Mentoringprogramme

Steigende Arbeitslosenzahlen: Ältere Aargauer auf Jobsuche brauchen mehr Hilfe

Die Arbeitslosenquote steigt in der Coronakrise markant an. (Archiv)

Die Arbeitslosenquote steigt in der Coronakrise markant an. (Archiv)

Langzeiterwerbslosen fehlen wegen der steigenden Arbeitslosigkeit Perspektiven. Mentoringprogramme wie «Tandem 50+» helfen.

In der laufenden Sommersession entscheiden die eidgenössischen Räte über die Schaffung einer Überbrückungsrente für über 60-Jährige. Ausser bei der SVP kommt die Vorlage bei den meisten Aargauer Volksvertretern gut an. Noch wird um wichtige Details gestritten. Nächste Woche soll der Entscheid fallen. In Kraft treten soll das Gesetz über die Überbrückungsrente 2021.

Mentoring gegen hohe Langzeitarbeitslosigkeit

Dass Handlungsbedarf bei Arbeitslosigkeit besteht, zeigen auch die Aargauer Arbeitslosenzahlen vom April. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um ein ganzes Prozent gestiegen und liegen aktuell bei 3,4 Prozent. Über 50-jährige Erwerbslose können unter der Arbeitslosigkeit besonders leiden. Es trifft sie zwar nicht aussergewöhnlich häufig, aber wenn, dann oft für eine aussergewöhnlich lange Zeit.

Um dieses Problem zu verkleinern, helfen Mentorinnen und Mentoren vom Programm «Tandem 50+» im Aargau den Erwerbslosen bei der Stellensuche. In sogenannten Tandems betreut jeweils ein Freiwilliger einen älteren Erwerbslosen. Sie verbessern mit den Betroffenen Lebensläufe oder bereiten Bewerbungsgespräche vor.

Doch auch auf die Arbeit dieser Tandems wirkt sich die aktuell wirtschaftlich schwierige Lage aus: «Wenn die Anzahl offener Stellen gesamthaft zurückgeht, wird es für die Teams schwieriger, die Zusammenarbeit erfolgreich zu beenden», erklärt Programmleiterin Brigitte Basler.

Gerade wegen dieser Erschwerung hat «Tandem 50+» das Programm aber auch während des Shutdowns weitergeführt: Beratungsgespräche fanden per Telefon statt, Lebensläufe wurden per E-Mail ausgetauscht. Weil Erstgespräche auf diese Weise schwierig waren, kamen jedoch weniger neue Tandems zu Stande als sonst. «Die Hemmungen, persönliche Erstgespräche per Videotelefon durchzuführen, waren hoch», bedauert Brigitte Basler. Die bereits laufenden Tandems konnten von der Krise hingegen oftmals profitieren, denn durch die digitale Weiterführung konnten bei den Stellensuchenden wichtige Kompetenzen geschult werden.

Bis 100 Erwerbslose können betreut werden

Während der Coronakrise konnten 3 von 19 Erwerbslosen eine Stelle vermittelt werden. «Die Zahl ist natürlich sehr viel tiefer als in anderen Jahren», meint Basler mit Blick auf die Erfolgsquote des Projekts. Letztes Jahr fanden 70 von 87 Betroffenen einen Job . «Angesichts der Situation sind drei Erfolge in drei Monaten aber nicht schlecht.»

Die Programmleiterin bleibt optimistisch: «Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, braucht es uns erst recht.» Für die kommenden Monate rechnet die Programmleiterin mit mehr Anmeldungen. «Tandem 50+» habe noch Kapazitäten, um von 88 auf 100 Tandems aufzustocken. Zumindest einen Teil der Krise werden die Mentorinnen und Mentoren also abfangen können.

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