In der Schweiz zeigen schätzungsweise 75 000 Menschen (1,1 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren) problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten. Kathrin Sommerhalder, Leiterin der Fachstelle Sucht im Departement Gesundheit und Soziales (DGS), vermutet, «dass der Anteil Glücksspielsüchtiger im Kanton Aargau mindestens ebenso gross ist.

Auch deswegen, weil Glücksspiel mit dem Casino Baden verfügbar ist und die Verfügbarkeit in der Regel Einfluss auf das Verhalten hat». Genaue Zahlen hat niemand. Einen wichtigen Anhaltspunkt gibt jedoch, wie viele Personen die Spielsuchtberatung im Aargau zu Glücksspiel und Computerspiel in Anspruch nehmen. Angeboten wird diese Beratung in Baden vom bzb+ und in Aarau von der ags. Deren Zahlen zeigen, so Sommerhalder, «dass die Inanspruchnahme der Beratung in den letzten Jahren stetig zugenommen hat». Die Grafik links zeigt eine enorme Steigerung. Noch nie wurden so viele Patienten registriert wie Ende 2017.

406 Spielsperren in Baden

Doch was tut das Casino Baden, um Spielsüchtige oder Gefährdete vor sich selbst zu schützen? Laut Spielbankchef Detlef Brose wurden im Grand Casino Baden letztes Jahr 406 Spielsperren umgesetzt. Im Jahr davor waren es erst 388 gewesen. Seit Eröffnung des Casinos 2002 sind rund 7200 Spielsperren zusammengekommen. Ist das viel oder wenig? CEO Brose sagt: «Die Anzahl der Sperren ist von der Grösse eines Casinos und dessen Besucherzahl abhängig.

Fakt ist, dass das Grand Casino Baden bei der Kategorie ‹Sperren pro Besuch› eine vergleichsweise hohe Quote aufweist.» Auch dies ist für ihn ein Beleg dafür, dass die Umsetzung eines hochwertigen Sozialkonzeptes in Baden einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Laut Brose hat sich der Anteil der vom Casino angeordneten Sperren mit dem neuen Sozialkonzept 2014 auf rund 25 Prozent aller Sperren erhöht. 75 Prozent der Sperren sind demnach freiwillige Spielsperren der Gäste. Wann kommt es zu einer solchen Massnahme?

Brose: «Wenn wir aufgrund von Früherkennungsmerkmalen feststellen müssen, dass ein Gast über seinen finanziellen Verhältnisse spielt oder zu hohe Spieleinsätze im Vergleich zu seinem Einkommen riskiert und der Gast nicht zur Einsicht einer Selbstsperre gelangt». Aber auch bei zahlreichen freiwilligen Sperren habe das Sozialkonzept eine vorherige Wirkung erzielt, sagt Brose. Und wie? Zum Beispiel durch das Informationskonzept oder durch Gespräche, die die Mitarbeitenden mit den Gästen bei Auffälligkeiten führen, erklärt der Casino-Chef.

Zudem seien die betroffenen Gäste in vielen Fällen bereit, eine freiwillige Spielsperre zu beantragen, statt eine angeordnet zu bekommen: «Pro Jahr führen unsere Mitarbeitenden über 5000 Gespräche im Zusammenhang mit dem Sozialschutz.»

Bei sieben Prozent «zu spät»

Oft werden Spielsperren präventiv beantragt, also lange bevor ein spielproblematisches Verhalten vorliegt. Das Casino Baden fragt die betroffenen Gäste beim Vollzug einer Sperre, ob diese rechtzeitig, präventiv oder zu spät erfolgte. Brose: «Nur durchschnittlich 7 Prozent gaben in den letzten Jahren ‹zu spät› an.» Dies entspricht rund 30 pro Jahr. Auch diese Kennzahl, so Brose, belege die hohe Wirksamkeit des Sozialkonzepts.