Interview

Stephan Attiger zur neuen Spitalliste: «Wir brauchen die Regionalspitäler»

Stephan Attiger, Gesundheitsdirektor ad interim.

Stephan Attiger, Gesundheitsdirektor ad interim.

Mit der neuen Spitalliste, die ab 2020 gilt, will die Aargauer Regierung die komplexe Medizin im Aargau auf die Zentrumsstandorte in Aarau und Baden beschränken. Stephan Attiger erklärt dies im Interview – und sagt, welche Rolle die Regierung für die Regionalspitälter vorsieht.

Herr Attiger, die Regierung kann mit der Spitalliste steuern. Das kann schmerzhaft werden. Ausser im Spital Muri sieht man davon aber nichts. Steuert die Regierung gar nicht?

Stephan Attiger: Ausser in Muri, wo wir neue Anträge im komplex-spezialisierten Bereich, bei der Kieferchirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie, ablehnen mussten, gab es nur relativ wenig negative Reaktionen. Daraus zu schliessen, dass die Regierung nicht steuert, wäre allerdings völlig falsch.

Wie steuern Sie denn?

Wir haben eine klare Strategie. Diese haben wir den Spitälern frühzeitig offen bekannt gegeben. Deshalb wissen sie, wohin wir wollen, und sie haben ihre Anträge in der Folge verantwortungsvoll angepasst.

So wie das Kantonsspital Aarau (KSA) seinen Antrag für eine eigene Herzchirurgie zurückzog?

Wir haben schon lange vor dem Regierungsentscheid mit den Spitälern gesprochen – nicht nur in Sachen Herzchirurgie. Und die Spitäler sprachen miteinander. Danach haben sie möglichst viel zweckmässig unter sich geregelt und diverse Kooperationen geschlossen. Da ist noch mehr möglich, gewiss. Doch die Richtung stimmt. Daher mussten wir nirgendwo «dreinfahren».

Gehört die neue Kooperation zwischen Kantonsspital Baden (KSB) und Hirslanden in hochspezialisierter Bauchchirurgie dazu?

Nein, für hochspezialisierte Medizin gibt es nur noch eine von allen Kantonen gemeinsam getragene Planung. Das KSB hat gegen die Nichtzuteilung der grossen Lebereingriffe eine Beschwerde eingereicht und eine Kooperation mit der Hirslanden Klinik Aarau abgeschlossen. Das KSA hat den entsprechenden Leistungsauftrag erhalten. Es ist im Interesse des Kantons, dass solche Topaufträge im Aargau bleiben.

Was ist Ihre Strategie?

Im Bereich der komplexen spezialisierten Chirurgie will die Regierung Leistungen auf die Zentrumsstandorte Aarau und Baden und womöglich auf einen Leistungserbringer pro Standort konzentrieren. Dies, um höhere Fallzahlen pro Standort zu erreichen sowie Qualität und Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. In Aarau stehen KSA und Hirslanden Klinik im Vordergrund.

Geht es Regionalspitälern langfristig an den Kragen?

Eins muss ich klarstellen: Wir brauchen die Regionalspitäler für den Grundleistungsauftrag. Zudem können sie gewisse Eingriffe günstiger erbringen. Wir werden in der Frage «was wird konzentriert, was bleibt regional» einen guten Mix finden müssen. Ambulant vor stationär hat aber Auswirkungen auf Regionalspitäler, weil sie künftig weniger Betten brauchen. Da stellt sich teilweise auch die Frage von Kooperationen mit Zentrumsspitälern.

Für grosse Weichenstellungen braucht es erst eine neue Gesundheitspolitische Gesamtplanung. Warum wurde dies nicht längst angepackt?

Es wäre besser gewesen, wenn wir sie früher überarbeitet hätten. Ihr wesentlicher Inhalt – ambulant vor stationär oder die Optimierung von spezialisierten Leistungen – ist bekannt und mehrheitsfähig. Die Planung wird nachher nicht ganz anders aussehen. Es stehen aber wichtige Fragen im Raum. Wie sind die Kantonsspitäler künftig organisiert, wie regeln wir die Eigentümerschaft? All das werden wir zeitgerecht mit Blick auf die nächste Spitalliste, die in vier Jahren kommt, klären können. 

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