Covid-Patienten

Spitäler im Aargau sind gut vorbereitet: Noch mehr als 20 Intensivbetten frei

In den Aargauer Spitälern stehen noch mehr als 20 Intensivbetten für Covidpatienten zur Verfügung - hier ein Bett mit Dummy im Kantonsspital Aarau.

In den Aargauer Spitälern stehen noch mehr als 20 Intensivbetten für Covidpatienten zur Verfügung - hier ein Bett mit Dummy im Kantonsspital Aarau.

In den letzten Tagen ist die Zahl der Covid-Fälle im Aargau markant gestiegen, allein im Kantonsspital Baden werden 16 Patienten behandelt. Nur ein kleiner Anteil davon zeigt einen schweren Verlauf: Kantonsweit stehen noch über 20 Intensivbetten zur Verfügung, zudem könnte diese Zahl rasch erhöht werden.

«Bei uns liegen derzeit 16 Covid-Patienten, zwei davon auf der Intensivstation», sagte Adrian Schmitter, der CEO des Kantonsspitals Baden (KSB), am Montag an einer Medienkonferenz des Kantons zur aktuellen Coronalage. Einer dieser Patienten werde beatmet, beim zweiten habe man die Beatmung am Sonntag nach sechs Wochen beenden können.

Bei dieser Person handle es sich um einen jüngeren Mann ohne Vorerkrankungen, sagte Schmitter – dennoch sei Covid-19 nach wie vor primär für ältere Menschen mit bestehenden gesundheitlichen Problemen gefährlich. In den letzten zwei Wochen seien am KSB zwei Coronapatienten gestorben: einer war 86-jährig, einer 91-jährig, beide litten unter Vorerkrankungen.

Nur vier Angestellte infizierten sich direkt im Spital

«Es ist mir wichtig, hier zu betonen, dass kein Grund besteht, in Panik zu verfallen», hielt Schmitter weiter fest. Den meisten Covid-Patienten gehe es gut, sie entwickelten nur leichte Symptome, ein schwerer Krankheitsverlauf sei selten. Der KSB-Chef stellt aber fest, dass die Zahl der Covid-Patienten in seinem Spital seit Anfang Oktober massiv steigt. Zuvor habe man im KSB zwei bis vier Coronafälle behandelt, nun seien es deutlich mehr. «Die Erfahrung zeigt, dass etwa zehn Tage nach der Einweisung ins Spital ein beträchtlicher Anteil dieser Patienten eine Beatmung braucht», sagte Schmitter.

Das KSB habe mit der zweiten Coronawelle gerechnet und sei bereit dafür: «Diesmal haben wir genügend Masken, Desinfektionsmittel und Schutzmaterial vorrätig, das war im Frühling noch knapp», sagte Schmitter. Auch das Spitalpersonal sei gerüstet für mehr Coronapatienten, die Schutzmassnahmen hätten bisher funktioniert: «Von unseren rund 2500 Angestellten haben sich nur 46 mit Covid infiziert.» Nur bei sieben Personen sei die Ansteckung im Spital erfolgt, bei drei davon in der Kindertagesstätte – im Umgang mit Patienten gab es also nur vier Ansteckungen am KSB.

Intensivbetten auf Vorrat sind zu teuer

Schmitter betonte, das Kantonsspital Baden könne es sich nicht leisten, auf Vorrat leere Intensivbetten zu betreiben – das wäre schlicht zu teuer. Die zehn ordentlichen Intensivplätze brauche das KSB im Normalbetrieb für Patienten, die nicht an Covid-19 leiden, erklärte Schmitter.

Die Zahl der Intensivbetten könne rasch von 10 auf 19 erhöht werden, dafür stünden im KSB die nötige Infrastruktur und das Fachpersonal bereit. Möglich wäre bei Bedarf auch eine Steigerung auf 38 Intensivplätze, dafür wäre das Spital allerdings auf zusätzliche Beatmungsgeräte der Armee angewiesen. «Während der ersten Welle waren bei uns maximal 25 Beatmungsplätze belegt», blickte Schmitter zurück.

Laut einer Auswertung des Gesundheitsdepartements, die Kantonsärztin Yvonne Hummel präsentierte, stehen im Aargau derzeit rund 25 freie Intensivbetten zur Verfügung. Belegt sind erst zwei, die Kapazität des Gesundheitswesens im Kanton ist derzeit also noch problemlos gewährleistet. Zudem hielt Hummel fest, dass die Zahl der Intensivbetten bei Bedarf massiv erhöht werden könne.

Heim- und Spitalverband: Zivilschutz könnte wieder helfen

Edith Saner, die Präsidentin des kantonalen Heim- und Spitalverbandes Vaka, sagte an der Medienkonferenz: «Unser Ziel ist es, dass die medizinische Versorgung der ganzen Bevölkerung im Aargau gewährleistet ist.» Ein besonderes Augenmerk sei auf die Risikogruppen zu legen, die regelmässig gehörte Kritik, dass Senioren und Heimbewohnerinnen während des Lockdowns eingesperrt worden seien, müsse man ernst nehmen. Eine ähnliche Isolation solle es nicht mehr geben, sagte Saner, hier müssten andere Lösungen gefunden werden.

Während der ersten Coronawelle habe man gute Erfahrungen mit einer Taskforce gemacht, die sich aus Vertretern von Akutspitälern, Heimen, Rehakliniken, Spitex, Hausärzten und Apothekern zusammensetzte. Dieser Fachausschuss unter der Leitung des Gesundheitsdepartements sei wichtig, um personelle Engpässe auszugleichen, die Zusammenarbeit der Institutionen zu organisieren, oder die Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial zu koordinieren.

Saner wünscht sich, dass diese Taskforce in der aktuellen Lage so rasch wie möglich wieder einberufen wird. Aufgrund der Erfahrungen während der ersten Welle müsse ein erneuter Zivilschutz-Einsatz in Spitälern und Heimen ins Auge gefasst werden, sagte Saner weiter.

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