Coronakrise

SP will Bundesgelder für Lehrstellenprojekte – Regierungsrat sieht keinen Handlungsbedarf

Jugendliche, die dieses Jahr die Schule abschliessen, könnten Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle zu finden. Symbolbild/Thinkstock

Jugendliche, die dieses Jahr die Schule abschliessen, könnten Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle zu finden. Symbolbild/Thinkstock

Die SP fordert in einem Vorstoss ein Massnahmenpaket, um Lehrstellensuchende zu unterstützen. Dafür soll der Kanton Bundesgelder abholen. Die CVP will eine Task Force, die sich dem Problem annimmt. Ob es dieses überhaupt gibt, ist jedoch unklar: Der Regierungsrat sagt, dass es keinen Lehrstellenmangel gebe.

Die Corona-Krise trifft viele Betriebe hart. Das weckt Ängste, dass Lehrstellen gestrichen werden – und Schulabgänger, die für diesen Sommer eine Lehre suchen, keine finden könnten. Deshalb reichte die CVP-Fraktion bereits letzte Woche einen Vorstoss ein, in welchem sie eine Task Force forderte. Diese soll aus Gewerbeverbänden, dem Schulleiterverband und Vertretern von Berufsschulen und Firmen bestehen, erklärt CVP-Grossrat Werner Müller. Die kantonale Task Force wäre so eine Ergänzung zur nationalen Task Force «Perspektive Berufslehre 2020», welche vor kurzem von Bundesrat Guy Parmelin gegründet wurde: «Solche Themen müssen auch im Kanton behandelt werden», sagt Müller.

Einen anderen Ansatz verfolgt SP-Grossrätin Simona Brizzi: Sie fordert ein Massnahmenpaket vom Regierungsrat, welches die bereits bestehenden Projekte zur Förderung von Lehrstellensuchenden weiterentwickeln und ergänzen soll. Diese Projekte könnten dann in Rahmen des Förderschwerpunkts «Lehrstellen Covid-19» Unterstützungsgelder vom Bund erhalten. So biete das Massnahmenpaket «gleich auf zwei Ebenen Vorteile», so Brizzi.

Der nationale «Förderschwerpunkt Lehrstellen Covid-19» wurde eingerichtet, um Projekte, die Jugendliche bei der Lehrstellensuche unterstützen oder Lehrvertragsauflösungen verhindern sollen, mit bis zu 80 Prozent des Aufwands zu unterstützen. Dies sieht Simona Brizzi als Möglichkeit, «Projekte, die uns für die Zukunft rüsten» weiterzuentwickeln.

Ausbau vielleicht gar nicht nötig: Lehrstellen sind normal besetzt

Ob es einen solchen Ausbau überhaupt braucht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Denn momentan sind die Werte der bereits besetzten Lehrstellen mit 70 Prozent aller Plätze etwa gleich hoch wie im Vorjahr. «Die Situation ist nicht dramatisch, es muss jedoch mit einem Covid-19-bedingten Rückgang der Lehrstellenangebote gerechnet werden», sagt SP-Grossrätin Brizzi. CVP-Grossrat Müller sieht dies ähnlich: «Jetzt sind die Massnahmen noch nicht dringend. Wir wissen aber nicht, wie sich die Situation entwickelt. Für den Fall, dass uns ein Wirtschaftseinbruch bevorsteht, starten wir die Projekte besser schon jetzt. Dann sind wir vorbereitet», meint Müller.

Im Gegensatz zu Brizzi und Müller sieht die Kommunikationschefin der kantonalen Berufsberatungsstelle ASK, Susanna Häberli, den Bedarf für neue Massnahmen «eher nicht». Auch Martin Ziltener, Abteilungsleiter der Berufsberatung von ASK, beobachtet lediglich, dass diesen Sommer mehr Auszubildende das 10. Schuljahr besuchen wollen als in den Vorjahren. Diesen Trend hat auch der Regierungsrat festgestellt, wie Bildungsdirektor Alex Hürzeler an einer Pressekonferenz vergangenen Mittwoch sagte. Deswegen werde die Regierung zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen. Darüber hinaus sieht der Regierungsrat jedoch keinen Handlungsbedarf. «Bezüglich der Lehrstellenbesetzung gibt es keinen negativen Trend. Gleiches gilt für die Lehrabbrüche», meint Hürzeler.

Der Regierungsrat sieht jedoch andere Probleme: Lehrabgänger hätten grössere Schwierigkeiten als Schulabgänger, denn die Stellensuche nach der Lehre sei momentan schwierig. Um dieses Problem zu entschärfen, gebe es Möglichkeiten, Lehrverträge bis im Oktober laufen zu lassen, anstatt wie bisher lediglich bis im Sommer.

Meistgesehen

Artboard 1