Corona-Massnahmen

Stadtmusik, Feuerwehr und Pfadi: So reagieren Aargauer Vereine auf die neuen Lockerungen

Die Pfingstlager der Pfadi finden dieses Jahr wegen Corona nicht statt.

Die Pfingstlager der Pfadi finden dieses Jahr wegen Corona nicht statt.

Das Vereins- und Kulturleben kam in den letzten Wochen vielerorts zum Erliegen. Nach den Lockerungen der Corona-Massnahmen ist nun vieles wieder möglich. Die Wiederaufnahme des Betriebs bleibt eine Herausforderung.

Die Pfadi hofft nun auf ein Sommerlager

In einem normalen Jahr wären so kurz vor Pfingsten viele Wölfli freudig nervös. Vielleicht hätten sie bereits den Schlafsack aus dem Keller geholt und an der Sonne ausgelüftet, die Wanderschuhe geputzt und die Batterien der Taschenlampe gewechselt. Bald würden sie das bequeme Bett gegen ein Zeltlager tauschen, am Feuer Lieder singen und viele grosse und kleine Abenteuer erleben. Dieses Jahr ist alles anders. Die Pfingstlager der Pfadi finden nicht statt. Ob den Sommerlagern, die jeweils im Juli und August stattfinden, das gleiche Schicksal droht, ist noch nicht klar. Gestern Mittwoch hat der Bundesrat informiert, dass ab dem 6. Juni Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder durchgeführt werden können.

Auch Ferienlager für Kinder und Jugendliche sind ab dann mit den entsprechenden Schutzkonzepten möglich. Der Bundesrat empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche die Tage möglichst in gleichbleibenden Gruppen verbringen. Für Lager gilt die Obergrenze von 300 Teilnehmenden, zudem müssen Präsenzlisten geführt werden.

Es sei noch nicht klar, ob die Sommerlager stattfinden, sagt Jonathan Bösch, Medienverantwortlicher der Pfadi Aargau. «Bis nähere Infos von der Pfadibewegung Schweiz kommen, gilt in den Abteilungen die Devise: Vorsichtig planen, dies mit dem Risiko, dass die Lager abgesagt werden.»

Der Beitrag von TeleM1: Clubbetreiber können sich über Lockerungen nicht freuen

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Im Juni gehen Zoos und Theater auf. In Bars und Discos darf wieder gefeiert werden. Nicht bei allen kommt Partystimmung auf.

Jubiläumsjahr im Zeichen von Corona

2020 wäre für die Pfadi Aargau eigentlich ein ganz spezielles Jahr gewesen. Am 13. März 1920 wurde der Kantonalverband gegründet. Heute zählt die Pfadi Aargau insgesamt 26 Abteilungen. Das 100-Jahr-Jubiläum wollte der Verband unter dem Motto «Pfadi Aargau unterwegs» mit vielen verschiedenen Anlässen feiern. Am 22. Februar hat ein roter Rucksack seine Wanderung quer durch den Kanton angetreten. Er wird von Abteilung zu Abteilung zu Fuss getragen und hätte so einmal den ganzen Aargau durchlaufen sollen. Die Abteilungen sollten sich im Gipfelbuch verewigen und mit der Einwegkamera ein Erinnerungsfoto schiessen. Wegen Corona hat der Wanderrucksack einen Stopp eingelegt. Er wird seine Route fortsetzen, sobald die Pfadiaktivitäten wieder stattfinden.

Der Höhepunkt des 100. Geburtstages wäre der BOTT in Gränichen gewesen. Am Wochenende vom 21. bis 23. August hätten alle Abteilungen den Abschluss des Jubiläums gemeinsam gefeiert. Dass der BOTT dieses Jahr nicht stattfinden wird, ist laut Jonathan Bösch bereits entschieden – unabhängig davon, welche Lockerungen der Bundesrat bis dann noch beschliesst. Die geplanten Aktivitäten rund um das 100-Jahr-Jubiläum sollen aber nicht einfach ausfallen, sondern werden nächstes Jahr nachgeholt.

An Kreativität fehlt es den Abteilungen auch während der coronabedingten Zwangspause nicht. Im Gegenteil: Auf der Website der Pfadibewegung Schweiz finden Interessierte viel Inspiration für Aktivitäten zu Hause (pfadi.swiss/homescouting). Und damit an Pfingsten trotzdem noch etwas Lagerfeeling aufkommt, besteht die Möglichkeit, das Pfila nach Hause zu holen. Ein 15-köpfiges Team, bestehend aus Mitgliedern von Pfadi und Jubla, hat spontan ein Pfila@home auf die Beine gestellt – mit Talentshow, Rezepten zum Nachkochen oder einem virtuellen Lagerfeuer SingSong-Abend. (Noemi Lea Landolt)

Ein Galakonzert wird es 2020 nicht geben.

Ein Galakonzert wird es 2020 nicht geben.

Nächster Auftritt der Stadtmusik Aarau im September

Auch die Stadtmusik Aarau mit ihren gut 70 Aktivmitgliedern zählte zu den Leidtragenden, deren Jahreshöhepunkt wegen der Coronakrise nicht stattfinden konnte: Das Galakonzert vom 28.März musste abgesagt werden.

Dank des innovativen Dirigenten Silvan Hof konnten die Fans doch noch ein bisschen Musik geniessen: Hof liess seine Musikerinnen und Musiker ihre Stimme zu Hause in den eigenen vier Wänden einspielen. Aus den Audio- Aufnahmen setzte er anschliessend ein «Homeoffice-Konzert», das «Galakonzert light», zusammen. Man kann sich dieses spezielle Konzert online auf www.stadtmusik-aarau.ch anhören.

Das Galakonzert wird nicht nachgeholt. «Einzelne Stücke des Konzertprogramms werden an künftigen Auftritten ins Programm aufgenommen», sagt Stadtmusik-Präsidentin Margrit Stüssi. Auch das Sommerkonzert vom 18. Juni, das in der Markthalle auf dem Färberplatz hätte stattfinden sollen, fällt aus. Und bekanntlich findet der Maienzug – ein weiterer Fixpunkt im normalen Jahresprogramm – nicht wie geplant statt. Laut Stüssi hat die Stadtmusik deshalb ihre nächsten Konzerte erst am Bachfischet am 18. September und am Kirchenkonzert vom 22. November in der Stadtkirche Aarau.

Seit Beginn des Shutdowns habe jedes Mitglied der Stadtmusik «für sich zu Hause geübt und unter anderem die Literatur, welche Dirigent Silvan Hof vorgegeben hat, gespielt», sagt Stüssi. Das bleibt auch so: «Der Probedienst ist bis zu den Sommerferien eingestellt. Wie er nach den Sommerferien gestaltet wird, hängt von den Entscheiden des Bundesrats und des Schweizer Blasmusikverbandes ab.» (Nadja Rohner)

Die Stützpunktfeuerwehr Wohlen hat den Übungsbetrieb eingestellt.

Die Stützpunktfeuerwehr Wohlen hat den Übungsbetrieb eingestellt.

Wohler Feuerwehr bleibt trotz der Lockerungen vorsichtig

Rund 30 Übungen musste die Stützpunktfeuerwehr Wohlen bislang absagen und es werden voraussichtlich noch einige mehr werden – trotz der Lockerung des Versammlungsverbots durch den Bundesrat. «Priorität hat bei uns weiterhin die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft im Ernstfall», sagt Kommandant Marcel Christen und kommt auf das Contact-Tracing zu sprechen. «Es nutzt uns nichts, wenn wir nachverfolgen können, wer wen angesteckt hat, wenn unsere Leute krankheitsbedingt für einen Einsatz ausfallen.» Zudem könnten bei vielen Übungen der Feuerwehr die immer noch geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gar nicht eingehalten werden, erklärt Marcel Christen. Wie etwa beim Aufstellen einer Leiter oder beim Üben der Erstversorgung eines Verletzten.

Der definitive Entscheid stand noch aus, als die AZ mit Christen sprach, doch der Feuerwehrkommandant ging davon aus, dass der Übungsbetrieb zumindest noch bis Ende der Sommer­ferien weitestgehend eingestellt bleiben wird. «Ausgenommen einige Übungen in Kleinstgruppen, wie etwa Fahrtraining für Chauffeure», so Marcel Christen. Für den Ernstfall haben die ausfallenden Übungen bislang keine negativen Auswirkungen. Auch dank dem guten Ausbildungsstand der Feuerwehrleute. «Bei unseren Einsätzen beruht vieles auf Automatismen», berichtet Christen, «diese gehen nicht so schnell verloren». Vor allem bei jenen nicht, die bereits schon seit Längerem bei der Feuerwehr dabei sind.

Während des Lockdowns hatte die Stützpunktfeuerwehr Wohlen weniger Einsätze als in normalen Zeiten. «Das ist uns sicher entgegengekommen», sagt Christen, «da das Ansteckungs­risiko somit gering gehalten werden konnte.» Zu Beginn sei es ungewohnt gewesen, in den Fahrzeugen die Abstandsregeln einzuhalten, in der Zwischenzeit habe man sich daran gewöhnt. Doch trotz funktionierendem Korps, eines vermisst der Kommandant: «Der soziale Kontakt fehlt enorm. Ich bin froh, wenn es wieder richtig losgeht.» Seinen Kolleginnen und Kollegen ergeht es wohl nicht anders. (Fabio Vonarburg)

Maximal 300 Gäste haben im Badener Kulturlokal «Royal» Platz.

Maximal 300 Gäste haben im Badener Kulturlokal «Royal» Platz.

Badener Kulturlokal «Royal» überlegt sich, trotz Sommerpause einzelne Veranstaltungen durchzuführen

Keine Konzerte, keine Partys, keine Deutschtreffs: Seit Mitte März ist es still im «Royal». Das Badener Kulturhaus musste wie alle anderen Lokale in der Schweiz wegen der Coronapandemie die Tore schliessen. Dass der Bundesrat ab dem 6. Juni private und öffentliche Anlässe mit bis zu 300 Personen wieder zulässt, erleichtert Andriu Deflorin, Präsident des Betreibervereins Kulturhaus Royal. «Wir freuen uns, dass das kulturelle Leben wieder stattfinden kann.» Der bundesrätliche Entscheid sei ein enorm wichtiger Schritt für alle Kulturschaffenden, nicht nur für Musikerinnen oder Theaterleute, sondern auch für Bühnen- oder Tontechniker. Was der Lockerungsschritt konkret für das «Royal» bedeutet, sei noch offen, so Deflorin.

Denn das Kulturlokal macht üblicherweise Sommerpause von Anfang Juni bis Ende August, da es in diesen Monaten sehr heiss wird im ehemaligen Kino. Nur der Deutschtreff «Kafi Royal», der jeweils am Dienstag Raum für Geflüchtete, Asylsuchende und Einheimische bietet, bleibt in dieser Zeit offen. «Wir werden im Team nun besprechen, wann das ‹Kafi Royal› unter welchen Bedingungen wieder durchgeführt werden kann.» Denkbar sei auch, ein kleines Sommerprogramm mit einzelnen Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Es seien zudem bereits Anfragen eingegangen, um das «Royal» für Anlässe zu mieten.

Die Auswirkungen des Lockdowns waren gross: Über 50 Veranstaltungen musste das «Royal» wegen der Coronapandemie absagen oder in den Herbst verschieben. «Wir haben zwölf Wochen lang null Einnahmen, und das bei gleichbleibenden Fixkosten», sagt Deflorin. «Die Situation ist herausfordern − das gilt aber für alle.» Das «Royal» setzt deshalb auf Crowdfunding auf der eigenen Website. Die Solidarität sei gross, so Deflorin. Auch von Handwerkern, die ihre Arbeit unentgeltlich verrichteten, oder von Gästen, die den Betrag spendeten, den sie sonst an einem Abend im «Royal» ausgegeben hätten.

Trotz geschlossenen Toren: Den Kontakt zu seinen Gästen wollte das «Royal»-Team nicht missen. Regelmässig schickt das Kulturlokal Lebenszeichen aus dem Lockdown. Mit humorvollen, historisch angereicherten Posts auf Facebook oder Instagram oder mit dem «Kei Party»-Bier, bei dem die sechs Clubs Gate54, LWB, Cordula Club, Nordportal, Royal und Werkk zum ersten Mal zusammenspannten. Zudem fanden unter Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen auch Tonaufnahmen und Dreharbeiten für Videoclips statt. (Stefanie Garcia Lainez)

Die Turnershow des TV Sulz im Januar fand noch normal statt.

Die Turnershow des TV Sulz im Januar fand noch normal statt.

Turner des TV Sulz können wieder richtig trainieren

Adrian Müller ist die Erleichterung anzuhören. «Endlich», sagt er mit einem Lachen, angesprochen auf die vom Bundesrat am Mittwoch bekannt gegebenen Lockerungen. Müller ist Präsident des Turnvereins Sulz und freut sich, dass nun nach vielen Wochen des Lockdowns wieder etwas mehr Normalität ins Vereinsleben zurückkehrt. Bereits Mitte Mai hatte der TV das Training wieder aufnehmen können – allerdings unter speziellen Voraussetzungen. Die Technikkommission des Vereins hatte dazu ein zweiseitiges Schutzkonzept ausgearbeitet. Unter anderem wurde nur in kleinen Gruppen trainiert, die Umkleiden und Duschen blieben geschlossen und am Training teilnehmen durfte nur, wer sich vorher dafür angemeldet hatte.

Immerhin: Seine über die Region hinaus bekannte Turnershow im Januar konnte der TV noch normal durchführen. «Da hatten wir echt Glück. Das ist uns in den letzten Wochen oft durch den Kopf gegangen», sagt Müller.

Ab dem 6. Juni nun darf der Trainings­betrieb unter anderem wieder ohne Einschränkung der Gruppengrösse stattfinden. «Wie genau wir die neuen Lockerungen umsetzen, wird noch besprochen. Aber es ist schon eine grosse Erleichterung, dass die Einschränkungen nun sicher viel kleiner werden», sagt Müller. Auf die aktuelle Saison mit Wettkämpfen und Auftritten hat der Entscheid des Bundesrats allerdings wohl keinen Einfluss mehr. «Die Saison haben wir bereits vor Wochen abgeschrieben. Es ist alles abgesagt», so Müller. Der Fokus liege nun bereits auf der nächsten Saison.

Gute Nachrichten gibt es aber nicht nur für den Trainingsbetrieb, sondern auch für zwei Anlässe des Turnvereins. Das Sommer­lager Anfang Juli kann nämlich durchgeführt werden. Und es besteht grosse Hoffnung, dass auch das traditionelle Endturnen im September im grösseren Rahmen stattfinden kann, «vielleicht sogar mit einem Plauschwettbewerb», sagt Müller. Erst einmal freut er sich nun auf die nächsten Trainings. Darauf, die Vereinskollegen zu treffen und nach dem Training noch was trinken zu gehen: «Das alles hat uns natürlich gefehlt. Ich bin froh, geht es jetzt wieder richtig los.» (Nadine Böni)

Samariter-Präsidentin Rita Steiger (r.) vor dem Postenfahrzeug. (Archivbild 2015)

Samariter-Präsidentin Rita Steiger (r.) vor dem Postenfahrzeug. (Archivbild 2015)

Brugger Samariter freuen sich auf kommende Nothilfekurse

Sie sind präsent an kleinen und grossen Veranstaltungen, verarzten Wunden und verbinden verstauchte Knöchel: Samaritervereine sind an sportlichen und kulturellen Anlässen nicht wegzudenken. Das Coronavirus aber brachte all das zum Erliegen. Und so hatten auch die Mitglieder des Samaritervereins Brugg in den letzen Wochen nichts zu tun, zumal auch die Kurse und Vereinsübungen abgesagt werden mussten. «Das Vereinsleben kam total zum Erliegen», sagt Präsidentin Rita H. Steiger. Einige Sitzungen habe man noch per Skype durchgeführt. Der Verein zählt 26 Mitglieder.

Die Absagen der Anlässe, an denen die Samariter sonst vertreten sind, treffen den Verein stark. Die Einnahmen entfallen gänzlich und auch die Nothilfekurse konnten in den letzten Wochen nicht durchgeführt werden, da die ­Di­stanzregeln nicht eingehalten werden konnten. Immerhin die Kurse sind nun wieder möglich.

Das freut Rita Steiger besonders. Denn die Stadt Brugg finanziert sämtlichen Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen jeweils den Nothilfekurs. «Das ist ein tolles Abschiedsgeschenk der Gemeinde», sagt Steiger. «Wir sind froh, dass die Kurse jetzt möglich sind. Und natürlich hoffen wir, dass wir sie nicht plötzlich kurzfristig wieder absagen müssen wegen des Coronavirus.» Der Samariterverein Brugg ist derzeit mit der Schule am Abklären, wie die Kurse ablaufen sollen.

Anlaufen sollen auch bald wieder die Vereinstätigkeiten. «Wir sind richtig hibbelig darauf, uns wieder zu sehen und gemeinsam zu üben», sagt Steiger. Finanziell sollte der Verein – trotz Ausfälle der Anlässe – über die Runden kommen. Denn auch die Ausgaben seien aufgrund der Coronasituation ebenfalls kleiner, so Steiger. Einen Lichtblick gibt es: Einzelne Veranstaltungen, an denen die Samariter jeweils zugegen sind, dürfen wohl bald wieder stattfinden. Im Covid-19-Einsatz waren die Mitglieder des Samaritervereins Brugg übrigens nicht. Sie seien von keiner Institution angefragt worden. Bei anderen Vereinen sei dies der Fall gewesen, auch im Aargau, sagt Steiger. (Janine Müller)

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