Musikschule

Sparen bei der Bildung: Und wieder trifft es die Instrumentallehrer

Die Nachfrage nach Instrumentalunterricht würde sinken.Aeschbacher

Die Nachfrage nach Instrumentalunterricht würde sinken.Aeschbacher

Nach den Bezirkslehrern wehren sich nun auch die Mittelschullehrer gegen die Sparpläne der Regierung. Das Freifach Musikuntericht soll künftig von den Eltern mitfinanziert werden.

Unter den Sparmassnahmen, welche die Regierung zur Entlastung des Staatshaushaltes vorsieht, betrifft eine die aargauischen Mittelschulen ganz direkt. Und sie trifft genau jene Gruppe von Lehrpersonen, welche bei der Revision des Lehrerlohndekrets bereits Federn lassen musste.

So soll künftig das Freifach Instrumentalunterricht von den Schülerinnen und Schülern – beziehungsweise von ihren Eltern – mitfinanziert werden. Für ein Semester fällt ein Beitrag von 400 Franken, für ein ganzes Schuljahr von 800 Franken an. Bisher hat der Kanton den Instrumentalunterricht ganz bezahlt.

Der zweite Schlag aufs Haupt

«Es kann nicht sein, dass schon wieder auf dem Buckel der Instrumentallehrer gespart wird», ereifert sich Thomas Dittrich, Lehrer an der Kantonsschule Baden und Präsident des Verbandes Lehrpersonen Mittelschule Aargau (AMV). Als der Grosse Rat vor zwei Jahren das Lehrerlohndekret revidierte, stiegen die Löhne der meisten Lehrergruppen. Doch die Instrumentallehrpersonen an Mittelschulen erlitten eine Lohneinbusse von 4,32 Prozent. Die Begründung damals: Im Musikunterricht sei meistens nur ein Schüler zu betreuen und nicht eine ganze Klasse. Die Betroffenen wehrten sich damals vergeblich, Einzelunterricht sei ebenso anspruchsvoll.

Und nun das Sparpaket. «Natürlich sind die Leidtragenden zunächst die Jugendlichen und ihre Eltern, 800 Franken im Jahr blättert nicht jede Familie einfach so hin – vor allem nicht für etwas, das bisher gratis war», betont Dittrich. Absehbar würden viele Eltern ihre Kinder aus dem Freifach Instrumentalunterricht zurückziehen, was für die Entwicklung der jungen Leute schade sei. Und so käme es eben zu Rückkoppelungen auf die Lehrerschaft. Dittrich: «Viele Lehrpersonen haben ein Pensum, das sich vorwiegend aus Freifach-Schülern zusammensetzt. Wird die Sparmassnahme realisiert, verlieren sie einen Grossteil ihrer Schülerinnen und Schüler. Pensumsreduktionen oder -zusammenlegungen wären die zwingende Folge.»

Widerspruch zum Volkswillen

Der AMV-Präsident ortet einen Widerspruch zum Volkswillen: «Der Aargau hat im letzten Jahr den Verfassungsartikel zur Förderung der musikalischen Bildung mit 75 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Vor diesem Hintergrund erscheint dieses Sparvorhaben besonders stossend.»

Thomas Dittrich beklagt auch den erhöhten Druck auf das gesamte Lehrerlohnsystem: «Für das nächste Jahr ist, wenn überhaupt, höchstens noch mit einer Lohnerhöhung von 0,5 Prozent zu rechnen. Zum Erreichen der definierten Lohnkurve wären aber rund 1,2 Prozent notwendig.»

Sorge um die Zubringerschule

Sorge bereiten dem AMV auch die Sparmassnahmen, welche die Regierung für die Bezirksschule, Hauptzubringer für die Mittelschulen, vorsieht. Dittrich: «Die Bezlehrer wurden in den letzten Jahren in Ausbildung, Lohn und Pensum sukzessive auf die Stufe der Sekundar- und Reallehrer zurückgeholt. Damit ist der Bezlehrer heute nur noch ein ‹Sekundarlehrer plus›. Der Charakter der Bez als Progymnasium ist gefährdet. Das Sparpaket setzt diese unheilvolle Entwicklung fort.»

Generell würden die Anstrengungen zugunsten der Begabtesten reduziert. Völlig gegen die Erfordernisse der Zeit richte sich die Streichung der Realien-Praktika: «Da beklagt man mangelndes Interesse der Jugendlichen an naturwissenschaftlichen und technischen Berufen – und greift genau dort ein, wo dieses Interesse gefördert werden könnte. Das ist völlig widersinnig.»

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