Gewerbeverband

So viele Gewerbler am Neujahrsapéro wie noch nie – und viel Prominenz

Der Neujahrsempfang des Aargauischen Gewerbeverbandes in Aarau war gut besucht. Der Gewerbeverbandspräsident blickt in seiner Rede «vorsichtig optimistisch» ins anstehende Jahr 2015.

855 Personen hatten sich zum gestrigen Neujahrsapéro des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV) angemeldet. Rekordbeteiligung. Der Anlass sei «der grösste Neujahrsapéro im Aargau», freute sich AGV-Präsident Kurt Schmid. Um in seiner Ansprache dann ein Loblied auf die Kleinheit anzustimmen. Eine Untersuchung des AGV hat ergeben, dass die durchschnittliche KMU-Mitarbeiterzahl in der Schweiz zwischen 1980 und heute nicht gestiegen ist und nach wie vor bei sechs Beschäftigten liegt.

Gleichzeitig sei aber der administrative Aufwand gewachsen, so Schmid. Auch dieses Jahr rangiert das Thema deshalb in dem vom AGV erstellten Unternehmer-Sorgenbarometer weit oben. Linderung erhofft sich Schmid unter anderem von einem Mehrwertsteuer-Einheitssatz. «Philipp, bleib auf deinem Weg», forderte er den am Anlass anwesenden FDP-Präsidenten Philipp Müller diesbezüglich auf.

Auch dem Präsidenten des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler, dankte Schmid für das politische Engagement. Nächsten Montag sollen die vom SGV gesammelten Unterschriften für das Referendum gegen die Erhöhung der Billag-Gebühren eingereicht werden. Aus Rückmeldungen von Unterschriftensammlern folgert Schmid, dass mittels Initiative die Billag sogar gleich ganz abgeschafft werden könnte.

Während dies höchstens Zukunftsmusik ist, stehen am 8. März die Abstimmungen über die Initiativen für steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen und für die Energie- statt Mehrwertsteuer an. Beide Begehren lehnt der AGV-Vorstand ab. Letztere einstimmig. Es sei «ein Verwaltungsblödsinn, das ganze System zu ändern», kommentierte Schmid.

Während vor einem Jahr sein Votum für die Masseneinwanderungsinitiative leichte Friktionen mit seinem Nachredner, dem NAB-Präsidenten Peter Bühlmann, ausgelöst hatte, unterschieden sich die beiden diesmal höchstens in Nuancen, was den Ausblick auf das Jahr 2015 anbelangt. «Vorsichtig optimistisch» ist Schmid, während Bühlmann doch auch «einige Fragezeichen» sieht.

Zuoberst auf seinem Sorgenbarometer: Die Zinsentwicklung, der Wechselkurs und vor allem die politischen Weichenstellungen. Bühlmann griff hier die Masseneinwanderungsinitiative nochmals auf. Diese müsse möglichst Unternehmerfreundlich umgesetzt werden. Derzeit sei zwar noch keine Lösung mit der EU absehbar. «Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben.» Auf die Bautätigkeit im Aargau hat sich die Unsicherheit anscheinend nicht ausgewirkt. Nach einem leichten Rückgang im 2013 sei die Zahl der Baubewilligungen 2014 wieder angestiegen, so Bühlmann. Nach wie vor würden zudem viele Baugesuche eingereicht. Fazit: «Die Bautätigkeit wird 2015 und vermutlich auch 2016 hoch bleiben.»

Zum Schluss machte Schmid klar, dass er das Projekt «Landesaustellung 2027 im Aargau noch nicht aufgegeben hat. «Bist du auch dabei», fragte er auf der Bühne den Regierungsrat Alex Hürzeler augenzwinkernd, wohlwissend dass die Regierung sich mit einem Bekenntnis schwer tut. «Über das lassen wir die Zukunft entscheiden», antwortete Hürzeler diplomatisch. «Packen wir zuerst das 2015 an.»

Meistgesehen

Artboard 1