichungsbutton, mit dem man die Daten erst freigeben muss.

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